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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

So schnell kanns gehen

Der Spass im Schnee kann schmerzhaft enden. Diese Erfahrung macht auch Bloggerin Sarah Rüegger. Ausgerechnet beim Snowboarden brach sie sich das Schlüsselbein.
Rettungshelikopter der Air Zermatt
© Getty Images

Von der Piste ins Krankenhaus: Bloggerin Sarah Rüegger wurde mit der Air Zermatt ins Spital geflogen.

Irgendetwas ist kaputt. Kopf oder Schulter, Kopf oder Schulter. Ich hebe den Kopf - nein. Der ist es nicht. Ich hieve mich mit Mühe vom Boden. Die flimmernden Pünktchen vor den Augen sind schnell verschwunden. Nur intuitiv drücke ich mit meiner Hand gegen die linke Schulter. Fuck! Ist das normal, dass ich diesen Knochen nach innen drücken kann? Noch high vom Adrenalin rutsche ich den Hang runter zu unserem Treffpunkt. «Valerie, ich hab mir das Schlüsselbein gebrochen!»

So schnell kanns gehen. Eben noch hüpfen Valerie und ich im Funpark auf dem Gletscher rum, erst nach zig Abfahrten hatte ich das Gefühl, warm genug zu sein, um zu springen, ich hatte ein gutes Gefühl. Anlauf geholt, genug Speed und Höhe - da verlor ich jede Kontrolle, verdrehte mich, landete viel zu früh mit der linken Schulter und dem Kopf zuerst auf dem ungnädigen Schnee. So schnell kanns gehen.

Valerie bettet mich auf einen Sitzsack, zieht den Pulli weg, untersucht meine Schulter. «Kannst du noch fahren?» Ich versuche, mich aufzurichten. Nein. Sie ruft die Rettung an. Minuten später rasen sie mit dem Schneemobil an. «Sieht schon arg nach Schlüsselbein aus», meint der eine. Ich plappere unterdessen Schwachsinn, reisse Witze. Keinen Schimmer, was mein Körper gerade ausschüttet, aber es unterdrückt den Schmerz. «Am effizientesten ist, wenn wir den Heli rufen.» Auch das noch. Zum Glück bin ich Rega-Mitglied. Der Retter gibt den Funkspruch «Patientin, weiblich, etwa 25» - dankeschööön! - «Verdacht auf Calvicula-Fraktur» durch. Minuten später weht mir Schnee ins Gesicht, dann zwei neue Gesichter, die Heli-Retter von Air Zermatt.

«Nein, nein, nein.» Ich habe keine Allergien, nehme keine Medikamente und bin nicht krank oder schwanger oder so was. Die Heli-Jungs spritzen mir etwas. Im nächsten Moment liege ich mumifiziert im Helikopter. Ich versuche, herauszuschielen, doch es strengt mich zu sehr an. Der Flug ins Spital in Visp dauert für mich Stunden, obwohl es nur Minuten sind. Der Schmerz drückt durch.

Die OPs sind überbelegt, zu viele Helis, zu viele Notfälle aus den Alpen, mein Fall «nicht dringend». Ich lande in einem Bett auf der Mutter-Kind-Station, sonst war nix frei. Erst wollen sie mich nach Hause schicken, dann doch operieren. Am Mittwoch darf ich plötzlich nichts mehr essen und trinken, ich werde auf die Chirurgie verlegt. Gegen sechs Uhr abends werde ich abgeholt, in der Anästhesie - meiner Lieblingsabteilung - reisse ich ein paar Witze, um etwa neun Uhr abends wache ich völlig verwirrt im fahrenden Bett auf, über mir ziehen die Neonlichter vorbei. In der Zwischenzeit haben die mich aufgeschnitten, die Knochen gerichtet und mit einer Titanplatte zusammengetackert, zugeklebt und zurückgeschoben. So schnell kanns gehen.