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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Die Rückkehr aufs Brett

Bloggerin Sarah Rüegger ist mutig - und wagt sich neun Wochen nach ihrem Schlüsselbeinbruch wieder aufs Brett. Mit Erfolg. Wenn man mal von den blauen Flecken absieht... 
Bloggerin Sarah Rüegger wagt sich nach Unfall wieder aufs Snowboard
© SI online

Bloggerin Sarah Rüegger ist geheilt - und traut sich wieder aufs Snowboard. 

Es fing schon unten in meiner Wohnung an. Ich sammelte alles zusammen, was ich an jenem Tag brauchen würde: Unterhandschuhe, Handschuhe, Mütze, Leggins, Thermoshirt, Rückenpanzer, Hoodie, Wandersocken, Boots, Snowboardhosen und -jacke, Helm, Goggles, Musik. Und zu guter Letzt: Mein neues Snowboard samt neuer Bindung.

Ohne Scheiss: Mir ging echt die Pumpe. Jede Schicht, die ich mir überstreifte machte mich nervöser, ich versuchte, in meinem Kopf das Bild heraufzubeschwören, das Gefühl, wenn ich mit dem Snowboard oben auf dem Berg stehen werde und losfahre. Ich schaffte es nicht, nein, im Gegenteil, mit der Körperseite voran Richtung Tal zu gleiten. Es schien mir schrecklich unvertraut, ich fühlte mich zunehmend unsicherer. Trotzdem packte ich meinen Kram, verliess meine sichere Wohnung, schnappte in der Dorfmitte meinen Kumpel und wir machten uns auf den Weg: 1700 Meter den Berg hinauf, Ziel: Mittelallalin, 3500 Meter über Meer. Mein erster Versuch auf dem Snowboard seit neun Wochen. Mein erster Versuch seit meinem verdammten Sturz. Mein erster Versuch seit mich der Helikopter von dem beschissenen Berg runterholen musste und ich wie eine verlotterte Baracke wieder zusammengeflickt werden musste.

Doch nun war der Moment da, nach genau neun Wochen. Physiotherapie abgeschlossen, Belastung freigegeben, ärztliche Richtlinien («Warten Sie noch acht bis zwölf Wochen, bevor sie wieder aufs Snowboard steigen, ja?») eingehalten und hoffentlich genug Mut zusammengekratzt.

Und da hockte ich nun. Die neue Bindung mit Mühe zugezerrt, den Helm fest über der Kappe fixiert, den neuen Rückenpanzer im Rücken und die Angst im von den Goggles verdeckten Gesicht. Ich drückte mich zögerlich hoch, okay, ich stand auf dem Brett. Rechtskurve. Verdammt sind das scharfe Kanten. Linkskurve. Okay, geht ja. Langsam aber sicher kurvte ich mich in einen Rhythmus. Langsam, nicht zu schnell. Weiter unten traf ich meine Kumpels wieder an, sie warteten auf mich. «Geht doch, oder?», fragte mich eine von ihnen. «Joah, ging», sagte ich und fuhr wieder an und - wumm! - verkantet. Ich fand mich auf dem Boden wieder. Tut was weh? Nö. Bin ich verletzt? Nö. Alles ganz.

Ich fiel an diesem Tag noch oft hin. Zu Hause entdeckte ich ein burgunderrotes Knie und eine blaue Hüfte. Doch alles ist ganz. Am nächsten Tag ging ich wieder auf den Berg. Und am überübernächsten. Und so muss ich mich nun Tag für Tag weniger überwinden, werde schneller und sicherer und der Spass übertönt die Angst ja sowieso. Fortsetzung folgt.

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