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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Gibt es ein Leben nach Saas Fee?

Einmal Saas Fee, immer Saas Fee? Bloggerin Sarah Rüegger stellt sich die Frage, ob man überhaupt an einem anderen Ort glücklich werden kann, wenn man erst einmal in den Walliser Bergen gewohnt hat.
Saas Fee: Bloggerin Sarah Rüegger will nicht mehr weg
© Getty Images

Wer Saas Fee einmal verlässt, bekommt früher oder später Heimweh und kehrt zurück. Wird es auch unserem Low-Budget-Girl so ergehen?

Es soll ja tatsächlich Leute geben, die Saas Fee irgendwann wieder verlassen. Vor einigen Wochen war ein deutscher Kumpel wieder einmal hier zu Besuch, der etliche Jahre in Saas Fee geblieben war. Er war eigentlich die erste Person, die ich hier kannte. Er hatte hier seine Freundin, eine Ski-Instruktorin, getroffen. Dieses Jahr haben sie sich verlobt, neue Jobs gefunden und sind an den Zürichsee gezogen. Also, die beiden waren zu Besuch. Ein grosses Hallo, wie gehts, alles gut bei euch da in Tsüri? Und so nach ein paar Schlucken Bier kams dann eben raus: Ne, so rosig ist das eben doch nicht. Es sei sogar recht schwierig, denn die Welt da draussen, die sei eben nicht Saas Fee. Vor allem das Familiäre fehle halt, das enge Netzwerk, auch auf der Arbeit.

Noch ehe ich mir tiefere Gedanken darüber machen konnte, meldete sich ein britischer Saas-Fee-Kumpel bei mir. Ob ich von einem Job wisse, er wolle zurückkommen. Ich hatte ihn in der Saison 2011/2012 kennengelernt, als ich selber noch Touristin war. Nach dieser Saison zog auch er weg, nach Zürich - wegen der Liebe. Die Liebe verging, er arbeitete in einer Bar, der Zürich-Koller war nicht mehr abzuwenden, und schwupps: Er hat einen Job gefunden und kommt exakt heute Sonntag wieder «nach Hause» - und bleibt.

Ein drittes Beispiel - eine gute Freundin von mir. Auch sie hatte ich noch als Touristin vor zwei Jahren kennengelernt und oft in Saas Fee besucht, bevor ich herzog. Sie arbeitete in einem Club, doch vieles ging schief vergangene Saison. So entschied sie sich, noch etwas anderes zu sehen von der Schweiz, gerade weil Saas Fee der erste Ort - ausserhalb von Spanien - war, den sie überhaupt je gesehen hatte. Also zog sie nach Fribourg, um ihr Deutsch und Französisch aufzupeppen, alles war neu, alles war gut. Und dann letztens ein Anruf: Weisst du von einem Job für mich? Ich will zurück nach Saas Fee kommen, Fribourg nervt mich, ich vermisse die Berge.

Da endlich stellte ich mir die Frage: Gibt es ein Leben nach Saas Fee? Ich wollte ja eigentlich auch nur eine Wintersaison bleiben, und jetzt hab ich schon eine Winter- und eine Sommersaison hinter mir und stehe vor meinem zweiten Saas-Fee-Winter, Ende nicht in Sicht. Klar, ich arbeite immer wieder im Unterland, aber angemeldet und wohnhaft bin ich hier. Wenn ich weg bin, hab ich Heimweh und will schnellstmöglich zurück. Sind wir überhaupt lebensfähig nach Saas Fee? Warum bleiben hier so viele hängen? Ich möchte die Frage absichtlich noch offen lassen. Denn die Wintersaison beginnt hier und jetzt, wir ersaufen im Pulverschnee, und erst jetzt fängt auch das wahre Saas-Fee-Feeling an zu wirken. Ich habe vier Monate, um dem Geheimnis endgültig auf die Schliche zu kommen. Und ihr müsst mit mir auf die Suche gehen. Wir sprechen dann in vier Monaten nochmal darüber.

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