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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

I can stand the rain!

Geht Ihnen das miese Wetter gehörig auf die Nerven? Bloggerin Sarah Rüegger ganz und gar nicht. Sie geniesst die grillfreie Zeit und findet Badis sowieso total überbewertet. Eine Hommage an den Regen.
Blog Sarah Rüegger Regen Frau
© iStockphoto/Getty Images

Zelebrieren Sie den Regen im Sommer!

My God, ey, hört endlich auf mit dem Geheule. «Ist der Sommer im Urlaub?», «Ich wandere bald aus!», «Ist ja wie Winter hier!». Also erst mal: «Wie Winter» ist es momentan vielleicht in Saas Fee, mit teilweise tagsüber nur drei Grad über Null. Aber hier unten, hier unten ist es nun mal 15 Grad und es regnet. So etwas nennt man Wetter. In der Schweiz.

Immer dieser Riesenaufschrei, wenn es nach zu frühen 30 Grad Ende Mai plötzlich wieder mal anständig schüttet und sich das Volk plötzlich fragen muss, was es denn nun mit sich anfangen soll, da es sich die Tage nicht mehr nur mit Stofffetzen bedeckt in den sardinenbüchsenähnlichen Einrichtungen namens Badi zeigen kann.

Dabei ist der Regen gut für uns. Er bringt uns runter von der Wir-sind-immer-fröhlich-denn-es-ist-ja-Sommer-Attitüde und der meiner Meinung nach ohnehin überbewerteten Dauer-Grilliererei. Ich kann jetzt schon keine mayonnaisegetränkten, schlecht gewürzten Kartoffelsalate und schöpferisch völlig uninspirierten Pastakreationen an saurem Essig («Ach, du bist ja Vegetarierin, ou blöd, jetzt hab ich Schinken in den Salat getan..!») in Kombination mit Cervelat-Geruch und üblen Fertigsaucen mehr sehen. Ja, der Regen bringt uns endlich wieder ein bisschen Melancholie und fördert unsere Kreativität.

Ich jedenfalls liess mich in dieser Woche treiben von dem Geruch von nassem Gras im weiss-grau grundierten Draussen, dem Matsch in meinen Schuhen beim Laufen im Wald, von der neuen Häuslichkeit, die mich lockte. Regenwetter macht mich produktiver. Da ich viel von zu Hause aus arbeite, tummeln sich draussen weniger Verlockungen, ich bin konzentrierter und motivierter, mich zu Hause einzuschliessen und zu erschaffen. Ich habe wieder einmal gezeichnet - einfach so -, habe mal wieder Brot gebacken, mein Projekt weitergebracht, ich habe wieder entdeckt, wie high einem das Rennen im Regen macht, habe dem Klopfen der Tropfen auf meinem Dachfenster gelauscht und viel, viel nachgedacht.

Ja, mir kommt es manchmal vor, als seien Nachdenken und Melancholie nur im Herbst und Winter gesellschaftlich anerkannt, im Sommer aber, da hat man fröhlich und unbeschwert zu sein, da hat man Glace zu essen, sich zu paaren und ja nicht zu maulen. Ich find das schön und gut, aber warum denn das Geschrei, wenn es eben - und das ist ja in der Schweiz echt nichts Neues - mal ein paar Tage Unterbruch zu dem ganzen Tamtam gibt? Ich schlage allen Motzern vor, sich mal kurz zu entspannen, sich in den Regen zu stellen, die Regentropfen von den Fingern zu lecken und «Netzwerk» von Klangkarussell anzuhören. (Ja, ich gebs zu: Ich mag Pop.)

Gar nicht übel, oder?

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