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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Am Rande des Partyburnouts

Sie hat es mal wieder getan! Bloggerin Sarah Rüegger hat eine Party geschmissen. Und ist dabei - natürlich - an die Grenzen des Wahnsinns gestossen.
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© Getty Images

Spaaaass! Naja - für Bloggerin Sarah bedeutet das letzte Party-Wochenende vor allem Stress.

Eine Party zu organisieren hat sicher auch viele Vorteile. In der Regel kommen die Leute, die du um dich haben willst, du wählst die Musik, die Gestaltung und das Motto. Du trinkst in der Regel irgendwie for free und hey - it's your Party and you cry if you want to.

Aber seien wir ehrlich - egal ob bei dir zu Hause, in einer Hütte oder im Club, eine Party zu organisieren heisst vor allem Stress. Werden Leute kommen? Werde ich mit allem fertig? Werden alle Spass haben? Ist genug Bier da? Aaaah und Musik, Girlanden, Strohhalme! Ich habe so einige Partykonzepte ausprobiert und selbst der unkomplizierteste Plan (Open Door, bring Food and Drinks) hat mich an den schieren Rand eines Festburnouts gebracht, falls es sowas gibt. Als das Ganze dann vorbei war, war ich jeweils froh, und das sollte weiss Gott nicht der Sinn einer Sause sein.

Jedenfalls, nach Jahren der Partyschmeissabstinenz hab ichs mir letztes Wochenende mal wieder gegeben. So richtig. Da standen nicht nur mein Ruf als Partygirl und ein paar enttäuschte Freunde auf dem Spiel, sondern - wenn man mal eben darüber nachdenkt - ein ganzer verdammter Existenzzweig und zwar nicht nur für mich.

Kurz erklärt: Ich, meine Geschäftspartnerin und ihr Freund, ein DJ, setzten etwas um, dass uns schon länger im Kopf hing. Wir wollten unser Modelabel Costa Pineapples auch als Party lancieren. DISCOSHIT heisst das, und so ziemlich jeder hat da sofort eine Vorstellung, wie sowas aussehen müsste. Und zu unserem grossen Glück war auch ein Club interessiert an einer solchen Discosause, was uns ja schon sehr viel Druck wegnahm, so mit der ganzen Infrastruktur, die in so einem Club einfach gegeben ist.

Und trotzdem: Je näher die Party rückte, desto grösser wurde meine Paranoia, noch mehr und noch viel mehr für die Party zu machen. Wie die Doofen produzierten wir auf den letzten Drücker noch ein neues und noch ein neues Teil für den Kleiderverkaufsstand, entwickelten Ideen für die Präsentationen und Specialeffects, luden noch ein Model und noch ein Model ein, und jedenfalls bei mir kreuzte sich all das noch mit der fiesen Erkältung, von der ihr schon wisst, hach es waren Wochen, die man in einer Broschüre unter «Was sie nicht tun sollten, wenn sie nicht wahnsinnig werden möchten» aufführen könnte. Aber alles schien zu klappen, ehrlich.

Aber hey, wenn ihr mich kennt: Katastrophen finden mich überall und immer. Es begann schon am Donnerstag vor dem Partysamstag. Erste Modelabsage. Dann: Noch eine Modelabsage und die Erkenntnis, dass wir zu wenig Männerteile anbieten. Okay, wenigstens ein Model war ersetzbar, das andere fiel raus. Das Männerteil produzierte ich noch am selben Samstag, an dem die Party stieg. Dann der Tag des Events: Weiteres Model taucht nicht auf. Wir haben die Pailletten fürs Make-up zu Hause vergessen. Und fuck: Was ziehe ICH eigentlich an? Ja, hinter der Bar guckte schon der Nervenzusammenbruch in meine Richtung und winkte hämisch lächelnd. Im Hinterkopf immer: Werden Leute kommen? Werden sie uns mögen? Wird alles gut?

Ich kann sagen: Es ward alles gut. Glücklicherweise haben wir bereits eine solche Routine in solchen Pannen - improvisieren ist schon fast unser Konzept. Und yeah! Es kamen Leute! Und wir haben Fans! Und ich habe wohl auch getanzt - so genau weiss ich das gar nicht mehr, denn eigentlich verbrachte ich ab Türöffnung den ganzen Abend in einer Art Trance mit Troubleshooting, noch mehr Improvisation und vielleicht zu vielen beruhigenden Hendricks-Tonics auf eine über Wochen angestaute Grundmüdigkeit. Aber alles wurde gut, alle liebten uns und wollen mehr davon.

Und doch, ich gebe zu, als alles vorbei war, war ich irgendwie froh. Aber wenigstens weiss ich jetzt, was uns beim nächsten Mal erwartet. Und dann bleibe ich gelassener. Ich versprechs.

Im Dossier: Alle Blogs von Sarah Rüegger