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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Zuwendungs-Paranoia

Bloggerin Sarah Rüegger bekommt zu viel Aufmerksamkeit und hofft, dass in Saas Fee bald ein anderes Thema (als ihr gebrochenes Schlüsselbein) dominiert.
Kranke Frau mit Geschenken am Spitalbett
© Getty Images

Zu viel Zuwendung? Das kann es geben! Vor allem in so einem kleinen Ort wie Saas Fee.

Der Vorteil an einem Dorf: Wenns dir Kacke geht, haste ein tipptoppes, engmaschiges soziales Netz, dass dich aus der Kacke wieder raushievt. Hilft eigentlich bei allem: Liebeskummer, Geldproblemen, Kleinkrieg oder eben bei einem gebrochenen Schlüsselbein, womit ich momentan halt nun mal geschlagen bin. Von den einen gibts Besuch, von den anderen Geschenken, dritte versorgen dich mit Essen und meine liebe Freundin Nora hat sogar meine Wäsche nach Hause geschleppt und dort gewaschen (danke ihr Lieben!).

Wo wir aber schon bei den Nachteilen eines Dorfes wären: Jeder, aber wirklich jeder Hinterletzte weiss, dass ich einen Unfall hatte. Nachdem ich die Gerüchte über mein vorzeitiges Dahinscheiden und meine vollkommen zertrümmerte linke Schulterpartie relativ schnell zerstreuen konnte, trauten sich die Leute auch wieder, mich über Facebook und Whatsapp nach meinem Befinden auszufragen. Dass darunter Menschen waren, die ich meines Wissens noch nie im realen Leben getroffen habe, sollte mich als rege Social-Media-Nutzerin ja eigentlich wenig erstaunen (und vielleicht hat das Posten meiner Röntgenbilder ein klein Wenig dazu beigetragen - aber die sind auch wirklich cool)­. Dass diese Fremden mich plötzlich bei einem realen Kaffee bespassen wollen, wohl auch nicht.

Lästiger wurde es jedoch vergangene Woche nur im realen Leben. Den Fuss knapp auf die Strasse gesetzt, fand ich mich so alle fünf Meter mit einem Fürsorgedurchfall à la «Aaaaach, ich habs schon gehört… Gehts dir gut? Gell, wenn du was brauchst...» oder «Ui, ja, krass, wann kannste wieder snowboarden?» beschallt. Von Wildfremden. Das ist ja ganz nett und ich weiss die Zuwendung auch zu schätzen, doch es ist schon etwas unheimlich, wenn mir kaum bekannte Menschen wissen, auf welcher ungewöhnlichen Station ich vor der OP gelegen bin, welche Medis ich schlucken muss, wann ich aus dem Spital gekommen bin und wie regelmässig mein Stuhlgang ist. Da krieg ich ja Zuwendungs-Paranoia. Give me a break.

Ich freu mich jedenfalls jetzt schon, wenn das Gesprächsthema im Dorf wieder wechselt. Sollte so in einer halben Woche soweit sein.

PS: Auf diesem Weg möchte ich noch meinen galanten Bergrettern Dänu und Flo sowie den Herren und Damen der Air Zermatt danken. War ne 1-A-Rettung!

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