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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Das Low-Budget-Girl

Eine Frau. Ein Laptop. Kein Geld. Und Berge. Unsere neue Bloggerin Sarah Rüegger stellt sich vor.

Ich sollte mich vorstellen. Und es ist schwierig. Wo Barbara Lanz eben noch von ihren Eindrücken aus Thailand bloggte, trete nun ich auf den Platz. Und: (omg) Werde über mein Leben in einem Walliser Bergdorf erzählen. Namentlich: Saas Fee. Dort, wo andere Ferien machen, lebe ich nun. Ciao Zürich, hallo Berge.

Manche nennen es aussteigen. Whatever. Doch zum ersten Mal folgte ich meinem Bauchgefühl. Bereits vergangenen Dezember tauschte meinen Bürostuhl in der Redaktion gegen einen Stehplatz hinter einer Raucher-Bar auf fast 2500 Meter über Meer. Karrierepläne gegen Schnee und Snowboard. Aperol Spritz gegen Kaffee Lutz. Und eine 2.5-Zimmer-Wohnung im Kreis 3 gegen ein möbliertes Studio in einem Chalet. Und es fühlt sich gut an. Warum? Weil ich jung bin. Weil ich die Berge mehr liebe, als ich ahnen konnte. Weil ich in vier Monaten Menschen und Freunde aus mehr Nationen gefunden habe, als ich je bereist habe. Weil ich hier alles habe.

Saas Fee ist nicht Zürich, ist nicht New York, ist nicht Bangkok. McDonalds, Starbucks oder H&M gibts nicht, dafür Chämistuba, Cafe Sporting und Zalando. Und doch besteht der Reiz von Saas Fee gerade darin, dass es hier eigentlich nicht viel gibt - und es doch Jahr für Jahr Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Sie kommen als Touristen oder Arbeiter, manche wegen der Liebe. Saas Fee ist ein Miniaturabblid der Welt, ist Krisenbarometer und Schmelztiegel. Eine Parallelwelt, so dicht gefüllt mit Geschichten wie ein Werk von Tolstoi. Die meisten sehen diesen Kosmos nur von aussen. Während die Touristen nach ein paar Tagen abreisen, bleiben wir.

Wir, das sind die Saisonniers. Wir - das sind Schweizer, Deutsche, Spanier, Engländer, Schotten, Iren, Mexikaner, Letten, US-Amerikaner, Holländer, Japaner, Spanier, Portugiesen, Eritreer, Franzosen, Österreicher, Schweden, Norweger. Unsere Sprache ist Englisch. Wir sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Wir kennen und lieben unser Dorf. Wir sind süchtig nach der Piste. Wir haben nie Kohle. Und: Wir feiern. Wir arbeiten. Wir lieben. Wir leiden. Viel. Hart. Oft.

Das ist die Wintersaison. Und nach vier Monaten - Ende April - wird es auf einen Schlag still. Es ist Zwischensaison: Die Trottoirs werden hochgeklappt, die Läden, Bars und Clubs verkürzen ihre Öffnungszeiten oder schliessen ganz. Köche werden Bauarbeiter, Rezeptionistinnen gehen in die Stadt und Pistenarbeiter an die Uni zurück, Barkeeperinnen packen den Rucksack und fahren in den Süden. Wie ich.

Manche von ihnen kehren nicht zurück. Manche bleiben. Und viele tröpfeln ab Mitte Juni wieder in die Lobbys, neben die Pisten und hinter die Tresen. Wie ich. Dann beginnt die Sommersaison. Für viele die schönste Zeit des Jahres in Saas Fee. Wandern, Klettern, Ski- und Snowboarden auf dem Gletscher, Paragliding, Skydiving - wer den Kick sucht, wird ihn auch finden. So wie ich. Und davon werde ich berichten.

Sarah Annina Rüegger bloggt ab sofort jeweils am Sonntag auf SI online.