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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Ich mag die Art Basel nicht - ist was Persönliches

Aus dem Exil an die Kunstmesse. Unser Low-Budget-Girl Sarah Rüegger erlebt in Basel einen Kulturschock und muss sich langsam entscheiden: Kunstexil oder doch lieber Champagner, Prada und Gelfrisuren?
Art Basel 2014 Kunstmesse
© Getty Images

Die Art Basel? Das ist für Bloggerin Sarah Rüegger wie ein Süssigkeitenladen für Erwachsene, der sich mal eben mit einem Prada-Flagshipstore gepaart hat.

Ihr vergesst das sicherlich immer wieder, aber ich habe tatsächlich vor Jahren einen Bachelor an einer Kunsthochschule erlangt. Während sieben Semestern wurden wir zu Ästheten geformt und der Zeitgeist wurde uns eingeprügelt, wie früher das Händewaschen nach dem Klo. Damals war es für mich selbstverständlich, zu Recherchezwecken, zur Geschmacksschulung und auch einfach mal in meiner Freizeit in Museen zu gehen, um mir aktuelle Ausstellungen, Soloschauen und Sammlungen reinzuziehen. Also nicht nur Kulturschaffende zu sein, sondern auch kulturinteressiert.

Na, wie ihr wisst: Die letzten eineinhalb Jahre war ich von Schnee, Kniesocken und überzuckertem Schnaps in Kaffee umgeben. Das einzige, was noch am ehesten was mit Kultur zu tun hatte, war die ausgeprägte Saufkultur. Und es war gut, echt. Aber jetzt merke ich langsam, was mir in den Bergen gefehlt hat. Klar: Schwimmbäder, Kinos, eine Apotheke, wo es meine Hautcrème gibt, so einen Kram hab ich eh vermisst - wer nicht? Aber erst vor Kurzem merkte ich auch, dass ich tatsächlich auch künstlerischen Input vermisste.

Grund genug für mich, mal wieder ein bisschen Art-Basel-Luft zu schnuppern. Ich machte mir mal wieder Gedanken zu meinem Äusseren, drapierte sogar meine grünen Haare (ja, im Moment sind sie grün - ich hatte es ja schon angedroht) zu einer Art Frisur und steckte viel Kohle, die ich so gar nicht für solch einen Anlass brauchen sollte, ohne mit der Wimper zu zucken ins Portemonnaie.

Logischerweise hielt ich mich dann, in Basel, angekommen von der Art möglichst fern. Glaubt mir, es ist was Persönliches. Die Art Basel ist für mich wie ein Süssigkeitenladen für Erwachsene, der sich mal eben mit einem Prada-Flagshipstore an einer Strassenecke gepaart hat. Von aussen siehts schön bunt und glitzernd aus, jeder hat Angst, der andere schnappt ihm was weg, und jene, die nur gucken wollen, werden mit abschätzigen Blicken nach aussen befördert.

Nö, sowas mag ich nicht. Ausserdem finde ich es irgendwie traurig, dass etwas wie Kunst, die für mich so bedeutend ist, gestapelt und feilgeboten wird, wie Teekannen in einem marokkanischen Souk.

Ich verzichtete also auf den Kunst-Supermarkt und gönnte mir erst mal Gerhard Richter in der Fondation Beyeler. Dass meine gewagte Annahme, während der Art könnte ja der Ansturm auf die Ausstellung mal weniger schlimm sein, Bullshit war, hielt mich nicht davon ab. Trotzdem: Es tat gut. Und ich befand dies, was ich sah, als sehr gut.

Um mir doch noch ein bisschen den Messegroove zu geben, traute ich mich gar an die Liste, wo Junge Kunst angesagt war. Aber ganz ehrlich: Die Galerien-Kabäuschen, die gegelten Typen und mageren Damen, die dazugehören und auf Laptops tippend furchtbar ernsthafte Business-Gespräche mit in Chloé gewandeten Rothaarigen führten - das war mir dann eben doch alles zu fortgeschritten fancy und etabliert. Ich wünschte mir ernsthaft meine Kunsthochschulzeit zurück, derer ich offenbar noch heute nicht entwichen bin. Das waren aber auch Zeiten... Kunst war für uns eine Vernissage in einem komplett ungesäuberten Schuppen, wo wir billiges Dosenbier tranken und uns über in der Brocki gefundene Spielzeuge in einem Holzrahmen unterhielten, um den netten Kunststudenten etwas näher zu kommen.

Tja, Times a changin’. Ich wird mich wohl entweder wieder ins Kunstexil begeben, oder mich mit Champagner, Prada und Gelfrisuren anfreunden müssen. Zeit, erwachsenen zu werden, was?

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