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Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Warum man mehr in die Badi sollte

Das Low-Budget-Girl hat sich durchgerungen und ist ins Schwimmbad gegangen. Und es war ein voller Erfolg.
Themenbild Sommer Schwimmbad
© iStockphoto/Getty Images

Mit leicht melancholischer Popmusik und Längenschwimmen lässt sich die Badi ertragen.

Ja, es kam, wie es kommen musste - während die kaschmirdeckenwarme Hochsommersonne wieder die epilierten, notdürftig selbstgebräunten und miniberockten Beinchen aus allen Ecken holte, war das Low-Budget-Girl mal wieder an einem emotionalen Tiefpunkt angelangt. Das Wochenende hatte sie mit Betrinken und Regenerieren in regelmässigen Abständen verbracht und den Montag mit dem lächerlichen Versuch, etwas Ordnung in ihr Gefühlsleben zu bringen, was etwa so fruchtbar war, wie das Waschen eines Weinflecks mit Sirup. Der ewige Kampf der Geschlechter um Liebe und Respekt hatte sie ausgelaugt, das Low-Budget-Girl sehnte sich nach Wärme, aber scheute das Licht.

Diesen gesellschaftlich nicht sehr anerkannten Zustand galt es natürlich zu bekämpfen, und da sich Gegärtes und Gebranntes als schlechte Ratgeber entpuppten, ebenso das alleinige Suchen nach Anerkennung in Clubs (zumal die ja unter der Woche zu sind) - ja, nicht einmal das Laufen war eine genügende Ablenkung -, schleppte das Low-Budget-Girl ihre bleichen Gliedmassen schliesslich in die Badi. Natürlich war es nicht nur der grässliche und überflüssige Geschlechterkampfkummer, den sie dahin trieb. Nein, in einem ersten, optimistischen Schub hatte sich das Low-Budget-Girl Anfang Juni ein Saisonabonnoment für 60 Stutz erstanden, das doch nur zwölf Eintritten entsprach - das schafft sie doch locker, dachte sie damals, draussen waren bedrückende 30 Grad und das Low-Budget-Girl damals noch ohne festen Job. Nun, der Schweizer Sommer lacht sich ab solchem Optimismus natürlich hart ins Fäustchen und das Low-Budget-Girl steht unter Zugzwang. Zwei Mal hatte sie es bisher in die Anstalt geschafft, das dritte Mal kam also vergangene Woche, einen Tag, bevor sie drei Wochen komplett in einem Zürcher Büro verschwinden würde.

Tatsächlich stellte sich das Unterfangen aber als genauso erfolgreich heraus, wie sie es sich erhofft hatte. Man sagt der Sonne ja eine geradezu heilende Wirkung nach. Tatsächlich: Schwitzend, begleitet von leicht melancholischer Popmusik mit leichtem Countryeinschlag lässt es sich in zertretenem Gras neben schreienden Kindern eigentlich herrlich seelisch genesen. Die Band, die das Low-Budget-Girl in die Anstalt begleiten durfte, hat übrigens den wohl dümmsten Bandnamen seit Langem: Boy miez Girl. (Der genialste Bandnamen ever ist übrigens «Zentralheizung of Death des Todes», einer deutschen Punkband.) Doch wer so süsse Melodien aus Gitarren lockt und mit den Texten so wie Faust auf Auge zu ihrer Stimmung passt, darf auch mal mit einem derart blöden Namen andampfen.

Übrigens ist auch Längenschwimmen als Zerstreuung nicht zu unterschätzen. Das monotone Auf und Ab und die Konzentration aufs Atmen erleichtert einerseits das Nicht-daran-denken und bringt andererseits doch die eine oder andere Erkenntnis dazu, einem einfach zuzuschwimmen. Genial.

Ich bin das Low-Budget-Girl und zurzeit wieder einmal all over blank. Ich denke, ich sollte mehr in die Badi gehen. Noch neun Eintritte. Das sollte doch zu schaffen sein.

Und mehr tanzen. Ich sollte mehr tanzen.

Alle Blogs des Low-Budget-Girls gibts im SI-online-Dossier.