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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Bärn, i ha die geng no gärn

Bloggerin Sarah Rüegger ist nach sieben Jahren Abwesenheit in ihre Heimat zurückgekehrt. Jetzt sieht sie Bern mit anderen Augen und geniesst, was sie früher vielleicht noch gestört hätte.
Sarah Rüegger Blog Saas Fee Bern
© Keystone

Auch wenn Sarah Rüegger ausserhalb von Bern lebt, zieht es sie doch immer wieder in die Stadt.

Es ist ja so eine Sache mit den Bernern. Man sagt ihnen nach, dass sie, wenn sie überhaupt mal weggekommen sind, irgendwann immer wieder zurückkehren. Dass sie nie wirklich wegkommen von ihrer Stadt. Sie vermissen, wenn sie in der Ferne sind.

Und es stimmt.

Ich bin nun so ein Beispiel. Auch wenn ich in der Nachbargemeinde Köniz wohne (ich ziehe es vor, kreuz und quer durch den Wald zu rennen, als in Kolonnen an der Aare, drücke mich auch gerne vor den städtischen Mietzinsen, die sich langsam aber sicher in Richtung Zürich bewegen), ist Bern mein Zentrum, wo ich einkaufe, trinke und bade.

Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch sagen: Ich war wenigstens mal weg. Sieben Jahre in Basel, Berlin, Zürich und Saas Fee. In der Reihenfolge. Und nun wieder Bern, dieses gemütliche, gemächliche Knäuel, wo kein Tag vergeht, ohne einen Bekannten zu treffen, was mich zwingt, in einem kleinen Café auf Pflastersteinen kurz auf einen Kaffee zu stoppen, wo ich jede Nische kenne, wo ich weiss, wo es nach Pisse riecht und wo nach Gipfeli.

Und ich muss sagen, seit ich zurück bin, liebe ich meine Stadt noch ein bisschen mehr als vorher. Dies ist die Stadt, in der ich das erste Mal richtig ohne Eltern shoppen war, in der ich das erste Mal bis zum Morgengrauen durchgefeiert habe, in der ich meinen ersten One-Night-Stand abgeschleppt habe, in der ich meine erste Festivalerfahrung machte und mich ziemlich spontan piercen liess.

Doch nach sieben Jahren Abwesenheit sind es vor allem die kleinen Dinge, die ich erst richtig zu schätzen lerne. Wie entspannend es ist, im Bahnhof auch auf der linken Seite der Rolltreppe stehen zu dürfen, ohne dass man gleich einem üblen Foul zum Opfer fällt. Dass es keinen kratzt, wenn man während dem Meeting, zu dem eh alle schon zu spät gekommen sind, kurz raus eine rauchen geht und während des Meetings – in einer Beiz! – ein, zwei Bierchen kippt. Ehrlich wahr, so war das letzte Woche, ich konnts ja selber kaum glauben!

Ja, ich als kantonale Meisterin im Schnellsprechen geniesse sogar die wirklich unglaublich langsame Aussprache meiner Umwelt und dass diese genau so viel flucht, wie ich. Und ja, sogar in Bern passieren sogar richtige Kuriositäten! Gerade gestern, Bern Bahnhof, 23:10, ich hatte gerade meinen Zug grandios verpasst (na ja, ich liess ihn eher ziehen, da ich keinen Grund sah, zu rennen – Gemütlichkeit ist offenbar ansteckend), fragte mich ein leicht entrückter Typ meines Alters, ob ich nicht mit ihm heimkommen möchte, es müsse ja keiner erfahren. Ich lachte, er lachte, ich machte ihm klar, dass ich die Idee nicht so gut finde und gab ihm Feuer. Ich wünschte ihm Glück, er verabschiedete sich freundlich, over. Vielleicht hätte ich mich früher aufgeregt – heute sehe ich es offenbar entspannter. Cool.

Mein Fazit, das ich für mich ziehen kann: Es war gut, wegzugehen, um meine Stadt in einem anderen Licht zu sehen, wieder richtig schätzen zu lernen. Mal schauen, wie lange die Entspanntheit in mir anhält, bevor ich wieder zu motzen anfange. Denn motzen tun wir auch gern, wir Berner. Da sind wir aber glaubs einfach Schweizer.

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