Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Eine Ehrung, die keine ist

Es gibt Auszeichnungen, auf die man gerne verzichten würde. Das «Rockstar»-Magazin zeichnet jährlich eine Schweizer Persönlichkeit mit dem «Fuck You, You Fuckin' Fuck»-Award aus. Über die Nominationen wundert sich Virginia Gomez alias DJ TapTap aber sehr.
Melanie Winiger: Nominier für den «Fucking»-Award
© RDB/Christian Dietrich

Melanie Winiger polarisiert. Und genau deshalb wundert sich Bloggerin Virginia Gomez über die unrühmliche Nomination.

Das «Rockstar»-Magazin vergibt zum achten Mal einen Award, für den die Gewinner wohl eher keine grossen Dankesreden halten werden. Schon der Name ist nicht so klangvoll wie etwa Oscar oder Golden Globe. Er heisst: «Fuck You, You Fuckin' Fuck». Ausgezeichnet werden die nervigsten Schweizer des Jahres. Leider wird nicht erwähnt, wie die Nominierten zu ihrer Ehre gekommen sind, und bei den meisten finde ich eine Nomination fragwürdig. Bei einigen jedoch würde ich den Entscheid unterschreiben. 

Prinzipiell aber bin ich sowieso der Meinung, dass die meisten Entertainer keinem wirklich weh tun und es doch oft nur ihr Bestreben ist, der Menschheit eine Freude zu bereiten. Die gnadenlosen Selbstdarsteller sind da schon etwas anderes. Aber warum die Opfer im Showbusiness suchen und nicht zum Beispiel mal bei unseren Politikern und Wirtschaftsbossen ansetzen? Das traut sich dann doch keiner. Über andere abzulästern ist immer einfach, aber wer von den Lästermäulern hat denn selber mehr auf dem Kasten?

DJ Tatjana zum Beispiel. Jahrelang war sie doch der Stolz der Schweizer Nation. In meinen Augen hat sie Pionierarbeit geleistet und verdient nur schon dafür Respekt. Habe ich etwas verpasst? Warum sollte sie für einen solchen Award nominiert sein? Sie hatte es doch in diesem Jahr nicht wirklich einfach. Die Street Parade fiel ihr in den Rücken, für ihr Album war der Support verhalten. Trotzdem lässt sie sich nicht unterkriegen und war schon immer bestrebt, einen guten Job zu machen. Warum sollte sich jemand daran stören?

Melanie Winiger ist eine Persönlichkeit, die schon immer polarisiert hat. Und genau deswegen wurde sie doch immer als erfrischend betrachtet. Eine Frau, die viel mehr als ihr Äusseres zu bieten hat und auch nie darauf reduziert werden wollte. Sie spricht vier Sprachen fliessend und ist eine wirklich talentierte Moderatorin. Auch als Schauspielerin gibt sie ihr Bestes, geht ihren Weg und hatte den Mut, es in Amerika zu versuchen - und dafür braucht man Mut. Dass nicht alle Filme ein Erfolg wurden, kann man ja wohl nicht ihr alleine in die Schuhe schieben. Wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts. Sie sollte eher einen Tapferkeits-Award bekommen.

Der neue Bachelor. Ja gut, den kenne ich nicht. Aber wem das Format nicht passt, der muss es sich ja nicht anschauen. Die Auswahl an TV-Sendern ist so gross wie noch nie, bald sind es zweihundert.

Tanja La Croix und Yves Larock für den Carlsberg-Werbespot. Ja gut, ich mochte die lustigen Cardinal-Eulen auch lieber, aber das heisst noch lange nicht, dass Tanja und Yves einen schlechten Job gemacht haben. Optisch kommen sie jedenfalls tipptopp daher. Es gibt wesentlich schlimmere Werbungen, sogar tonnenweise! Mit dem Partykonzept dahinter haben sie vielen Clubgängern eine tolle Nacht beschert, und welcher Schweizer Musiker hätte zu einer solchen Kampagne Nein gesagt, und wer hätte es wesentlich besser gemacht?

Die Bellers… Kommentar überflüssig. Aber hier kann man auch die Kritik bei den Medien anbringen. RTL, Tele Züri und selbst SRF fanden das eigentlich recht bürgerliche Glamour-Paar interessant. Ohne die Kameras dieser Sender hätte man nie gewusst, dass es die beiden überhaupt gibt. Ignoration wäre meiner Meinung nach die beste Medizin.

Xenia Tchoumitcheva? Ach, wen stört das Russen-Girl aus dem Tessin? Ist doch langsam auch Schnee von gestern. Aber immerhin muss man ihr zugute halten, dass sie fleissig ist.

Und Gülsha von Joiz? Da liess man eine entfesselte Pharma-Assistentin vor die Kameras, die oft redet und dann denkt. Scheint aber anzukommen, weil das viele im Alltag auch tun.

Roger Schawinskis Bart? Da kommt der Award zu spät, da war Gilette schneller. Er hat keinen mehr.

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