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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Hilfe, ein Interview!

Bloggerin Sarah Rüeger ist Low-Budget-Girl, freie Journalistin, Gelegenheitsjobberin und: Modedesignerin. Seit mehr als vier Jahren bringt sie nun wieder eine Kollektion heraus. Und ist ganz schön nervös. Aber nicht wegen der Präsentation. Ausgerechnet ein Presse-Interview macht ihr Bauchweh.
Interviewsituation Stress Mikrofon
© iStockphoto/Getty Images

Ein Interview über ihre Modekollektion - purer Stress für Bloggerin Sarah Rüegger.

Morgen bricht die letzte Woche an. Es ist die Woche, die man sich herbeisehnt und doch irgendwie am liebsten immer schön weit weg wünscht. Am kommenden Samstag ist Showdown. Meine Freundin und Geschäftspartnerin Laura und ich präsentieren unsere erste gemeinsame Kollektion an einer Modeshow in Bern. (Eigenwerbung muss sein: «Get dressed», 20 Uhr in der Aula des Progr, im Rahmen des Progr-Fests. Kommt!). Monatelange Arbeit auf fünf Minuten Präsentation hin. Blutige Finger, Bügeleisen-Verbrennungen und Selbstzweifel begleiteten das Entwerfen, das Schnittzeichnen, das Zuschneiden und Nähen der Prototypen. Für mich ist es die erste Kollektion seit 4.5 Jahren, seit ich also im Frühjahr 2010 mein Modedesign-Studium abgeschlossen habe.

Doch nicht einmal der Showtag oder die anschliessende Kritik stressen mich so ab. Nö - das alles wird ohnehin schneller vorbei sein, als ich Kunstprekariat buchstabieren kann. Aber morgen werde ich im Vorfeld der Show ein Interview geben. Ja, eine Zeitung interessiert sich für unsere Arbeit und wir werden nicht nur Red und Antwort, sondern auch für Fotos zur Verfügung stehen. Und das macht mich mehr als nur nervös.

Denn seit mehr als drei Jahren arbeite ich selber als Journalistin, habe den Stuff sogar studiert, habe Interviews geführt, Reportagen gemacht, Menschen porträtiert und Kommentare verfasst. Natürlich habe ich auch über Mode geschrieben, was übrigens etwas vom schwierigsten für mich war, da ich die gängige Mode-Berichterstattung als Profi meistens als extrem banal empfand. Und nun muss ich - obwohl der Begriff «Seitenwechsel» bei uns Journalisten eigentlich für den Wechsel in eine Kommunikationsabteilung steht - die Seiten wechseln. Nicht ich stelle die Fragen, sondern die andere. Und ich sollte dann auch noch so interessant wie möglich antworten - ich weiss ja, was die wollen («knackige Zitate», «wenig Fach-Chinesisch», «kurze Antworten, kein Geschwafel»).

Dass in meiner Redaktion Sprüche von den Kollegen kommen werden, werde ich hoffentlich noch so einigermassen verkraften können. Aber in Selbstvermarktung war ich schon immer eher schlecht, jedenfalls, was mein modisches Schaffen angeht. Mein bisher einziges Interview mit einer Zeitung war 2010, nach meinem Modedesign-Diplom und mehr als diffus. Zum Glück wurde da noch eine Kollegin mitinterviewt, und dass das Resultat in Artikelform dann doch halbwegs funktioniert hat, war wohl eher der Erfahrung der Journalistin zuzuschreiben, als meinem Artikulations-Talent.

Es ist schon komisch, dass ich gerade dann, wenn die beiden Branchen, die ich am besten kenne, zusammenkommen, so nervös werde. Denn klar kommen bei mir Fragen auf. Welche Fragen wird die Kollegin stellen? Was ist für sie interessant? Natürlich werde ich uns zwei auch vergleichen, werde genau hinschauen, wie ihre Taktik im Interview ist, wie sie mit uns umgeht. Denn im Journalisten-Umfeld hat man selten wirklichen Einblick in die Technik der Kollegen, am Schluss sieht man ja nur die gedruckten Zitate, die subjektive Beschreibung der Situation. Von daher werde ich natürlich auch die arme Kollegin kritisch beäugen.

Trotzdem. Bei mir bleibt ein mulmiges Gefühl, denn obwohl ich uns und unsere Arbeit ja bestmöglich rüberbringen möchte - die Sache ist mir nicht geheuer. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als mich einigermassen locker zu machen und mich der Sache zu stellen. Und zu hoffen, dass sich meine beiden Berufsfelder zukünftig nicht in die Quere kommen.


Mehr über unser Label findet ihr übrigens hier.

Alle Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im SI-online-Dossier.