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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Das Low-Budget-Girl im Feiertags-Dauerjetlag

Eigentlich arbeitet Bloggerin Sarah Rüegger immer. Vor allem an offiziellen Feiertagen. Statt sich damit abzufinden, packt sie lieber alles unter einen Hut. Leider.
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© Getty Images

Über Ostern wollte sich Bloggerin Sarah Rüegger verkriechen. Doch aus dem Plan wurde nichts.

Ach, diese Woche hatte wieder einmal alles in sich: ein bisschen Streit, eine Annäherung über 200 Kilometer Distanz, drei superharzige Arbeitstage und die Gewissheit, dass in meinem Beruf Osterferien quasi inexistent sind, was die Pflege der Familienverhältnisse auf ein Minimum beschränkt. Dazu kamen Menschen, die im Zugabteil hintendran ein halbes Grillpoulet schmatzend sezierten, zu wenig Schlaf und die Erkenntnis, dass ich dank meiner Ineffizienz im Monat März nun bis Juni im Prinzip durcharbeiten kann.

Erschwerend kam hinzu, dass eine meiner Freundinnen gerade für vier Monate durch Südamerika surft und der Rest der ungefähr Gleichaltrigen sich südlich der Alpen bei Sonne in den verwehten, aber noch immer beträchtlichen Schneemassen vergnügt. Ich stattdessen stecke hier im stürmischen Grau fest und stopfe gerade die Früchte meiner harten Arbeit in offene Steuerrechnungen. Gemütsverfassung: dunkelgrau.

Kurz: Es ist mal wieder die Zeit, in der ich mich frage, weshalb ich dieses Lotterleben einem Vollzeitjob mit richtigen Ferien, Feiertagen und unbezahlten Urlauben, die man sich auch leisten kann, vorgezogen habe. Tatsächlich bin ich ja sogar nur halb selbständig und arbeite 55 Prozent an einem richtigen Schreibtisch, mit richtigen Kollegen und habe sogar ein Konto bei einer richtigen Pensionskasse. Trotzdem - es ist ein Leben knapp auf knapp, auch mit vier Freelance-Jobs. Denn da ist ja noch das eigene Business und das zapft dann wieder ordentlich was ab von den anderen fünf Tätigkeiten. Dazu kommt der Kopf, der sich ständig dreht, weil es nie Feierabend gibt. Noch nach achtstündiger Arbeit in meinem Fixjob, geht oft die Arbeit im Zug nach Hause weiter - hier was bloggen, da einen frei geschriebenen Artikel beenden und dann gleich noch Skizzen für einen Kostümauftrag zeichnen.

Ganz ehrlich: Manchmal, aber nur manchmal bin ich ganz schön neidisch auf die anderen, die nach Feierabend Feierabend haben, die sich tolle Ferien leisten und am Wochenende chillen können. In diesen Momenten muss ich immer aufpassen, dass ich nicht plötzlich zu jammern anfange. Denn: Schliesslich habe ich selbst gewählt. Und eigentlich ist es super. Aber immer, wenn ich über die Festtage in meinem Büro und/oder meiner Wohnung/Atelier festhänge, kriege ich diesen blöden Feiertagsblues.

Deshalb habe ich mir eigentlich geschworen, mich an diesen Tagen in Isolationshaft zu begeben: nur ich, Sport und die Arbeit. Denkste. Ehe ich mich versah, hatte ich mich bei  der engen Familie selbst eingeladen, lud den äusseren Kreis am anderen Tag zu mir ein und veranlasste am nächsten Tag ein Mittagessen in Saas Fee. Offenbar habe ich das Prinzip des selbstständigen Einsiedlertums, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Gegenteil verkehrt. Mit dem Resultat, dass ich nun zwar wie andere Leute ein Osterprogramm habe, jedoch vor und nach diesem Programm den Arsch noch immer voll mit Arbeit habe.

Ich sollte wohl einfach einsehen, dass ich nicht alles haben kann, und ganz schnell mein Arbeits-Sozialleben-Verhältnis überarbeiten. Dann könnte ich vielleicht auch die Feiertage künftig ohne das Gefühl eines Dauerjetlags überstehen. Oder aber, das Klonen setzt sich bald durch.

Im Dossier: Alle «Stadt - Berg einfach»-Beiträge von Sarah Rüegger