Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Vom RAV hinters DJ-Pult?

Blogger und DJ Ray Douglas staunt über ein fiktives Inserat, das im Internet die Runde macht. Jeder Mensch soll das Zeug zum Discjockey haben? Von wegen!

Seit Kurzem geistert in den Weiten der sozialen Netzwerke dieses Bild herum. «Arbeitslos, talentlos und ständig nur am feiern? Werden Sie Discjockey!» Ob solcher Überschriften macht man sich natürlich als Vertreter dieses Berufsstandes so seine Gedanken. Ich weiss auch nach mehrmaligem Hingucken nicht, ob ich das Ding eher zum Lachen oder zum Weinen finden soll. Was wahrscheinlich daran liegt, dass gewisse Aussagen nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt sind.

Natürlich ist es illusorisch zu glauben, dass man einfach so mal seinen Lebensunterhalt mit «Sync-Button drücken» verdienen könne (dies entspricht automatischem Angleichen zweier Lieder durch das entsprechende Computer-Programm - sozusagen der Autopilot eines DJs, den keiner nutzt, der etwas auf sich hält). Zum Glück. Der Weg zum professionellen DJ ist ein langer, steiniger. Und nur wer nebst Talent, Ehrgeiz, Musikwissen/-gehör und einem ausgezeichneten Netzwerk auch noch einiges an Glück hat, kann davon träumen, den wohl einzigen Job der Welt ausüben zu können, bei dessen Ausübung man hochoffiziell Hochprozentiges zu sich nehmen darf.

Aber mal abgesehen von der finanziellen Seite - wenn man sich gewisse Jungspunde in Clubs, für die es nur zählt, dass jeder der zehn DJs pro Abend fünfzig Gäste mitbringt, anguckt, stellt man mit Schrecken fest, dass hinter dem DJ-Pult je länger je mehr tatsächlich talentfreie Zone ist. Wurde früher noch regelmässig ausgebuht, wer seine Übergange zwischen den Liedern holpern liess oder sonstwie Misstöne produzierte, fällt sowas heutzutage manchem Clubgänger nicht mal auf - es wird eher darauf geachtet, ob der Typ da hinter der Kanzel auch hübsch selber mitjubelt und rumhüpft.

In einer Zeit, in der Weltstars ihre Lieder sekundengenau an Pyroshows anpassen und vor lauter Maskierung kaum mehr ihr Equipment sehen, ist es aber auch nicht verwunderlich, dass der Nachwuchs seine Prioritäten anders setzt. Ob nun diese Entwicklung hin zur Show richtig oder falsch oder irgendwas zwischendrin ist, wäre wieder ein anderes Thema. So oder so dürfte es noch eine Weile dauern, bis die Welt so viele DJs braucht, dass das RAV eine entsprechende Umschulung anbietet. Dann doch eher noch eine zum Handleser à la Mike Shiva. Denn, ohne jemandem zu nahe zu treten wollen - daran kann man wohl wahrhaft talentlos herangehen.

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