Pauline Broccard

The Sound of Africa

SI-Volontärin Pauline Broccard arbeitet für drei Monate in Kenia beim Ringier-Nachrichtenportal Pulse Live. Sie schreibt über ihr neues Leben in Nairobi

Wo bleibt mein Stadtgefühl?

SI-Volontärin Pauline Broccard fühlt sich in Nairobi mit jeder Woche wohler. Nach einem Monat hat sie sich an das Einkaufen in der Mall und die vielen Uber-Fahrten gewöhnt. Eine Sache fehlt ihr jedoch sehr.

Seit genau einem Monat bin ich nun in Nairobi. Ich kann versichern, dass ich mit jeder weiteren Woche diesen Ort mehr liebe. Aber eines finde ich hier schwierig: 

Als Stadt-Zürcherin bin ich es mir gewohnt, das Haus verlassen zu können und durch die Stadt zu bummeln. Das ist eigentlich was ich auch in einer neuen Stadt tun würde: spazieren gehen. Für meine Orientierung und für mein Stadtgefühl. Hier nicht. Hier steige ich meist in ein Uber, fahre aus dem Tor raus, an der Security vorbei, bis ich durchs Tor meines Zielortes fahre. Dazwischen sind Strassen mit Mauern an jeder Seite, welche die Wohnblöcke abschirmen.

Immer wieder gibts Stände, bei denen man frisches Gemüse und Früchte einkaufen kann. Für den restlichen Einkauf gehe ich aber in eine Mall. Malls wie das Sihlcity betrete ich in Zürich eigentlich erst gar nicht. Ich finde eine volle Mall viel zu anstrengend, da bevorzuge ich fast noch den Zara am Samstagnachmittag. Nein, der ist auch fürchterlich! Aber hier ist es so und ich passe mich an. Und die Malls habe ich bis jetzt auch nicht als bedrückend empfunden. 

Doch es bleibt das Gefühl, dass ich mich kaum bewege. Zwischen Tanzen und Yoga treibe ich normalerweise jede Woche mindestens vier Mal Sport. Hier auf Null zu sein, ist hart. Ich habe mir nun sogar ein Fitnessabo gelöst. Das Fitnesscenter ist zwar auch in einer Mall, aber gut. Vielleicht sollte ich auch einfach anfangen zu meinem Arbeitsort zu laufen. Aber die, die mich kennen, wissen, dass ich lieber länger schlafe als laufe und ein Uber ist ja schon sehr praktisch. Da helfen Ratschläge wie, «Ach, du hast deinen Computer dabei? Nein, dann lieber mit dem Uber», auch nicht. Und ab 18 Uhr ist eh Schluss mit auf der Strasse sein. 

Und doch fühle ich mich hier unglaublich wohl. Jeden Ort, den ich aufs Neue hinter einem Tor entdecke, finde ich wunderschön, grün und voller lauter und fröhlicher Menschen - sei es ein Kaffee, eine Bar, ein Flohmarkt. Und die Orientierung kommt auch so langsam - teils zumindest.

Für einen kleinen Einblick in die Strassen Nairobis sehen Sie hier das Video:

Spotify Playlist «The Sound of Africa»:

Wie versprochen habe ich ein neues Lied auf meiner Spotify Playlist «The Sound of Africa» hinzugefügt: Fena Gitu mit «Sema Ng'we». Unbedingt reinhören!