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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Bedenkliche Beschäftigungen für die Zwischensaison

Bloggerin Sarah Rüegger steht zwischen Saison-Ende und Neubeginn. Damit die Langweile keine Überhand gewinnt, hat sie sich ein Beschäftigungsprogramm erstellt.
Sarah Rüegger Blog Saas Fee Medizinische Tests
© Getty Images

Medizinsche Versuche gegen Geld: Warum nicht, findet Sarah Rüegger.

Was ist heutzutage der grösste Luxus? Ja, Langeweile, Recht habt ihr. Da es bei mir plötzlich ganz schnell ging - nämlich einen Tag - bis ich den neuen Superjob und die herzige Wohnung auf dem Land (aber gerade nahe genug an der Stadt) gekrallt und unter Dach und Fach gebracht hatte, musste ich mich mit einem neuen Gefühl anfreunden, das offensichtlich nahe am Zustande der Langeweile liegt. Zwar gab es vorerst Lösungen, dieses Gefühl zu umgehen oder gar sowas wie zu umarmen, wie für Leute zu kochen, ein Konzert zu besuchen, oder den ganzen Tag fernzusehen und daran zu denken wie man doch gerade die Leistungsgesellschaft fickt an diesem sonnigen Dienstag vor der Glotze. Doch wie immer: Sowas zieht man nicht lange durch weil zu häuslich, zu teuer, zu doof und unrevolutionär. Langeweile hat offenbar noch nie autodidaktische Sterneköche oder grosse Rebellen hervorgebracht. Ich musste also meine Erbärmlichkeit akzeptieren und zugleich am Leben bleiben.

Aus dieser Lage entstand eine Liste, auf die ich nicht stolz bin. Ich griff auf drei leicht bedenkliche Beschäftigungen zurück, um der Langeweile der Zwischensaison zu entgehen.

Nummer eins: Ich meldete mich exakt vier Jahre nach meinem Modedesignstudium, wo ich permanent knapp unter dem lebte, was man wohl das Kunstprekariat nennt, wieder einmal bei einer medizinischen Studie an. Denn bis ich den Superjob antrete, brauche ich dringend Schotter. Ich erinnerte mich also an meine prekäre Studienzeit, wo ich für Schlaftests öfter mal mit Elektroden am Kopf nach Hause fuhr, wo ich am Computer endlose Psychotests abrattern musste, wo mir Blut genommen wurde und ich auch schon mal meine Gedärme via Ultraschall gut präsentieren durfte. Das waren dann hier 150 Franken, da 30 Franken, mal gabs was zu gewinnen, mal nicht. Versuchskaninchen gegen Geld und das noch im Namen der Forschung - why not. Wie mein nächster Versuch als Versuchskaninchen aussieht - das werdet ihr noch erfahren. Ausser da läuft sone Stillschweigenummer. Übrigens hab ich dann auch noch einen anständigen Zwischenjob gefunden. Nur so zur Info.

Nummer zwei: Ich machte Sport. An sich ne tolle Beschäftigung und der Bewegungsdrang meldete sich auch wieder brav, nachdem ich bald drei Wochen nicht mehr auf dem Snowboard gestanden war. Sportlich entschied ich mich fürs Joggen, nicht nur aus Mangel an Alternativen. Ging auch ganz gut, ich konnte die Sache richtig geniessen, alles flott. Nur: Mein letztes Mal Joggen fand im Januar auf einem Laufband statt. Und: Ich kann seit Tagen kaum mehr laufen, bzw. sehe ich aus, als hätt ich mal eben ganz spontan entschieden, den Iron Man zu rocken ohne Training. Good Job. Autsch.

Nummer drei: Ich meldete mich bei Tinder an. Jajaaaa… das ist diese App, wo man sich über Facebook anmeldet, nicht viel mehr als Fotos, Name und Alter offenbart und so nach einem Partner für was auch immer sucht und dies ausschliesslich aufgrund des äusseren Erscheinungsbildes. Man vergibt also Herzen an angemeldete Typen in einem bestimmten Umkreis (oder Frauen oder wie man halt geortet ist), die man so einigermassen interessant oder attraktiv findet. Wenn dieser Typ dann dich in seinem Stapel vorgeschlagener Frauen findet und dich ebenfalls als hot taxiert, dann gibts einen Match und man kann sich süsse, scharfe, oder beliebige Sachen schreiben. Ich finde ja sonen Kram wie jede tugendhafte Dame äusserst hohl (Ich stell mir dann immer meine Mutter vor, die fragt: «Na, so ein süsses Paar, wo habt ihr euch denn kennengelernt?»). Trotzdem fand ich es irgendwie lustig, als mir eine gute Freundin erzählte, dass sie in dieser Woche Tinder, die sie sich auferlegt hatte, nicht nur ihren Liebeskummer etwas vergessen konnte, sondern gar eine kleine Romanze ins Rollen gebracht hat. Die Neugier trieb mich und nun befinde ich mich in meiner Tinderwoche, am Mittwoch wird der Mist gelöscht, denn es macht mich wahnsinnig, aber nun ja, bisher habe ich Spass, hab nen hübschen Draht zu einem flotten Franzosen geknüpft, habe gegen 20 äusserst attraktive Matches und von Langeweile keine Spur. Gedanken mache ich mir nur darum, wen ich so alles von meinen Freunden ebenfalls auf dem doofen Tinder gefunden habe. Es sind nämlich so einige. Und auch der Bachelor Vujo treibt sich auf Tinder rum. Aus Jux hab ich ihn geliked – und er gab mir prompt die virtuelle Rose. Ich muss das Zeug unbedingt löschen.