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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Bitte mieten Sie meine Wohnung!

Wer in Zürich eine Bleibe sucht, sucht. Wer in Saas Fee eine Bleibe sucht, findet. Bloggerin Sarah Rüegger über die Unterschiede in ihrer alten und ihrer neuen Heimat.

Eine Wohnung suchen ist scheisse. Vor allem in Zürich kennt man immer jemanden, der eine Wohnung sucht («Kreis 3, 4 oder 5, gross, hell, Parkett, alte Plättli in der Küche, passend zum selbstgestrichenen 50er-Jahre-Buffet aus der Brocki passen und wenn möglich gratis»), aber leider kennt schon lange keiner mehr jemanden, der eine Wohnung zu vermieten hat («Sicher zieh ich da nicht aus!»). Also enden die Suchenden dann doch irgendwann in fremden Wohnungen, die mit lässigen Texten auf Ron Orp beworben wurden.

Dort stehen sie dann in der Schlange als gäbs Freibier - zusammen mit 150 anderen Interessenten, die schon lange bereit sind, für dunkle 30 Quadratmeter mit dem Charme eines Kerkerverlieses (leider ohne Balkon und Badewanne) jeden Monat 1500 Schtutz exklusive Nebenkosten loszuwerden («Dafür liegts mitten im Dörfli!!!»). Etwa drei Mal gehen sie da einfach so hin, bevor sie schnallen, dass  alle anderen eingefroren breit grinsenden Bewerber dem Vormieter «easy auch beim Umzug helfen könnten» oder mindestens selbstgebackene Schokoküchlein mit Smarties verziert an die Besichtigungen mitbringen. So verbringen sie Monate auf der Suche, bis sie schliesslich in der Agglo landen.

Nicht so in Saas Fee im Sommer. Die sicherste Methode ist dort noch immer die Dauermieterliste, die das Tourismusbüro regelmässig aktualisiert auf ihrer Website aufschaltet. Dort sind jeweils die Hausnamen (von «Mischi» bis «Bergheimat»), Standort, der Vermieter und dessen Telefonnummer aufgeführt, sowie die Anzahl Zimmer, selten auch der Preis. Keine Details über Grösse, Teppich, oder Balkon. Das alles wird per Telefon geklärt oder Tête-à-Tête. Besichtigungstermine gibt es nicht, meistens trifft man sich spontan.

Da ich noch im Unterland weilte und ein bisschen jobbte, fuhr ich also für zwei Tage nach Saas Fee hoch, um mir Studios anzuschauen. Schliesslich hatte ich zwei Besichtigungen. Da tauch ich also auf, andere Interessenten sind kein Thema. Und dann gings schon los: «Das ist wirklich ein grosses Studio, und der Balkon, schau, wirklich riiiesiig! Falls etwas fehlt, können wir das gut noch kaufen, sag einfach Bescheid! - Ach, du willst erst Mitte Monat einziehen? Kein Problem, dann schauen wir dann wegen der Miete. - Eine Kaution..? Was ist das? Ach so, nein, nein, sowas brauchen wir nicht. - Okay, ruf uns einfach an, wenn du entschieden hast, wir würden uns sehr freuen, wenn du in unserem Studio wohnen würdest!»

Ja, und dann ruft man dann einfach mal eine Woche später an, sagt, dass man gerne dieses Studio haben würde. «Ach, das ist ja super - ja klar ist es noch frei! Ruf einfach an, wenn du einziehen möchtest. - Schön, dann können wir dann einmal einen Kaffee zusammen trinken! - Moll, da freuen wir uns wirklich.» Das wars. Mietverträge gibts nicht, Mietzins 600 Franken warm, verarscht wird in der Regel selten. So schön kann Wohnungssuche sein.

Sarah Rüeggers ersten Blog-Beitrag finden Sie hier.