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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Hochsaison der gebrochenen Herzen

Das Herz ist eine Mördergrube, das weiss auch Sarah Rüegger. Gemäss unserem Low-Budget-Girl herrscht in Saas Fee derzeit Hochsaison der unglücklich Verliebten. Deprimierend und vor allem schlimm. Zumal in so einem kleinen Ort nichts unverborgen bleibt.
Betrunkene Frau Liebeskummer gebrochenes Herz
© Getty Images

Die Saisonniers der Skigebiete zieht es derzeit in die Bars. Nicht um Spass zu haben, sondern um den Liebeskummer in Alkohol zu ertränken.

So, die Wintersaison hat ihre Halbzeit bereits grosszügig überschritten. Die - wie im letzten Eintrag erwähnte - magere Hochsaison ist durch und wir auch. Der gefürchtete Lagerkoller in der Saisonmitte macht sich breit. Wir alle sind ausgebrannt von der Arbeit, viele von uns fliehen an ihren Freitagen vermehrt ins Unterland, in den Kurzurlaub oder in andere Skigebiete. Auch die Fastnacht ist vorbei und mit ihr die zahlreichen Gelage. Und doch zieht es zurzeit einige von uns in die Bars. Nicht zum Feiern, sondern um uns abzulenken - um zu trauern.

Es ist die Hochsaison der gebrochenen Herzen. Momentan liegen sie auf den Tresen bar, wie die abgerauchten Zigaretten, die unter dem von der warmen Frühlingssonne weggeschmolzenen Schnee hervorkommen. Es ist deprimierend. Viele von uns haben im Trubel der Feriensaison etwas Halt in verlängerten Romanzen gesucht. Es tut nun mal gut, in dem ganzen Work-Ride-Party-Repeat-Rythmus jemanden zu haben, der da ist, der Nähe gibt und nicht am nächsten Tag wieder mit gepackten Koffern aus dem Hotel auscheckt, um sein 9-to-5-Leben im Unterland weiterzuführen. Jemand, der hier ist oder zu dem man an Freitagen fahren kann, oder einfach jemand, der immer wieder zurückkehrt. All dies tut gut, solange es gut ist.

Doch nun, Mitte Saison, bröseln diese Zweckgemeinschaften und manch einer wünschte sich, es gäbe ein Leben für die Liebe nach der Saison. Doch in einem kleinen Dorf wie Saas Fee, wo hübsche Touristinnen und Touristen ein und aus gehen, gibt es viele Verlockungen und manch einer will gegen Ende der Saison noch einmal den Promiskuitäts-Tango tanzen. Nicht von ungefähr kommt der geflügelte Satz «Nenn mich nicht Schatz - es ist Saison». Und zu oft bleibt einer zerbrochen zurück, bald betrunken an der Bar, bald weinend im Club.

Auch andere Umstände machen es der Liebe in Saas Fee so schwer. Etwa bleibt hier nichts geheim. Fehltritte sprechen sich im Tempo eines Livetickers herum und gelangen immer zu jenen, die es verletzt.

Und ist es dann vorbei, wird es meist richtig dreckig. Lästereien hier, öffentliches Sich-Anschreien da. Denn wo man auch hingeht: Man trifft ohnehin aufeinander und gerät aneinander. In Saas Fee ist es so eng, dass den verwundeten Herzen die Luft zum Heilen fehlt.

An alle, die wissen, was ich meine: Die Saison geht noch sieben Wochen. Haltet durch, bleibt so stark es geht und alles wird gut. Und für den Fall - ihr wisst, wo meine Bar ist.

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