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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Lieblingsorte Teil 4: The Dom Rock

Genug von Fitness-Teller und Pommes in den Bergen? Das Low-Budget-Girl kennt eine Bar linksseitig des Feegletschers, die Döner und Electro- statt Après-Ski-Sound anbietet.

Schon mal beim Skifahren einen Döner gegessen? Nein? Tja. Bei uns hier in Saas Fee geht das. Das «Dom Rock» ist ein kleines Steinhäuschen auf einer vorspringenden Felsebene, linksseitig des Feegletschers (vom Berg aus geschaut), direkt neben dem zugehörigen Selbstbedienungsrestaurant Längfluh gelegen. Und eben jenes «Dom Rock» hat neben dem besten Glühwein im gesamten Dorf eben auch jene, oft als mindestens «great» bezeichneten Döner im Angebot. Meine Freundin Pippa managt die gesamte Längfluh-Gastronomie seit Anfang Winter und hat sich mit ihren Rock-Dönern mit den hausgemachten Saucen bereits viele Fans und Stammkunden erworben. 

Da ich als langjähriger Vegi nicht wirklich wegen Döner, Bratwurst zum Selberbraten und Gulaschsuppe (geplant sind bald auch Hot-Sandwiches) immer wieder auf die schwierige Längfluh-Seite abbiege, muss es andere Gründe geben. Zum einen - natürlich - der symphonische Glühwein. Nicht zu sauer, nicht zu süss - einfach the best in town. Aber Achtung: Nach dreien fährt man (ich) höchstens noch wie ein Anfänger die schwarze Piste ins Dorf hinunter, also maximal zwei davon - und am besten in Begleitung von viel Wasser und/oder Döner. Ansonsten: die Seilbahn ins Tal nehmen, bitte. 

Zum anderen finde ich im «Rock» Gesellschaft. Ist es nicht zu busy auf dem Berg, kann man dort gut mit dem Personal quatschen, mit ihnen eine rauchen und den neusten Gossip verbreiten. Für mich ist das Luxus, da ich sehr oft alleine snowboarden gehe, vor allem am Morgen. Bei mir geht es dann oft so: Augen auf, Vorhang auf - okay ich gehe snowboarden. Brett unter den Arm und los. Keine Zeit für Textnachrichten und morgens darf man hier sowieso niemanden anrufen. 

Ein weiterer Punkt für das «Rock»: die Musik. Ob Elektro, ob Indie-Rock - die Bergbar hat einen Sound für sich gefunden, der abseits von Après-Ski und Club-Hitparade die riesige Terasse beschallt. Für die warmen Tage in der zweiten Saisonhälfte sollen auch DJs auf die 2550 Meter über Meer kommen und die Partysaison auch auf dem Berg weiterführen. 

Doch was das «Rock» ganz sicher von den anderen Bergrestaurants abhebt (nehmen wir das auf 3500 Metern gelegene Drehrestaurant einmal vom Vergleich aus), ist die einzigartige Aussicht auf dem Feegletscher. Bei schönem Wetter blickt man auf eine unheimliche, kissenhafte Struktur aus dicken Schnee- und Eisschichten, durchzogen mit eisblauen, unendlichen Gletscherspalten. Das ist gleichzeitig anziehend und bedrohlich, schön und grausam. Hier sieht man, was andernorts verborgen bleibt: die Tücke, dass sich der Gletscher jederorts jederzeit Menschenleben nehmen kann, wenn man sich mit ihm anlegt.

Alle «Stadt - Berg einfach»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.