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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Verflixte Dates

Wo und wann sollen wir uns treffen? und worüber könnten wir uns unterhalten? Für Sarah Rüegger sind Dates der pure Stress.
Bloggerin Sarah Rüegger über erste Dates
© Getty Images

Erste Dates - Bloggerin Sarah Rüegger ist kein Fan.

Es ist ein Trauerspiel - je älter ich werde, desto mehr hasse ich Dates. Ja, das erste Zusammentreffen mit einer Person, die man vielleicht flüchtig kennengelernt hat und auf Anhieb als interessant eingestuft hat. Mit der man vielleicht Nummern oder Namen ausgetauscht hat und mit der man sich dann nach einer bemühten Annäherung via Whatsapp oder Facebook gemeinsam entschliesst, sich doch mal zu treffen.

Aber da fängt das Dilemma schon an: Wo wäre ein strategisch kluger Ort, sich zu treffen? Und wann? Die Uhrzeit sollte nicht zu verfänglich, also nicht zu nahe am Bett sein. Dasselbe gilt für die Örtlichkeit, zu Hause steht ein Bett, das ist nicht gut. Also muss es auf neutralem Boden sein, aber nicht zu unverbindlich, also wenn möglich einen Teil meiner Interessen widerspiegeln oder so. Auch von Vorteil wäre, wenn der Ort nicht zu vorbelastet ist. Das heisst, seit mein Herzchen letztens ein bisschen gebrochen wurde, kann ich mit Männern nicht mehr auf Boote oder Schiffe, weil ich ja mit ihm dort war. Dasselbe gilt für vorbelastete Cafés, Restaurants und gar Speisen. «Hach, mit M. war ich doch im S. und habe Schiacchata gegessen!» Bloss keinen Backflash aufkommen lassen!

Dann die Aktivität. Dass man beim ersten oder zweiten Date nicht ins Kino geht - so wie uns das amerikanische Teenie-Romanzen weismachen wollen - wissen wir, seit uns die Plättchen-Zahnspange entfernt wurde. Kein Licht, keine Konversation und unablässiges Popcorngeknusper - unsexy und unpraktikabel, wenn man die Person vor der Zunge und den Händen kennenlernen möchte. Ohnehin wäre die Auswahl des Filmes schon so aufreibend, dass aus potenziellen Partnern ratzfatz blutrünstige Ninjas aus verfeindeten Lagern werden. Einen gemeinsamen Nenner zwischen Unbekannten unterschiedlichen Geschlechts finden? Forget it.

Essen gehen ist zwar etwas unoriginell, aber gar nicht so übel. Doch auch hier lauern Tücken. Ich als Vegetarierin mit Abneigung gegen Vegi-Restaurants versuche diesen Fakt schon mal nebenbei im Gespräch fallen zu lassen, ohne gleich wie eine hysterische Gesundheitsfanatikerin zu klingen. Die Chance ist dann immer noch relativ gross, dass man zwischen einer Salatbar und dem Steakhouse eine Variante findet. Mit dem Lieblings-Restaurant sollte man hingegen noch warten, denn wenn man da dauernd neue Dates anschleppt, fällt das irgendwann auf - und zusätzlich versaut man sich unter Umständen das Restaurant. Beim Essen gilt: Grosse Salatblätter und lange Nudeln mit bunten Saucen vermeiden. Scheisse, wenn man ausgerechnet dann nichts anderes möchte als profane Spaghetti Napoli. Tja, Date ist Date.

So sehr mich Dates mit der Zeit auch stressen: Wenigstens die «Was ziehe ich an?»-Frage stellt man sich in meinem Alter nicht mehr. Wenn man weiss, worin man sich wohlfühlt und wie man gut aussieht, ist man schon angezogen. Wenigstens das.

Aber mit der Kleider-, Orts- und Aktivitätenwahl ist ja gerade erst die Basis gelegt. Dann geht es ja erst mit dem Fragenkatalog los. Was machst du? Ach, ist ja interessant. Aber was genau machst du nun? Bis ich mit meinen drei Ausbildungen, den Praktika und meinen fünf Jobs durch bin, sind drei Viertelstunden durchs Land gezogen und ich laufe Gefahr, dass man meinen Umgang mit meiner Flatterhaftigkeit als Prahlerei wahrnehmen könnte. Ich prahle nicht, ich bin nur verwirrt.

Ich hab für mich mal entdeckt, dass eigentlich das angenehmste Date jenes ist, bei dem man eine Aktivität zusammen betreibt. Mein Favorit der ersten Dates war in einer Kletterhalle. Man redet zwar, aber erst mal über Sport und Grenzen, gleichzeitig muss man sich ja sichern, was Vertrauenssache ist, und vielleicht hat man sogar ein Erfolgserlebnis. Voll gut. Der Typ hat sich dann aber trotzdem als Niete rausgestellt.

Anyway. Mit mir kann man eigentlich ziemlich viel Spass haben. Trotzdem: Gerade letzte Woche hat sich meine Zahl von vermasselten Dates wieder um eins erhöht. Es müsste für mich eigentlich eine Alternative zu Dates geben. Gibt es aber blöderweise nicht. Vielleicht sollte man aufhören, sie Dates zu nennen. Zum Beispiel informelle Treffen mit potenziellen Lebensabschnittspartnern. Okay, nö. Dann doch lieber das andere. Was muss, das muss.

Alle Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im SI-online-Dossier.