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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Der After-Holidays-Blues

Bloggerin Sarah hatte ihre Wehmut nach den tollen Frankreich-Ferien erfolgreich verdrängt. Bis ein Arbeitskollege kam und sie wieder in den After-Holiday-Blues-Zustand versetzte...
Sarah Rüegger Blog Frankreich Languedoch Roussillon Ferien
© ZVG

Noch vor kurzem hatte Bloggerin Sarah diesen Blick auf den Strand am Cap Leucate. Ihr jetziger Anblick: der graue Spannteppich im Büro.

«Hey Sarah, warst du im Süden? Hast Farbe gekriegt!», fing mich der Kollege ab, als ich am Pfingstmontag (und da ich die Erklärung mindestens zehn Mal pro Feiertag abgeben muss: Ja, am Pfingstmontag! Denn dann arbeiten Redaktorinnen, weil am nächsten Tag eine Zeitung erscheint, und die muss ja wer produzieren, oder?) wieder über die grauen Spannteppiche des Büroreichs hüpfte (Ja, ich hüpfe, denn im Prinzip bin ich jeden Tag gut gelaunt, bis mir jemand die Laune verhagelt). Na danke. Er hatte gerade meinen «Denk bloss nicht mehr an die schönen Ferien, sonst willst du wieder zurück!»-Tunnelblick gestört, den ich mir auferlegt hatte. Andererseits war ich erfreut, denn eigentlich bin ich ein ausgesprochenes Bleichgesicht, das die Leute auslachen, wenn es dann Ende August mal selber findet, es hätte nun wirklich etwas Farbe angenommen. Nun, couldn't help it, da war ich also wieder, brav bei der Arbeit und mit dem Kopf noch irgendwo zwischen Narbonne und Perpignan. Typischer After-Holiday-Blues-Zustand.

Der After-Holiday-Blues ist ja auch etwas, was sich nicht immer einstellt. Vor zwei Jahren zum Beispiel verbrachte ich zwei wunderbare Wochen in Portugal und danach eine wahnsinnig anstrengende in Spanien, da meine beiden Mitreisenden einfach nicht damit aufhören konnten, sich emotional zu zerfleischen, was darin gipfelte, dass sich die beiden damals am Flughafen das wohl letzte Mal in ihrem Leben sahen. Und ich danach auch nur noch eine von ihnen, weil die andere nun wirklich gar nichts mehr auf dem europäischen Festland hielt, aber das ist eine andere und wirklich traurige Geschichte... Jedenfalls - damals war ich dann einfach froh, dass es ein Flugzeug gab, das mich von den Streithähnen und der Halbinsel wegbrachte, und sei es nun halt nach Hause. Ausserdem waren echt all meine Kleider vollgeschwitzt und weinbespritzt, es war einfach Zeit.

Dann wiederum gibt es Ferien, die einfach absolut oberscheissgeil waren, wie das Surfcamp letzten Herbst, aber dein Körper einfach nicht mehr kann. Das sind dann meistens Sportferien, oder Saufferien, oder wie im Falle eines oberscheissgeilen Surfcamps mit Freunden: die Kombination aus Saufferien und Sportferien. Da muss man dann einfach mal nach Hause, weil man weiss, dass man zwar sicher das ganze Leben so weitermachen könnte, dieses Leben dann aber spätestens Mitte Dreissig mit einem Leberversagen oder einem Surfbrett am Hinterkopf enden würde. Da ist dann der After-Holiday-Blues zwar da, aber die Vernunft, hach, die Vernunft obsiegt interessanterweise recht schnell.

Wenn Ferien aber völlig gechillt verlaufen, an einem wunderhübschen Ort, mit guter Gesellschaft, mit nur teilweise übermässigem Genussmittelkonsum, ein bisschen Morgensport, netten Ausflügen und ab und zu einem gemütlichem Nickerchen am Nachmittag - ja dann könnte man eigentlich doch noch ein bisschen bleiben, vielleicht auch auf etwas besseres Wetter warten, obwohl man hat sich bereits gut arrangiert. Ja, in so einem Fall tut Loslassen weh.

Gott sei Dank hatte ich am letzten Wochenende dann ja noch eine Gnadenfrist bis Arbeitsantritt, und so lud ich noch ennet der Grenze meine Mädels zu einer Party ein, um am Samstagabend nicht im Fernweh zu versauern. Die Ablenkung wirkte - bis am Montag dann der Spruch über meinen Teint kam. Jänu. Ich plane schon die nächste Flucht. Keine Macht dem After-Holiday-Blues!

Im Dossier: Alle Blogs von Sarah Rüegger