Pauline Broccard

The Sound of Africa

SI-Volontärin Pauline Broccard arbeitet für drei Monate in Kenia beim Ringier-Nachrichtenportal Pulse Live. Sie schreibt über ihr neues Leben in Nairobi

Wie die Kenianer kommunizieren

Was soll das denn jetzt wieder heissen? Kenianer kommunizieren viel mit Mimik und Geste. Schon einige Male stand ich nur stirnrunzelnd da, wartete auf eine Reaktion oder versuchte jemandem zu erklären, dass er keinen Grund hatte sich zu entschuldigen.

Die Augenbrauen: Ich erzähle meiner Arbeitskollegin Mary mein Wochenende, dass ich an einem Konzert war und im Park Babyaffen gesehen habe. Ihre Reaktion: Sie hebt die Augenbrauen einmal kurz hoch. Hört sie mir überhaupt zu? Wieso sagt sie denn nichts?

Aber ich weiss jetzt: Augenbrauen hochheben heisst «Ich höre dir zu», «Ich stimme dir zu» oder ganz einfach «ja». Also keine Sorge, einfach weiter erzählen.

Das Sorry: Situation 1: Mein Computerkabel fällt runter. Genervt bücke ich mich und hebe es auf. Mary: «Sorry». Wieso tut es ihr leid? Sie kann doch nichts dafür, dass mein Kabel runtergefallen ist. Situation 2: Ich verschütte etwas Wasser auf meinem Schreibtisch. Mein Tischnachbar Peter: «Sorry». Kein Problem, war meine Schuld. Situation 3: Mein Samstagnachmittag-Plan wurde abgesagt. Meine Mitbewohnerin Anita: «Sorry». Ach, macht nichts, mache ich halt was anderes.

Das Sorry hier ist nicht gleich wie das «Tschuldigung» in der Schweiz. In Kenia ist es mehr ein «Ich fühle mit dir». Also einfach dankend annehmen.

Das Händeschütteln: Anita erklärt mir: «Wenn du jemand Älteres kennenlernst, gibst du ihm die Hand. Deine andere Hand sollte gleichzeitig deinen zu ihm ausgestreckten Unterarm halten. So zeigst du Respekt.» Gut zu wissen, danke. Aber dauert der Händedruck hier immer so lange? «Ah, ja, das ist völlig normal», sagt sie und lacht.

Die Hallo- oder Bye-Bye-Geste: Ich warte in der Schlange, das Mittagessen bei der Arbeit ist bereit. Köchin Dolly richtet die Teller an. Ich verschlafe den Anschluss und sehe Dolly vor mir die «Hallo- oder Bye-Bye-Geste» machen. Wir haben uns doch heute schon begrüsst? Ach, ich bin dran! Ich erwache aus meinem Tagtraum und rücke weiter vor. Diese Geste heisst nämlich nicht «Hallo», sondern «Komm».

WTF?: «Wir können da hingehen, aber es wird total überfüllt sein», sagt ein Freund und schlägt mit seiner flachen Hand auf seine Faust. Hm, was passiert da? «Wie viel magst du?», fragt Köchin Dolly bei der Arbeit. Die Antwort meiner Arbeitskollegin: Sie schlägt mit der flachen Hand auf ihre Faust.

Es ist eindeutig, dass es nicht das gleiche heisst wie in der Schweiz oder sonstwo. Nein, es heisst «voll» oder «Füll bis ganz nach oben!». Aha.

Und wie jede Woche gibts einen neuen Song auf die SI online Spotify Playlist «The Sound of Africa». Viel Spass beim reinhören!