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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Die Geburtsstunde der Krassheit

Bloggerin und Wahl-Saas-Feerin Sarah Rüegger reiste am Wochenende an ein deutsches Festival, über das sie eigentlich nicht berichten sollte. Sie tuts trotzdem - überwältigt von ihrem persönlichen magischen Moment.

Da ich zurzeit wie viele meiner Bergkumpanen noch im Unterland bin, um die verdienstlose Zwischensaison mit möglichst einkömmlichen Zufallsjobs zu überbrücken und mich in Gästezimmern um Mietkösten zu drücken, lechze ich ab und an nach ein bisschen Abwechslung, denn Urlaub und Abenteuer sind ja jetzt quasi mein Job.

Also machte ich letztes Wochenende, was alle Zwischensaisonniers in der Zwischensaison so machen: Ich stieg mit ein paar Kumpels in einen dunkelgrünen VW-Kombi und fuhr an ein Festival.

Blöd nur, dass ich ausgerechnet über dieses Festival nix erzählen sollte. Und keine Fotos posten sollte. Und schon gar nicht noch mehr Leute anlocken sollte, da es eh schon zu viele sind (wer ein Ticket will, muss sich im November bewerben, wer ausgelost wird, kriegt den kostbaren Fetzen - mit dem eigenen Namen versehen - im Mai). 

Eigentlich sollte ich also einfach meine Klappe halten - so der Kodex - weil dieses Festival auf einem ehemaligen Militärflughafen im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern eben noch ein wenig underground sein möchte, auch wenn jährlich gegen 58'000 Nasen hier die drei grossen Ts zelebrieren (Trinken, Tanzen, Toiletten suchen). 

Doch nicht nur die vollkommene Abwesenheit von berichtenden Medien, sondern vor allem drei weitere grosse Punkte unterscheiden das Festival, dessen Namen hier nicht genannt werden sollte, von den meisten anderen:

  1. Das Festival ist nicht kommerziell orientiert. Das heisst: Ausser den einen oder anderen Antifa-Flyer gibt es keine werbenden oder wertenden Papiere, Flaggen oder Biersorten (die wechseln jährlich).
  2. Das ganze Festival ist vegetarisch oder vegan. Und keiner beklagt sich, denn das Essen ist frisch, gut und originell und gleichzeitig senkt sich die Diarrhö-Quote, wie die Konsultation der Dixie-Klos zeigt, deutlich.
  3. Es gibt keine Superstars. So kriegen wirklich gute Bands eine wirklich grosse Bühne.

Und so gab es für mich auch am namenlosen Festival natürlich mindestens einen grossen, ja magischen Moment, wo ich Menge stand und sich plötzlich eine riesige, warme, perfekte Plüschkuppel über mich, das Publikum und die Helden auf der Bühne stülpte. Und genau in diesem Moment, so schien es mir, stocherte endlich die Sonne ein wenig in der Wolkenwüste  und gefühlte Zwanzigtausend sangen irgendetwas mit, und mir fehlten die Worte, bis der Typ auf der Bühne sagte: «Das ist so quasi die Geburtsstunde der Krassheit.»

Und weil ich ja eh nix mehr schreiben darf, mach ich einfach Werbung für jenen grossartigen Künstler, der mir diesen plüschig-rebellischen Moment beschert und sich so meine ewige Verehrung verdient hat: Käptn Peng. Hört ihn euch an und versteht. Oder nicht.

Ich bin in einer Woche wieder da, wo ich sein sollte: in den Bergen. Drum geh ich jetzt Wanderschuhe kaufen.

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