Saturday Night Fever

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Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Nachtleben in der Schweiz vs. Brasilien - ein Vergleich

Seit vier Monaten lebt und arbeitet Virginia Gomez in São Paulo. Das Nachtleben läuft dort ganz anders ab als in ihrer Heimat - der Schweiz, wie die Bloggerin in ihrem neusten Beitrag zeigt.
Virginia Gomez (Facebook) DJ TapTap Blog Vergleich Nachtleben Schweiz Brasilien
© Getty Images

Wie laufen Partys in der Schweiz ab, wie in Brasilien? Bloggerin Virginia Gomez wagt den Vergleich.

Nächste Woche fliege ich wieder in die Schweiz für zwei Wochen. Natürlich freue ich mich darauf, alle meine Freunde wiederzusehen. Aber in den vier Monaten in Brasilien habe ich mich schon sehr integriert und jetzt, da endlich auch mein Hab und Gut angekommen ist, fühle ich mich hier zu Hause. Ich frage mich, welche Dinge in der Schweiz anders sind und ob mir die Partyszene in der Heimat verändert vorkommen wird.

Hierzu ein paar Vergleiche:

GETRENNTE CLUBS:
Schweiz:
Prinzipiell kommt jeder in jeden Laden rein. Die Musik und Preise variieren je nach Club und nicht nach Standort. Die Musik ist individuell.
Brasilien: In São Paulo sind die Clubs ziemlich strikt nach sozialen Klassen getrennt. Das umfasst nicht nur die Preise, sondern auch Locations und gar den Musikstil. In den Favelas hört man beispielsweise fast nur «Funk» - in den Stadtclubs allerdings so gut wie nie. In den Bars sind live Bands gross im Trend.
DJs: Man kann in Brasilien ziemlich genau abschätzen, wie der Abend musikalisch verlaufen wird. In der Schweiz muss man flexibler sein.

EINLASS:
Schweiz:
Man kann im Club ankommen, wann man möchte, steht nie all zu lange an und es gibt diverse Möglichkeiten, auf einer Gästeliste zu landen.
Brasilien: Da das Land viel viel grösser ist, dauert es auch innerhalb einer Stadt schnell mal über eine Stunde, bis man bei seinem Ziel ankommt. In der Nacht gibt es Gegenden, um die man lieber einen grossen Bogen macht. Wer nicht früh genug beim Club ankommt, kann schnell die halbe Nacht mit anstehen vertrödeln. Gästelisten gibt es nur sehr beschränkt und für Normalsterbliche selten.
DJs: Wir müssen zum Glück nirgends anstehen. In der Schweiz spazieren wir meistens an der wartenden Kolonne vorbei. In Brasilien gelangen wir durch einen Hintereingang in den Club.

REGISTRATION:
Schweiz: Den Ausweis muss man nur vorzeigen, wenn man sehr jung aussieht. Zu grosse Männergruppen werden teilweise abgewiesen.
Brasilien: Ein etwas mühsames Prozedere. Jeder einzelne Besucher wird mit seiner ID und oft sogar Telefonnummer erfasst.
DJs: Wir zeigen unsere Ausweise aus Prinzip nicht. Die Leute an der Türe sollen gefälligst wissen, wer wir sind.

PARTYVOLK:
Schweiz:
Die Schweizer geben sich oft und gerne sehr viel Mühe mit ihrem Styling und brauchen tendenziell ein paar Drinks, bis sie etwas auftauen.
Brasilien: Hier läuft alles sehr ungezwungen. Die Leute tanzen oft schon beim Betreten des Clubs und haben den Rhythmus im Blut. Wenn die Drinks dann ausgeschenkt werden, kann es teilweise richtig wild werden.
DJs: Die einen Gäste sind eine echte Herausforderung und dadurch eine sehr gute Schule für jeden DJ, bei den anderen macht es unglaublich viel Spass, sie mit guter Musik zu unterhalten. Ihr könnt es euch selber denken...

ABSCHIED:
Schweiz:
Hier verlässt man den Club, sobald man genug hat, spaziert raus und steigt in eines der Taxis, die normalerweise vor den Clubs warten.
Brasilien: Die Brasilianer sind unglaublich wohlerzogene Menschen. Wenn man zu einer Gruppe stösst, muss man unbedingt jeden Einzelnen mit einem Küsschen oder Handschlag begrüssen und dabei dem Gegenüber in die Augen schauen. Ein kollektives «Hallo» in die Runde wird als äusserst unhöflich betrachtet. Genauso verhält es sich bei der Verabschiedung. Wegschleichen ist ein absolutes No-Go. Zudem ist es (zumindest in São Paulo) in sehr vielen Clubs und Bars so, dass man eine Art Kreditkarte erhält, auf der alle Konsumationen des Abends verrechnet werden. Diese muss man dann beim Verlassen der Lokalität begleichen. Das kann nochmals einige Zeit in Anspruch nehmen. Taxis sind etwas Unberechenbares. Zu Hause kann es gut sein, dass der Nachbar noch ein Fest feiert. Nicht mit ihm anstossen? Beihnahe unmöglich. Die Nächte nehmen oft kein Ende in Brasilien...
DJ: Beide Destinationen haben durchaus ihren Reiz! Ich für meinen Teil freue mich sehr, dass ich zwischen den beiden Welten hin und her pendeln darf.

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