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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Beautiful Belgrad

Mitten im Zügelstress verreist Bloggerin Sarah Rüegger - ausgerechnet nach Serbien, wo die Bevölkerung gerade gegen katastrophale Überschwemmungen kämpft. Aber der Kurztrip war nun mal schon längst geplant. Im Ausland mit dem Low-Budget-Girl, Teil 1.

Okay, das Timing war voll für'n Arsch. Monate zuvor hatten ein paar Journalisten-Kumpels und ich unseren jährlichen Städtetrip im Mai geplant, und da eine von uns väterlicherseits neben dem Nachnamen auch zur Hälfte mit serbischer DNA und einer gigantischen Liebe für die Landeshauptstadt Belgrad gesegnet war, beschlossen wir, dieses uns völlig unbekannte Fleckchen für vier Tage zu besetzen und uns durch die landestypischen Gebräue zu trinken.

Während ich im Vorfeld der Abreise zu Hause in Saas Fee voll im Umzugsstress steckte und in Kisten und zweifränkigen Migros-Taschen voll mit Seich fast erstickte, versanken Bosnien-Herzegovina, Serbien und Kroatien in ihren eigenen Flüssen. Und wir mussten realisieren, dass unsere Reise, die wir auf jeden Fall antreten wollten, dann halt vielleicht schon etwas anders werden würde, zumal der Höchststand der Donau und der Save in Belgrad erst einen Tag nach unserer Anreise erwartet wurde. Zudem hatte die serbische Regierung an zwei von vier Tagen unserer Reise eine Staatstrauer angesetzt, und eigentlich wusste keiner von uns so recht, was uns erwartete.

Ja, wir informierten uns sogar vorgängig, ob wir irgendwie irgendwo helfen könnten, worauf die Einheimischen zugeben mussten, dass es eigentlich bereits zu viele Helfer vor Ort gab und im Prinzip nur Geld grad das Wahre sei. Wir wussten also echt nicht, was uns erwartet und setzten uns alle mit unseren eigenen Vorstellungen in den Flieger.

Und ganz ehrlich: In Belgrad selber war dann eigentlich fast alles wie immer. Fast. Denn was denn nun eigentlich anders war, merkten wir erst nach und nach. Erst waren es noch grosse Plexiglasboxen, wo man Spenden (vor allem Klopapier und Windeln) hineinwerfen konnten, die mitten in der Fussgängerzone trohnten. Dann waren es die Kunststudenten, die Bilder verkauften, um die Einnahmen zu spenden. Darauf waren es die singenden Teenager-Mädchen, die in der Shoppingmeile für die Flutopfer sangen und sammelten. Ausserdem lief während der ersten beiden Tage tatsächlich gar nirgends Musik. Die Clubs blieben zu und die Bars schlossen ihre Türen um zwei Uhr nachts - Ausdruck der Staatstrauer.

Aber ansonsten waren alle Ängste und Vermutungen überflüssig: In Belgrad ging das Leben weiter, während 30 Kilometer entfernt eine ganze Stadt - Obrenovac - von den Fluten verschlungen wurde. Auch der Pegel der beiden Flüsse Donau und Save blieb in Belgrad unter einem kritischen Mass, und wir konnten die Stadt bei erdrückenden 30 Grad erkunden, wobei vor allem ich unter der Hitze litt, nach anderthalb Jahren im ewigen Eis.

Und hier ein paar Tipps, was man in Belgrad meiner Meinung nach unbedingt tun muss:

  • Die Festung besuchen und über Neu-Belgrad, Donau und Save blicken
  • Jelen Pivo trinken
  • Burek und Joghurt-Drink zum Frühstück holen
  • Am Samstag in die Sankt-Markus-Kirche gehen und anderen Leuten beim serbisch-orthodox Heiraten zusehen
  • An eine Kreuzung sitzen und alte Autos bewundern
  • Serbischen Rotwein trinken
  • Wir konnten leider wegen des hohen Wasserstands nicht, aber scheinbar lohnt es sich, die Partyboote auf der Save zu besuchen
  • Zufällig von einem grossen Elektro-Festival hören und draussen tanzen, während das fette Gewitter ganz knapp neben der Stadt vorbei zieht
  • Mitten in der Nacht durch die halbe Stadt latschen, um eine riesige Pizza für knapp fünf Franken zu holen
  • Kneipentouren durch die herzigen kleinen Kaffees und Bars der Stadt machen und Cocktails bestellen, die man zu Hause ignoriert, weil sie dort so teuer sind


Low-Budget-Facts:

  • Anreise: mit Swiss oder Air Serbia ab Zürich, ca. 250 Franken
  • Unterkunft: Air B n’ B, ca. 11 Franken pro Nacht (wir waren acht Personen)
  • Essen: Abendessen mit Wein, Vor- und Hauptspeise für unter 20 Franken
  • Bier: um die zwei Franken
  • Kosmetik: ein bis zwei Drittel günstiger als in der Schweiz
  • Kleidung und Schuhe: in etwa gleich wie in der Schweiz, vor allem Markenware
     

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