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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Invasion der Unterländer

Plötzlich wollen alle noch rasch nach Saas Fee kommen, bevor die Saison vorbei ist. Für unsere Bloggerin bedeutet das: chronischer Besuchs-Stress! Unterländer drei Tage zu versorgen, ist nämlich ein ganz schöner Aufwand.
Themenbild Blog Gäste vor der Tür
© Getty Images

Wahl-Saaserin Sarah hat zurzeit regelmässig Gäste vor der Tür. Das ist schön - und sehr anstrengend.

Gott, bin ich kaputt. Nö, nicht wegen der Arbeit. Da ist ja nicht mehr viel los, die Saison fast durch. Auch nicht wegen der Planung der Zwischensaison. Das klappt dann schon alles gut. Schlaf krieg ich eigentlich auch genug.

Nein, ich leide unter chronischem Besuchs-Sress, konkret: Unterländer-Invasionitis. Plötzlich haben nämlich alle meine Freunde aus der Stadt - inklusive Familie - das Gefühl, dass sie nun doch noch ein verlängertes Wochenende in die Berge kommen wollen, um mich zu besuchen.

An sich ist das ja auch schön, und ich bin dankbar. Aber ich sag euch jetzt hier: Das ist ein saumässiger Stress! Im März hatte ich bisher jedes Wochenende Besuch, meist in Zweiergruppen angereist, an sich unkompliziert und offen, aber eben - es ist doch ein rechter Aufwand, unbeholfene Unterländer drei Tage zu umsorgen.

Das fängt schon auf der Arbeit an - mal kurzfristig noch mindestens einen Abend freischaufeln, damit man mit den Angereisten essen gehen kann. Natürlich muss es dann Fondue sein (schon wieder!), worauf man noch auf die Schnelle einen Tisch reservieren sollte, und zwar einen guten, man will ja schliesslich mit den exzellenten Beziehungen im Dorf prahlen.

Dann - bevor überhaupt irgendwer angereist ist - geht die Fragerunde los: Wie werden die Temperaturen? (Bitzeli kälter als bei euch unten wirds wohl werden.) Wird es schneien? (Vielleicht.) Welchen Pulli soll ich mitnehmen? (Böh?) Reichen Turnschuhe oder brauche ich Steigeisen? (Turnschuhe reichen.) Sind High-Heels im Ausgang okay? (Nein.) Brauchst du etwas aus dem Unterland? (Nein. Das hier ist Saas Fee und nicht der Nordpol.) Was kostet das Parking? (19 Franken am Tag.) Und so weiter...

Dann habe ich im letzten Herbst eine neue Regelung aufgestellt: Ab zwei Personen gehts ins Hotel. Früher habe ich mein Studio geräumt und bei Freunden gepennt, damit Herrschaften for free in meinem Riesen-Bett nächtigen konnten. Tempi passati. Irgendwann hab ich rausgefunden, dass es für mich körperlich zu anstrengend ist, zu arbeiten, Besuch zu betreuen und dann nicht in mein eigenes Nest zu können, um mich kurz zu entspannen. Also ist für mich bei angekündigtem Besuch Hotelzimmer suchen angesagt. Und zwar nicht ein nicht zu teures. Zum Glück hat man da so seine Beziehungen - mal wieder.

Dann gehts ums Bespassungs-Programm. Einfach - könnte man denken. Weit gefehlt. Wie oft hatte ich nun schon Besuch, der sich absolut null fürs Ski- oder Snowboardfahren interessiert. Na toll - an sich schon ein Riesenproblem. Wenn dann aber noch schlechtes Wetter herrscht - gute Nacht. Dann muss ich meine Eloquenz und meinen Charme einsetzen und den Leutchen möglichst schnell möglichst viel Alkohol zuführen, damit nachher alles ein bisschen lässiger aussieht und es nicht so auffällt, dass man nach zwei bis drei Stunden Anreise eigentlich 48 Stunden nix anderes gemacht hat als zu fressen und zu saufen.

Aber ich sag euch: Für mich gehen diese Besuche zu alldem auch saumässig ins Geld. Auswärts essen, Weinflaschen spendieren, wieder auswärts essen. Phu.

Deshalb hab ich diese Wintersaison - wie auch schon letztes Jahr - im April absolutes Besuchsverbot erlassen. Dieser Monat gehört uns Saisonniers. Noch einmal richtig auf die Piste, Zeit miteinander verbringen, Abschied nehmen. Da stört Besuch nur. Und in der Zwischensaison bleibt ja genügend Zeit für mich, alle im Unterland zu besuchen...

Alle «Stadt - Berg einfach»-Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im SI-online-Dossier.