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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Das Low-Budget-Girl on Tour: Bei den Hexen

Sie reist eigentlich «nur» von Saas Fee zur legendären Après-Ski-Party «Witches Night» nach Blatten. Und doch kommt sich Bloggerin Sarah Rüegger dort vor wie in einer anderen Welt. 
Blog-Bild Stadt - Land einfach Belalp Hexe
© Belalp Tourismus

Eigentlich fing mittags alles ganz harmlos mit dem «Belalp Hexe»-Rennen an. Abends jedoch artete es bei der Après-Ski-Party aus. 

Ich gebs ja zu: Ab und zu wirds auch mir zu eng hier oben in Saas Fee. Da gibts einige Möglichkeiten, sich dem Ort zu entziehen: An freien Tagen ab zu Muddi, in die nächste Stadt fahren und sinnlos Geld zum Fenster rausschmeissen oder das Snowboard schnappen und ab in ein anderes Skigebiet. Hab ich alles schon gemacht, doch ausser sich bei der Familie einzunisten, kostet alles recht viel Geld - das ich nicht habe. So bot sich letztes Wochenende eine völlig neue Möglichkeit, um mal aus dem Dorf zu kommen und erst noch Geld zu verdienen. Valerie und ich fuhren nach Blatten bei Belalp, um an einer der grössten Après-Ski-Partys überhaupt, der legendären «Belalp-Hexe», zu arbeiten.

Ja, so ein Event in einem anderen Dorf, das ist schon mal was ganz anderes. So quasi Völkerkunde im jenseitigen Tal. Die «Belalp-Hexe» ist zum einen eine Volksabfahrt, bei der um die 1500 Teilnehmer gegeneinander in einer 12-Kilometer-Abfahrt konkurrieren, zum anderen - und das ist der grosse Reiz und das schöne Fotosujet - findet auch die Hexenabfahrt statt. Das heisst: Gruppen von Einheimischen und Touristen verkleiden sich als Hexen und kurven so gemeinsam ins Tal. Am Abend, an der sogenannten «Witches-Night», an der Valerie und ich arbeiteten, werden dann sportliche Leistungen und Kostüme ausgezeichnet.

Ich muss sagen, es war kurios! Jedenfalls für mich, die das erste Mal überhaupt auf der Belalp war. Es begann schon am frühen Abend, als wir uns mal langsam hinter die Bar begaben. Da standen grüner, roter und weisser Wodka, Whisky, Passoa, Jägermeister - und sonst gar nichts mehr. Ich spürte eine leichte Unruhe. Schliesslich war es schon halb acht und die Bar war noch nicht aufgefüllt! Ich fragte bei Valerie nach, sie kannte den Anlass vor und hinter der Bar schon seit bedeutend längerer Zeit. «Nein, das stimmt alles. Was hier am meisten getrunken wird, sind grüner Wodka und Jägermeister», erklärte sie mir. Wie bitte? In meiner Bar in Saas Fee schenke ich grünen Wodka höchstens mal als Après-Ski-Getränk Grinch oder als Shot aus. Und tatsächlich: Die Oberwalliser in Blatten tranken fast ausschliesslich grünen Wodka mit Mineral oder Citro, Jägerbomben und den längst vergessen gegangenen Passoa mit Orange. Und das im Zehn-Minuten-Takt. Respekt.

Und dann die Preise! Longdrinks für sieben bis acht Franken, Bier und Wein vier Franken, Mineral drei... Ich kam damit so wenig klar wie letzte Saison, als ich in einer Bar in Brig mal eine Stange für 3 Franken 50 bekommen habe.

Ohnehin war dieser Bar-Abend von Saas Fee so weit entfernt wie Mike Shiva von der Realität. So bin ich es mir von meiner Arbeit in Saas Fee gewohnt, dass bestimmt 50 Prozent des Abends Englisch gesprochen wird. Auch gibt es mal Abstecher ins Französische und selten ins Spanische, wobei ich so schnell und instinktiv zwischen den Sprachen wechsle wie den Fernsehsender, wenn ich ungewollt auf RTL 2 gelandet bin. Nicht so in Blatten. Schweizerdeutsch so weit die Ohrmuschel reicht. Hie und da ein paar Deutsche und vielleicht ein bis zwei verdrückte Versuche in Deutsch mit unbestimmtem kulturellem Hintergrund. Welch andere Welt!

Angesichts dieser kulturellen Verwirrungen vergass ich gar zeitweise, dass ich ja zu 30 Prozent mit bis aufs letzte Detail perfekt verkleideten Hexen und Hexern sprach. Ja, tatsächlich gewöhnte ich mich daran am schnellsten.

Doch gerade deshalb war die «Belalp-Hexe» die beste Abwechslung von Saas Fee seit Langem. Valerie und ich wollten ja nach der Arbeit dann auch wirklich auf den letzten Shuttle-Bus um 4.30 Uhr nach Brig. Aber na ja, ein Saaseni läuft doch nicht nach zehn Stunden Arbeit an einer gut gefüllten Bar vorbei. Und so endete der Abend erst in den Morgenstunden, in einem Taxi mit Wildfremden und einem sicherlich mindestens drei Meter langen Hexenbesen. Mit dem flogen wir dann durch Brig direkt ins weiche Bett...

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