Blog Logo

Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Im Unterland - total überfordert

Bloggerin und Wahl-Saaserin Sarah Rüegger stellt mit Schrecken fest: Aus ihr ist ein Landei geworden.
Blog Stadt Berg einfach Landei
© Sarah Rüegger

Überall Autos, ÖVs - und Menschen. Sarah Rüegger hat nicht nur davon die Schnauze voll.

Sodeli, es ist ja bei mir bereits Zwischensaison, das heisst, mein Sommerjob im Restaurant ist passé und ich muss schauen, wo ich bleibe. Glücklicherweise ist meine Generation ja jene Generation der sogenannten Superopportunisten und hat Beziehungen und B-Pläne im ganzen Land, eine Matur, eine abgeschlossene Berufslehre, ein Diplom und einen Bachelor. So kommt es, dass ich jetzt ab und zu mal wochenweise nach Zürich muss, um dort mit meinen anstudierten Skills meine Miete, mein Essen, meine Drinks und die Tage auf dem Snowboard zu verdienen.
 
Gar nicht so einfach ist das jeweils, wenn ich die 1400 Höhenmeter in die Stadt hinuntersteige. Richtige und viele Autos, Lastwagen und Velos sind da etwa. Sowas gibts bei uns oben aufm Berg gar nicht. Nur Elektros. Ziemlich einschüchternd, genauso wie das unsägliche Gedränge und Gerempel garniert mit einer feinen Urin- und Schweissnote im Tram. Bei uns riecht es höchstens leicht muffig nach Skikleidung, die mal wieder in die Maschine müsste.

Weiterer Punkt: Pausenlos muss ich mich rechtfertigen, warum ich denn zum Henker in den Bergen wohne, Bier zapfe und Spass habe, anstatt in der Stadt zu wohnen, mehr zu verdienen, hip zu sein und das Bruttoinlandprodukt anständig zu füttern. Als wären Gastronomie und Tourismus mindere Wirtschaftszweige und ein mit gebräunter Haut überzogener Körper mitsamt froher Gemütsverfassung eine unverschämte Zumutung. Jä nu, meistens endet das als Diskussion getarnte Geplänkel ohnehin mit dem Satz des Gegenübers: «Du machst es eben schon recht, bist ja noch jung.» Nicht, dass ich um Erlaubnis oder Absolution bettelte - aber merci.
 
Zudem bin ich endlos überfordert, mit den ganzen Möglichkeiten in der Stadt. Am Dienstag fragte mich meine Freundin Debby, die gerade von einem dreimonatigen unbezahlten Urlaub mit Gleitschirm aus dem Süden zurückgekommen ist (übrigens auch sie hart überfordert), ob ich denn in der Stadt bei ihr oder bei mir abmachen wolle. Drei Möglichkeiten? In Saas Fee heisst es einfach: «Um 9 im Dom, okay?»
 
Ich will ja gar nicht motzen, aber mich stresst es mittlerweile einfach, die ganzen Optionen, das ganze Gefrage «wo warst du denn, was machst du denn hier und wieso denn bloss?». Deshalb war ich in der ganzen Woche nur einmal aus und ansonsten um neun im Bett. Dabei wollte ich doch ein Buch lesen, Stricken lernen, Freunde treffen. Ich bin abends einfach endlos erschöpft von alledem. Oder vom Höhenunterschied. Oder einfach grundsätzlich von der Stadt.
 
OMG! Ich bin glaubs ein Landei geworden.