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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

App-solut fit, oder?

Frühlingszeit ist Fitnesszeit für Sarah Rüegger. Die Bloggerin hat einige Smartphone-Apps fürs körperliche Wohlbefinden getestet.
Hilaria Baldwin macht Yoga
© via Instagram

Statt App-Hilfe setzt Sarah Rüegger - wie Hilaria Baldwin im Bild - lieber auf Yoga im Alltag.

Oh ja, sie ist wieder da, die Zeit zum Rausgehen oder sich zumindest darauf vorzubereiten. Selbst meine unfittesten Freunde stemmen mittlerweile im Gym Gewichte, rennen oder walken durch ihre Nachbarschaft. Kann man nichts zu sagen, denn auch ich versuche mich fit zu machen für die ganzen kommenden Wanderungen, Trailruns, Wakeboardversuche und natürlich Surfferien im September. Das ist nix Neues, offenbar hat der Frühlingsanfang diesen Effekt und da uns die Sonnenfinsternis vorletzte Woche nicht mit der Welt in den ewigen Abgrund gezogen hat, können wir unsere Freizeit nach der Skisaison weiterhin beruhigt mit körperlicher Ertüchtigung verplempern.

Nur etwas ist dieses Jahr anders. Jeder, wirklich jeder, mit dem ich mich über seinen Sport unterhalte, erwähnt irgendwann im Gespräch ganz beiläufig irgendeine Smartphone-App, die ihm dabei hilft. Diese Apps ermitteln Laufstrecken, berechnen Kalorienbilanzen, verbessern die Performance, helfen beim Einkaufen und sogar beim Schlafen. Fehlt nur noch die App, die mir sagt, wann ich aufs Klo soll, wie oft ich idealerweise blinzle, welcher Typ Single ist und wann ich meine Mutter anrufen soll. Dachte ich erst. Dann dachte ich: Okay, Du bist bald 30 und deshalb nicht davor gefeit, total altmodisch zu sein. Bewerte das Buch nicht immer nach dem Umschlag. Und all das Zeug, das man halt denkt, wenn man sich wieder einmal beim vorschnellen Urteilen ertappt hat.

Also, dachte ich mir, muss ich das Zeug doch erst mal ausprobieren. Und da eine Liste meiner Meinung nach nie Schaden kann, hier eine zu den aktuell in meinem Bekanntenkreis kursierenden Gratis-Apps, die bei der Erlangung von mehr Fitness helfen sollen - inklusive Bewertung durch meine Wenigkeit.


Der Appetitverderber:
Ich muss gleich mal sagen: MyFitnessPal ist gar nicht so übel. Gar nicht so übel darin, mir die Lust auf allerlei Essbares zu verderben. Die App errechnet deine tägliche Kalorienbilanz. Du gibst bei der Anmeldung an, ob und wie viel du abnehmen möchtest, ob du dein Gewicht zu halten gedenkst, oder zunehmen willst. So gibt Dir die App dann entsprechend deiner Grösse und deines aktuellen Gewichts einen Kalorienrichtwert, den du nicht überschreiten solltest. Dies kontrollierst du, indem du jeden Krümel, den du zu dir nimmst, auflistest. Da offenbar so ziemlich jeder diese App braucht, ist darin durch die User so ziemlich alles mitsamt Kalorienangaben erfasst, du kannst also mit einer einfachen Suchfunktion so ziemlich jedes Lebensmittel auf der Welt finden. Zudem kannst du recht einfach deine sportliche Aktivität einbeziehen und die Bilanz wird neu errechnet, das heisst, du kannst mehr essen, wenn du mehr Sport machst, logisch. Isst Du zu wenig, hält dir die App am Ende des Tages eine Standpauke, von wegen unvernünftig und so. Isst du zu viel, kommt gar nichts, ausser deinem Gewicht, dass du haben wirst, wenn du jeden Tag so reinhauen würdest. Du könntest dich - natürlich - über die App auch vernetzen und mit anderen Kalorienzählern über Kalorien reden, aber ehrlich, wer sollte das wollen?

Fazit: Die App ist okay und super für Leute die mal wissen wollen, was sie da eigentlich so essen den lieben langen Tag lang. Auch ist es ein lustig-pingeliger Zeitvertrieb, mal eben Tagebuch über jedes einzelne Nüsschen zu führen, das die Speiseröhre runterrutscht. Nur: Das Ganze kann einen echt gaga machen. Dass ich nach fünf Heineken und einer halben Tüte Paprikachips schon nix mehr essen dürfte, ohne mega rot in die Bilanz zu kommen, ist doch völlig daneben. Jedenfalls wenns da blau auf weiss leuchtendend auf dem Display steht. Spielverderber! Trotzdem find ichs ganz witzig mit der App, empfehle sie aber keinem, der sich ohnehin schon zu viele Gedanken über sein Essverhalten und seinen Körper macht.


Der Stresser:
Von der Runtastic-App hab ich über Facebook erfahren, als plötzlich mehrere Freunde begannen, ihre Laufstrecken mitsamt Zeit zu posten (und wieder: Wieso sollte das jemand tun?). Ich dachte nur so: Voll nützlich! Denn als ich noch wirklich ambitioniert rannte (vor zehn Jahren, Halbmarathon), registrierte ich diese Dinge mit einer Uhr und einem mechanischen Rädchen auf einer Landkarte. Nur: Die App macht mich total verrückt! Da ich nur die Basisversion (gratis!) geladen habe, muss ich mir zum Glück nur nach dem ersten Kilometer anhören, wie lange ich nun dafür gebraucht habe (ich sag, die lügt doch!). Hätte ich die PRO-Version, hätte ich das Vergnügen nach jedem verdammten Kilometer! Ich meine,du erfreust dich grad joggend an der Schönheit der Welt und plötzlich ruft eine Stimme: «Lahmarsch! Lahmarsch!» Ohne mich. Man kann offenbar auch andere Sportarten mit dem Ding aufzeichnen - wie auch immer.

Fazit: Die Streckenlänge und die Zeit einfach zu registrieren, find ich gut. Die synthetische Stimme in meinem Ohr, die mich eigentlich motivieren sollte, eher weniger. Dass es die verbrauchte Kalorienzahl gleich dazu gibt, lässt sich heutzutage wohl nicht mehr verhindern. Und selbstverständlich könnte ich mich auch hier vernetzen und sogar von anderen über die App anfeuern lassen. No way, Baby. Vielleicht lösch ich die App ganz. Irgendwie saugt sie jeden Spass aus meinem Training raus. Wer sich aber gerne selber kasteit: sicher nicht die schlechteste Möglichkeit.

Die Digitale Einkaufsliste:
Offenbar gibt es jetzt Apps von den nationalen Grossverteilern. Aus Recherchegründen habe ich mir mal jene vom grossen M aufs Phone gehauen. Damit sieht man dann Aktionen und die verschiedenen Produkte mit Mengenangaben und Preis. Nährwertangaben sehe ich bisher keine, sehe also nicht genau ein, was meine Freundin damit meinte, als sie sagte, dass sie damit einkaufen geht, weil ihr Coach ihr das empfohlen hat. Im Prinzip ist da also weniger, als ich im Supermarkt meines Vertrauens finde. Dass man sich mit der App eine produktegenaue Einkaufsliste mit Bildchen machen kann, ist zwar nett, aber nun wirklich nichts für mich.

Fazit: Eben gerade gelöscht. Nimmt viel Platz auf dem Telefon ein und bringt mir persönlich gar nichts. Und Einkaufslisten bevorzuge ich noch immer auf Fresszetteln, die ich dann zu Hause vergesse. Schulterzuck.

Die App-Schafherde:
Seit ich Yoga für mich entdeckt habe, schlafe ich wie ein Baby. Die App Deep Sleep verspricht ebendiesen Tiefschlaf für Insomniöse. Hab mal reingeschaut und gestaunt, dass man sich da von Schlaf bis Muskelentspannung alles in Hypnose-Audiodateien holen kann. Eine gute Freundin schwört auf die Alternative zum Schäfchenzählen, ich habs selber zum Glück nicht nötig.

Fazit: Coole Sache, da es offenbar wirklich manchen hilft. Ich selber bleib bei Yoga, da mich das Gelaber und die Klubschulen-Spa-Musik nicht unrelevant nervt. Doch wenn alle Stricke meines Superschlafes reissen, hol ich mir das Ding vielleicht wieder aus der Cloud.

Im Dossier: Alle Blogs von Sarah Rüegger