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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Die Fitness-Gehirnwäsche

Sarah Rüegger hat nichts gegen Sport. Aber: Die Bloggerin nervt sich über den falschen Fitness-Hype, der via soziale Netzwerke in ihrem Umfeld kursiert.
Sarah Rüegger Blog Spor Fitnessvideos
© Getty Images

Sport soll Spass machen, findet Bloggerin Sarah Rüegger.

Na toll, das Low-Budget-Girl hat mal wieder was gefunden, das sie nervt. Es ist ja so: Es ist Sommer im Lande und dem ging der Frühling voran, was bedeutet, dass das Volk wieder aus allen Löchern kam und kommt, um sich des winterlichen Keks- und Braten-Specks zu entledigen. Ich bin ja selber ein Outdoor-Mädchen, und da ich momentan wegen eines vollen Terminkalenders noch nicht wirklich Zeit finde, um grössere Wanderungen und Klettertouren anzugehen, bereite ich meinen Körper mit Laufen, Schwimmen und Krafttraining im Wohnzimmer darauf vor. Dies ist sinnvoll, da ich vor Jahren mal untrainiert eine zweitägige Wanderung unternahm und dann schier nicht mehr den Berg runter kam (ja, es flossen auch Tränchen), weil meine Knie so schmerzten. Wie peinlich, ey.

Deshalb kann ich ja nix sagen, wenn auch der Rest der Bevölkerung sich bewegt, denn das ist gut. Doch in den letzten Wochen beobachte ich auf Facebook ein interessantes Verhalten: Etliche meiner Sozialen Freundinnen liken Seiten wie «Fit n’ Female», «Fitnessmodel Ashley Horner» und so weiter. Und immer wieder fällt der selbe Slogan: «Strong ist the new skinny.» Bei solchen Slogans vergeht mir ja schon alles, ey.

Zu diesen Facebook- und Websites gehören dann Trainingstipps, versehen mit Bildern von eingeölten, braunorangen Gestalten, die aussehen, als hätte man der Davidstatue teure Extensions angehängt und zwei Galia-Melonen auf die Brust gesetzt. Das sind eben die Fitness-Models, die mit dem pausenlosen Aufenthalt in Fitnessstudios, Kliniken und Solarien ihr Geld verdienen. Und offenbar sind sie die Idole der Neuzeit.

Diese Fitnessszene gibts ja nicht erst seit gestern - in Amerika ist sie seit Jahrzehnten ziemlich populär. Dass aber meine Bekannten sich für dies interessieren und diesen Idealen offenbar in einer Art nacheifern, wie kleine Mädchen grossen Schwestern, ist mir neu.

Sport ist gut, darüber sind wir uns einig. Doch was mich daran nervt: Sport soll meiner Meinung nach nicht nur fit, sondern auch frei machen, Spass machen, entspannen und ausgleichen. Was von diesen Websites aber vorgelebt wird, sind Vorbilder, die ein normal arbeitender Mensch weder erreichen kann, noch soll. Denn sie wollen uns einreden, dass, wer richtig Fitness betreiben will, Freizeit, Terminplan und Ernährung daran anpassen soll. Das ist der Fitness-Lifestyle. Unter dem Strich sagen sie uns: Werdet Zombies, stemmt in Studios Gewichte (stundenlang!), trinkt drei Liter Wasser am Tag (eiskaltes, das verbrennt mehr Kalorien!), rennt nur noch mit am Vortag vorbereiteten Mahlzeiten, bestehend aus Poulet (fettarm zubereitet!), Reis (ungesalzen!) und grünem Gemüse (gedämpft!) verpackt in Tupperwares, herum. Denn dies ist der Fitness-Lifestyle. Gespickt mit für sie gewinnenbringenden Hinweisen auf Produkte wie Proteinshakes und Fitnessklamotten erklären uns die Fitnessmodels, dass jeder sein Ziel erreichen kann, wenn er sich dann nur bös an ihre Tipps hält. Und das Ziel ist: aussehen, wie die Ashleys, Jennifers und wie sie alle heissen.

Ich meine, das kann ja ein Ziel sein, aber wo bleibt die Spontanität, die Lust an Sport, wenn es nur darum geht, etwas nachzueifern und dabei die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren. Zudem: Muss denn permanent alles zum Trend gemacht werden? «Strong is the new skinny» - joah, okay, aber Muskelaufbau ist auch typabhängig. Ich zum Beispiel bin kein Typ, der gross Muskeln aufbaut und dafür wohl ewig Zeit und viel Aufwand bräuchte. Und trotzdem liebe ich Sport, weil er für mich mehr Erlebnis (sei es Natur, sei es den Körper spüren), als Selbstzweck ist. Dass ich damit mein Ränzli abbaue, ist einfach ein netter Nebeneffekt.

Deshalb sage ich: Liked die Fitness-Seiten, die haben echt teilweise sinnvolle Tipps, die auch ausserhalb des Studios funktionieren, aber lasst euch nicht von den verbissenen Zombies verrückt machen. Ihr habt nebenbei noch ein Leben. Die nicht.

Weitere «Stadt - Berg einfach»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.