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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

In Saas Fee liegt am Saisonende Liebe in der Luft

Mit der Season-End-Party ist der Winter in den Skigebieten definitiv vorbei. Bloggerin Sarah Rüegger liess es sich nicht nehmen, am vergangenen Wochenende mit ihren Freundinnen in Saas Fee den Frühling willkommen zu heissen. Dieses Jahr jedoch nicht als Saisonniere, sondern als Touristin. Ihr Fazit: Wegen des Alkohols haben sich plötzlich alle lieb.

Zum dritten Mal habe ich das jetzt schon mitgemacht. Dieses Drunter und Drüber von Farben, Cowboys und 80er-Jahre-Hipsters, von Bier und Jägermeister. Und doch, heuer war es anders. Das erste Mal war ich nicht Saisonnier, sondern Tourist und betrachtete den ganzen Trubel - zwar immer noch als Insider inmitten von Freunden - als Aussenstehende. Ich legte mir sogar etwas Objektivität auf, einfach nur aus Neugier. Versuchte, das Ganze einmal aus den Augen eines Laien zu sehen. Und was ich sah, war in zwei Worten ausgedrückt: völlig durchgeknallt.

Wie schon im letzten Blogbeitrag erwähnt, war am vergangenen Wochenende in Saas Fee Saisonende angesagt. Was mit dem Water-Splash-Contest am Freitag beginnt und am Samstag in der berüchtigten Après-Ski-Parade gipfelt, endet am Sonntag in einem kollektiven Dorfkater. Die Après-Ski-Parade ist für die ansässigen Saisonniers und Einwohner wie Weihnachten, Geburtstag und der erste Powdertag der Saison zusammen - ein rituell begangener Totalabsturz. Ein Bacchanal der schrägen Kostüme, die im Verlaufe eines Nachmittags mit Glühwein- und Schnapsflecken für immer ruiniert werden, ein Taumel zwischen Tanz und Flirt, Übermut und Durchhalten. Ich formulierte es gegenüber ein paar Paraden-Novizinnen so: «Ab 16 Uhr ist hier alles normal: Girl on Boy, Boy on Girl, Girl on Girl, Boy on Boy.»

Ganz schlecht ist, diesen Tag mit Scheu, Angst oder - noch schlimmer - Vorsätzen zu begehen. Augen zu und rein, lautet das Motto. Sonst endet das Saisonende in Tränen oder Enttäuschung, was nun wirklich nicht sein muss. Vor allem, wenn doch für einmal allgemeine Liebe herrscht. Und diese Liebe kommt meist schon nach wenigen Bieren, denn bereits am Montag werden die meisten das Dorf verlassen haben. Also wünscht man sich einen tollen Sommer, schwört sich gegenseitige Liebe, dass man sich im Sommer besuchen wird, man versöhnt sich und zum Schluss liegen sich alle in den Armen. Jahr für Jahr, Ende April.

Liebe, Wehmut und Alkohol lagen also in der Luft. Und es war wirklich schön. Und herzzerreissend. Denn für viele, die mehrere Saisons hinter sich haben, war es die letzte Season-End-Party. Sie werden wegziehen, ein neues Leben beginnen, auf Reisen gehen oder gar heiraten und Kinder bekommen. Keiner weiss, wie der nächste Winter aussehen wird. Doch allen ist klar: Wenigstens für ein paar Tage oder Wochen werden sie nächsten Winter zurückkommen. Schaut mich an: Ich komme immer wieder zurück. Wenn auch nur als Tourist.

Nachtrag: Ich habe übrigens aus guten Gründen um 22 Uhr die Parade verlassen und den Club gleich ganz sausen lassen. Irgendwann ist ja auch mal gut. So konnte ich einen netten Sonntagnachmittag auf der Terrasse Popcorn-Cafés geniessen. Dort erfuhren ich und die anderen einigermassen Katerlosen die ganzen Skandälchen und Nachwehen der grossen Nacht, während ich in aller Ruhe braun werden konnte.

Im Dossier: Alle Blogs von Sarah Rüegger