Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Ein Film, den die Welt nicht braucht

Ramon Joss alias DJ Ray Douglas über den neuen DJ-Streifen «We are your friends» - der in seinen Augen besser «A movie from and for douchebags» geheissen hätte. Eine vernichtende Kritik.

Der Tag musste ja kommen, an dem ein erfolgsorientierter Filmproduzent in seinem auf Tiefsttemperaturen herunterklimatisierten Konferenzraum seinen Lakaien zubrüllt: «Lasst uns einen Film über einen EDM-DJ machen!» Der Tag kam, und bald ist der Film da. Zu meinem Leidwesen und jenem aller DJs aus Leidenschaft weltweit. Denn voraussichtlich und nicht überraschend steht er für alles, was wir nicht sein möchten.

Im Amerikanischen nennt man einen Vollidioten einen «douchebag«. In dem Streifen  wollen ein paar douchebags reich werden, mit Hilfe von einem von ihnen, der DJ ist und zudem noch grausam gut aussieht (Zac Efron). So plus minus war das dann wohl schon.

Das wäre übrigens eine schöne Überschrift für «WAYF» - a movie from and for douchebags. Nun, in den USA gibt es immer noch jede Menge EDM-douchebags. Und so dürfte der Film wohl so sicher zu einem Kassenerfolg werden, wie es sicher ist, dass Radio Energy mindestens viermal täglich etwas von Ed Sheeran spielt.

Ein weiter Grund für den vermeintlichen Erfolg heisst Emily Ratajkowski. Sie ist jenes junge Mädel, dass in Robin Thickes bereits legendärem Videoclip zu Blurred Lines ziemlich nackt herumtänzelte. Gelehrte sind sich einig, dass Gott die Erde in nur zwei Tagen schuf, und vier weitere darin investierte, Emilys Körper zu formen. Und mindestens zwei Tage davon investierte er wohl in ihre Brüste.

Ich darf guten Gewissens behaupten, Aficionado und Conaisseur zu sein, wenn es um den weiblichen Busen geht, und lege mich fest, dass Emily Ratajkowksi diesbezüglich neue Massstäbe setzt und der Perfektion nahe kommt. Ausnehmend sympathisch und mit zumindest ein wenig schauspielerischem Talent gesegnet ist sie ebenfalls. Schade, dass sie ihre erste grosse Rolle in einem Kandidaten für eine Goldene Himbeere spielt. Aber vielleicht ist so eine Schauspielerkarriere wie ein Trinkzyklus - und schliesslich haben wir alle mal mit rotem Wodka angefangen.

Keine Frage. Wir lieben Emily. Aber diesen Film lieben wir nicht. Auch wenn er sich Mühe gibt, sich selbst nicht ernst zu nehmen, auch wenn anhand des Trailers die Hauptfigur wohl tatsächlich Leidenschaft für die Musik entwickelt. Denn nur schon für den einen Satz im Trailer muss jeder DJ den Film verspotten: «All you need is a laptop, some talent and ONE track.» Wobei das heutzutage wohl gar nicht so unzutreffend ist.

Auch wenn sie einige grossartige Hymnen hervorgebracht hat - zum Glück ist die EDM-Ära dem Ende nahe. Nur die Amerikaner, die habens noch nicht gemerkt. Aber die brauchen ja bei Vielem etwas länger.

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