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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Keine Angst, entspann dich!

Im Surfcamp hat Bloggerin Sarah Rüegger viel gelernt. Doch worauf sie am meisten stolz ist: Sie hat ihre Angst überwunden.

Du wachst am Morgen auf. Du hörst die Wellen, manchmal die Möwen, die in Hundertschaften am Strand rumhängen. Du richtest dich auf. Fast hättest du vergessen, dass das nicht so einfach ist. Denn dir tut alles weh. Die Schultern, Bizeps, Trizeps, die Unterarme, die Innenschenkel, die unteren Bauchmuskeln, die Schulterblätter, das Areal zwischen den Schulterblättern, die Pomuskeln, der Nacken, ja, sogar der Kiefer und irgendwie auch die Waden und Füsse. Haut und Haare sind trocken - und vom Bier am Vorabend auch deine Kehle. Du hast blaue Flecken und Schürfungen an wunderlichen Stellen und im Prinzip keine Ahnung, welcher Tag gerade ist. Aber du fühlst dich am Leben, du fühlst dich gut.

Es ist Surfcamp. Am vergangenen Dienstag stand ich in Razo Beach im Norden Galiziens das erste Mal auf einem Surfbrett, obwohl stehen wohl eine unverschämte Übertreibung ist. Während in der Vorwoche die Wellen zu klein oder nicht vorhanden waren, waren sie am Dienstag so hoch, dass mir bei ihrem Anblick fast schlecht wurde. Noch nie hatte ich ein so wildes Meer gesehen. Es war brutal.

Ich gebe es zu, ich habe immer wieder Mühe mit meiner Angst, wenn es um Neues geht. Vor allem, was Actionsportarten angeht. Deshalb traue ich mich seit meinem Unfall letztes Jahr mit meinem Snowboard nicht mal mehr über den kleinsten Kicker. Deshalb fahre ich, seit ich etwa 13 Jahre alt bin, kein Skateboard mehr. Und genau deshalb hatte ich jetzt auch eine grausige Angst vor dem Surfen. Das Wasser war wild und mehrmals hatte ich das Gefühl, einfach nicht mehr aus diesen verdammten Wellen rauszukommen. Aber eben, das ist das Geniale am Surfcamp! Anstatt zu sagen: «Nö, gefällt mir nicht, ist nichts für mich», geht man einfach wieder rein und kämpft weiter. Und mit jedem Versuch rückt die Angst weiter in die Ferne.

In einer Woche Surfcamp habe ich folgendes gelernt:

  • Du gewöhnst sich an alles. Sogar an das Salzwasser in deinen Lungen.
  • Das Meer kann bedrohlich und gewalttätig sein. Aber es ist eben doch nur Wasser.
  • Hast du Angst, entspann dich. Panik kann vermieden werden.
  • Surfer hängen so oft rum und chillen, weil ihr Sport wohl der anstrengendste überhaupt ist. Echt jetzt. Surfer sind voll krass.
  • Shampoo ist überbewertet.
  • Gut riechen ist überbewertet.
  • Seit ich meine Angst vor dem Surfen bekämpfe, traue ich mich wieder auf ein Skateboard.
  • Hast du keinen Muskelkater, warst du nicht surfen.
  • Nächstes Jahr wird vor dem Surfcamp gezielt trainiert.
  • Auch mit Ganzkörpermuskelkater lässt es sich ganz gut tanzen.
  • Das schlimmste an einem Neoprenanzug ist nicht, ihn zu tragen, sondern reinzukommen. Oder sein Geruch.
  • Es gibt bessere Arten in den Tag zu starten, als sich in einen noch immer feuchten Neoprenanzug zu zwängen. Aber auch schlechtere. Zum Beispiel gleichzeitig einen Kater zu haben.
  • Die Welle gewinnt immer.
  • Wenn ich surfe, esse ich etwa das Doppelte als sonst.
  • Gutes Essen ist überbewertet.
  • Das Wichtigste am Surfen sind die Menschen, mit denen du ins Meer rausgehst.
  • Eine Welle muss man sich verdienen. und wenn man sie erwischt, ist es das beste Gefühl der Welt.

Alle Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im SI-online-Dossier.