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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

«Irgendwie ein bisschen dekadent»

Das Low-Budget-Girl schwingt sich aufs Snowboard. Das Geräusch des Schnees unter dem Brett, die vorbeigleitende, schneeweisse Landschaft und das «Endlich»-Gefühl sorgen für Glücksgefühle.
Sarah Rüegger Blog Snowboarden im Sommer
© zvg

Bloggerin Sarah Rüegger geniesst das Snowboarden - dem Gletscher sei Dank - auch im Sommer.

Endlich, endlich, endlich! Ich stehe auf 3500 Metern über dem Meer, es ist Anfang September, keine Wolke klebt in der stahlblauen Decke über mir. Der Boden unter mir ist weiss, kristallig, kalt. Ich setze mich, schiebe meine Füsse in den schweren Boots in die Bindung. Ratsch, ratsch, ratsch, ratsch. Ein paar Ratschs mehr. Das Board ist nach über fünf Monaten endlich wieder fix unter meinen Füssen befestigt. Ein Ruck, ein kleiner Sprung - ich stehe, und langsam gleite ich - endlich! - wieder der altbekannten Spur entlang. Das Gefühl, dieses «endlich!»-Gefühl... es schummert durch meinen Bauchraum, durch meine Beine, Arme, Hände, Finger, hinauf zum Kopf. Ich verteile mein Gewicht gleichmässig auf die gesamte Boardfläche. Tempo, Kante, Tempo, Kante, das Geräusch, chrrrr, chrrr! Ich kann endlich wieder snowboarden! Meine Freunde Valerie und René gleiten neben mir vorbei. Als wäre es nie Sommer gewesen. Als wären wir nie glücklicher gewesen. Deswegen bin ich hier. Deswegen sind wir alle hier.

Ja - Gletscher sei dank - wir können hier im Sommer snowboarden. Ein perfekter Funpark wartet auf uns, eine nette Piste und mörderische Schlepplifte. Für 69 Stutz, für maximal sechs Stunden kriegen wir unseren Winter zurück, auch wenn wir ihn mit etlichen Profi-Teams teilen müssen, auch wenn wir in zwei Minuten wieder beim Lift sind (unsere Park-Skills sind noch ausbaufähig, doch das ist eine andere Geschichte) - es ist es wert.

Etwa 30 Minuten dauert es, bis wir auf dem Mittelallalin und auf dem Gletscher sind. Es ist ein ewiges Warten für uns Sehnsüchtige. Die Verhältnisse sind gut. Am Morgen noch etwas hart, verwandelt sich die ansehnliche Schneedecke im Verlauf des Morgens in weichen Sulz. Ich liebe es. Um sieben fährt die erste Bahn nach oben, um eins ist der Spass zu Ende. Wir versuchen uns an kleinen Kickers, ein bisschen so tun, als ob in der U-Boot-grossen Halfpipe, chillen an der Sonne. Nach dem Ride gibts Kaffee Luz auf der Terasse des Drehrestaurants. Wir sind so einfach, denke ich mir, als wir da sitzen und uns die Haut rot-braun braten lassen. Das ist alles was wir wollen, denke ich. «Es ist doch der Hammer, dass wir hier im Sommer snowboarden können», sage ich zu meinen Freunden. «Ja, fast ein bisschen dekadent», antwortet René. «Eigentlich schon», sage ich und denke, das Leben ist gut zu uns.