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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Das städtischste Luxusproblem von allen

Ob in der Stadt oder in den Bergen. Das Problem ist überall das gleiche: Wie soll man den Tag, der ja nur 24 Stunden hat, am besten verbringen? Das Low-Budget-Girl hat Angst, etwas verpassen zu können. Und landet am Ende meist gefrustet in der Badewanne.
Ratlose Frau Schwierigkeiten Entscheidung Fragezeichen
© Getty Images

Bloggerin Sarah Rüegger kann sich nicht festlegen. Die Wohnung putzen, ins Fitness oder doch lieber auf die Piste gehen? Fragen über Fragen, die sie allesamt stressen.

Nö, langweilig ist uns hier eigentlich wirklich nie. Im Gegenteil. Ich habe bei mir selber sogar ein ganz merkwürdiges Verhalten entdecken müssen: Ich bin ein bisschen gestresst.

Joah, ich bin mir sicher, die meisten im Unterland denken sich: ach, die da oben. Bisschen arbeiten, sonst nur Sonne, Snowboard und Saufen. Ganz ehrlich: Bei manchen ist das auch so. Nicht bei mir. Und mein Kernproblem ist nicht einmal, dass ich neben meinem Barjob noch regelmässig Texte schreibe und seit kurzem wieder rudimentäre Ambitionen in meinem anderen Betätigungsfeld - der Mode - habe. Nö, das wäre ja alles noch easy.

Nee, es beginnt und endet eigentlich alles beim Wetter. Ich wache nach einer Nachtschicht schon wieder zwei Stunden später auf, als geplant. Die Bude sieht aus wie nach Sturm Lothar, Wäsche sollte gewaschen werden, im Fitness war ich seit Tagen nicht mehr und im Kühlschrank herrscht gähnende Leere. Aber: Es ist traumhaftes Märchenwetter. Schon posten die ersten Fotos von ihrem «most epic riding day of the season», oder «Sonne, Powder und Bier», blablabla. Mein schlechtes Gewissen befällt mich doppelt. «Wenn ich heute nicht auf den Berg gehe... Morgen ist bestimmt wieder schlechtes Wetter... Aber eigentlich bin ich zu erschöpft... Und schreiben sollte ich auch noch». Egal wie ich mich entscheide, am Abend bei der Arbeit bin ich entweder todmüde, weil ich mich dann doch auf den Berg geschleppt habe und meinen Haushalt der Verwesung überlassen habe, oder ich krieg ein schlechtes Gewissen und bereue elendig, weil einfach jeder einzelne, der in meine Bar kommt, von seinem super-duper-oberlässigen Skitag erzählt.

Nicht viel besser ist es bei schlechtem Wetter. Wiederum herrscht obiges Szenario: Dreck, Erschöpfung, muffige Wäsche und drohender Hungertod. Und die Rechungen sind erst recht noch nicht bezahlt. Trotzdem geht es wieder los: «Ich sollte dringend einmal auf den Babylift, um den ganzen Tag switch fahren (mit dem Hinterteil des Snowboards - Tail genannt - voraus fahren, also gegen die eigene Komfortrichtung) zu üben... Das geht ja nur bei schlechtem Wetter, sonst wäre das Verschwendung... Und die Anderen wollen bestimmt im Pulverschnee Kicker (Schanzen) bauen gehen, da kann ich auch nicht immer schwänzen... Um fünf Uhr muss ich dann mit Sam im Après-Ski sein... Und erst das Fitnessstudio... Aber: Wann schmeiss ich denn eigentlich meinen verdammten Haushalt?!? Am Ende resigniere ich meist endgültig, erledige das Nötigste und verbringe den Rest des Tages in der Badewanne.

Nö, langweilig ist uns nicht. Im Gegenteil. Auch hier auf dem Berg haben wir das städtischste Luxusproblem von allen: Die Angst, etwas verpassen zu können. 

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