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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Nostalgisch verklärt

Vergangenes Wochenende war es wieder einmal so weit: Das Low-Budget-Girl wurde einmal mehr über die Saaser Gebräuche unterrichtet und endete laut gröhlend in einem Festzelt.
Blog Stadt Berg einfach Fest in Saas Fee
© Sarah Rüegger

«Joanna - du geile Sau!», heult ein Chris-von-Rohr-Double. Und alle grölen und tanzen. Das ist die «nostalgische Genussmeile» in Saas Fee.

Es ist so: Einmal im Jahr, an einem Sonntag Anfang September, geht in Saas Fee (einmal mehr) Merkwürdiges von sich. Die Leute hüllen sich in Trachten, abgewetzte Sackos, bedecken ihre Häupter mit Kopftüchern und schwingen gemusterte Röcke. Hauptsache, das Ganze sieht wie von gestern oder traditionell oder beides aus.

Auf der Strasse stellen die Dorfbewohner Tische, Bänke, Stühle und Zelte auf und ab zwölf Uhr Mittags sind die Strassen voller mit essenden und saufenden Menschen als ein englisches Pub am Saint Patrick's Day.

Dieses Schauspiel nennt sich «nostalgische Genussmeile» und ist ein weiteres Highlight im Saaser Jahreskalender, direkt nach Fasnacht, dem wöchentlichen Sommermarkt, dem Season Opening, dem Season End, den Skitests... Jedenfalls eine riesige Sause, die gemütlich an Holztischen und bei einer Flasche Heida beginnt und laut mit einem flotten Alleinunterhalter bei Wodka oder Bier in einem Festzelt auf dem Dorfplatz endet.

Ich für meinen Teil dachte ja, dass der Anlass gemütlich werden würde. Doch je näher das Datum rückte, desto bedrohlicher wurden die erzählten Erinnerungen aus dem letzten Jahr. Und tatsächlich - nachdem ich meine Mutter, die mich zu Beginn noch als Schutzschild begleitet hatte, um 15 Uhr auf den Bus gebracht hatte, ging der Strudel los. - Drring, drring! «Wo bist du? Komm zu den Bänken vor den Gletschergarten, wir essen da etwas!» 30 Minuten, die Gruppe war von drei auf etwa sieben Leute angewachsen. Katsching - 3 Flaschen Heida.

Aufbruchstimmung, Ziel: unbekannt. «Hey! Hey! Hier sind wir, wartet! Kommt ihr mit zum Zelt?» Konzert. Noch mehr Leute. Katsching - Petite Arvine, bis keiner mehr da war. Katsching - eine Flasche Fendant. Katsching - Pinot Blac. Katsching, Katsching, Katsching.

Es ist neun Uhr Abends. Das Bierzelt ist voll. Ein Typ mit Keyboard, der ein bisschen aussieht wie Chris von Rohr heult «Joanna - du geile Sau!», wir grölen, hier gehts zu wie im Après Ski in der Hochsaison, denk ich noch, als mein Kumpel mir schon wieder nachschenkt. Wir tanzen, lachen, diskutieren ohne Sinn, streiten und versöhnen uns. Und um zwei Uhr nachts ist der ganze Spuk vorbei.

Das hüere Wallis bringt mich noch um!

Beim nächsten Post gehts dann (hoffentlich) mal nicht um Wein, okay?