Schwarze Woche mit Lichtblick

Wenn Tod und Leben aufeinanderprallen.

Guten Tag. Da bin ich wieder.

Habe keinen Schreibstau gehabt sondern habe mich bewegt: Rasant durch eine Gefühlswelt, die jeder Achterbahn Konkurrenz machen würde.

Angefangen beim Cüpli-Geplauder an einer Zürcher Party (Ich wohne nun auf dem Land und merke gerade, wie sehr die Distanz zur Stadt mich beeinflusst - ich gehe kaum mehr aus und geniesse die Ruhe ungemein) bis hin zum Todesfall.

Dasselbe, was einige Tage später Nicolas Hayek widerfuhr, passierte (ich wollte erst "erlebte" schreiben, aber das passt wohl nun wirklich nicht) auch dem Vater eines lieben Freundes.
 

Herzversagen. Und alles ist vorbei. Und die Menschen, die zurückgeblieben sind, die weinen bittere Tränen. Weil alles so plötzlich ging, weil sie in einer Art Schockzustand sind, weil einem so auch bewusst wird, dass nun WIR die nächsten sind. Wenn unsere Eltern tot sind, rücken wir in die erste Reihe nach. Kein angenehmes Gefühl.


Und während ich mich zurückziehe, um im Stillen zu trauern, um wieder mal den Fokus zu verschieben auf die WIRKLICH wichtigen Dinge im Leben, da rufen ein paar Freunde: "Komm raus, versteck dich nicht! Das Leben geht weiter."
 

So stehe ich plötzlich inmitten der coolen Ausgänger, die Zürich zu bieten hat. Sie sehen umwerfend aus, haben auch mit flachen Schuhen Modelgrösse (Bin ich geschrumpft? Ist auch dies ein Prozess des Älterwerdens? Oder werden einfach meine Absätze kürzer - ebenfalls ein Indiz der Geschmacks- und sonstigen Veränderung). Was tu ich hier? frage ich mich, als meine Rettung naht.

Sie ist blond, sie hat Stil, man schaut sie gerne an. Als wir beide voreinanderstehen, es irgendwie peinlich wäre, wegzuschauen, da reiche ich ihr die Hand: "Hallo, ich bin die Anna!" - "Ja, ich weiss." Auch ich weiss, wer SIE ist.

Tolle Schreiberin, spitze Feder, witzige Formulierungen.

Aber mir fällt gerade nichts spontanes ein, da lächle ich. Allzweckwaffe. Sieht in einer solchen Situation etwas bedeppert aus, aber besser, als einfach geradeaus zu gucken in dieses fremd-vertraute Gesicht.

Was bin ich froh, durchbricht sie das Schweigen: "Wir waren beim selben Kieferorthopäden." 

Die Schreiberin und ich - wer hätte das gedacht! Beide auf demselben Zahnarztsessel gelitten, gekämpft und geradegerichtet.

Und in diesem Moment der Grübelei war ich so dankbar. Dankbar für diese Art von Kommunikation, die man nur zwischen fremden Menschen hinkriegt: Smalltalk.

Ich werde nie eine Meisterin des Faches werden, aber Smalltalk kann ganz schön von den grossen Problemen ablenken.

Wer hätte gedacht, dass ich nach einem Todesfall so schnell wieder schmunzeln muss - und ausgerechnet wegen der hässlichen Spange von damals.

Smalltalk ganz gross. Vielleicht gehe ich doch öfters wieder unter die Leute.