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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Küsschen und Glitzer

Für Bloggerin Sarah Rüegger war das Openair Gampel ihr erstes Festival dieses Jahr. Wieso sie sich plötzlich wie eine 60-Jährige fühlte und das komplette Samstagabend-Lineup verpasste, verrät sie in ihrem neusten Blog.
Bloggerin Sarah Rüegger über Openair Gampel, Hippies und Festivals
© Dukas

Love, Peace and Happiness: An Festivals mutiert Bloggerin Sarah Rüegger zum Hippie.

Okay, ja, ich hab eine meiner Lieblings-Bands of all time verpennt. Mando Diao spielten ihren einzigen Schweizer Festival-Gig und ich schlummerte friedlich in meinem Zelt ein Räuschchen aus. Fanta 4 hab ich auch verpasst, Fettes Brot glaub ich auch und wer war eigentlich sonst noch alles so da?

Ich habs letzte Woche schon angetönt: Festivals sind für mich eigentlich in seltenen Fällen wirklich mit Konzertbesuchen verbunden. Das klingt für viele jetzt ganz schlimm, aber ich kann euch versichern - ich finds voll okay. In der Regel halte ich mich irgendwo auf Zeltplätzen, bei merkwürdigen Kaffee-Mobilen und in Partyzelten auf. Oder ich tanze einfach irgendwo zwischen Pizza und Sangriakübeln. Und nö, ausser Bierchen und Zigis nehm ich keine Drogen. Ich schwör!

Ja, am Festival werde ich zum Hippie ohne Zeitgefühl, hab jeden lieb und quatsche mit allen, die mir grad so in den Weg kommen, drücke ihnen Glitzer auf die Stirn und Küsschen auf die Wangen.

Ja, so ein Festival ist an sich eine ganz tolle Gelegenheit, sich mal aufzuführen, wie man grad mag. Letztes Wochenende am Gampel zum Beispiel fühlte ich mich mal wieder wie zwanzig. Dies führte natürlich dazu, dass ich gleich am allerersten Abend unserer Ankunft, dem Freitag, beim Pogen zu Scooter («Yeah,  Hyper, Hyper!!!») meinen geliebten schwarzen Hut verlor, mir gegen 25 blaue Flecken zuzog, später im Rockstar-Zelt, wo ich wie ein junges Reh die Treppen raufspringen wollte, bei der zweiten Stufe so übel hängenblieb, dass ich fürs restliche Festival mein Knie nur noch um 30 Grad biegen konnte, und ich zum Schluss im Iglu-Zelt auch noch meinen Wochenend-Vorrat an Glitzer auf einmal verstäubte. Und das Ganze bis 9 Uhr in der Früh.

Da ich nach maximal zwei Stunden Schlaf noch immer dachte, ich sei maximal 22-jährig, ging eigentlich alles von vorne los. Dass meine Freundin ihr Handy bei einer Gruppe Freiburger Jungs wieder fand, hob die Stimmung natürlich beträchtlich. So verbrachten wir einige Stunden bei Rum, Gin und Wasser mitten auf dem Campingplatz-Weg. Auch später auf dem Gelände lagen wir eigentlich grosszügig anderen Leuten im Weg herum und quatschten, tänzelten hier und da und eigentlich war alles vögi, hätte ich nicht diesen Döner gegessen. Meine Güte, mein gefühltes Alter schnellte von 23 auf 60 in 5 Minuten. Es war brutal.

Und so kam es eben, dass ich das komplette Samstagabend-Lineup verschlief. Und es war die beste Entscheidung des Wochenendes. Denn so konnte ich das Ganze überhaupt noch mit Spass und ohne grössere Leiden bis zum Schluss durchstehen. Und ich muss sagen: Es war der Hammer. Und danke, liebe Valerie, dass du extra noch mal auf den Zeltplatz gekommen bist, um mich zu wecken. Denn da ging alles noch einmal von vorne los.

Und ich muss sagen: Gampel, du warst eines der geilsten Festivals, das ich je erlebt hab. Ich drück dir in Gedanken Glitzer auf die Stirn und ein Küsschen auf die Wange.

Alle Blogs des Low-Budget-Girls gibts im SI-online-Dossier.