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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Touristen, bleibt auf den Pisten!

Pistenrowdys gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Retter. Denn fast täglich müssen Skifahrer und Snowboarder aus Gletscherspalten gerettet werden, wie Sarah Rüegger erfahren hat. Deshalb appelliert unser Low-Budget-Girl aus Saas Fee an alle Schneesportler, die markierten Pisten nicht zu verlassen.
Wer abseits der Skipiste fährt, gefährdet nicht nur sich selbst.
© Getty Images

Abseits der Piste lockt die Freiheit. Doch wer im Tiefschnee fährt, geht das Risiko ein, in einer Gletscherspalte zu landen.

Ich dachte ja, mich kann hier oben in Saas Fee nichts mehr schockieren. Und doch hat genau das ein Freund von mir vergangene Woche geschafft. Dieser Freund arbeitet bei den Bergbahnen und weiss deshalb ganz genau, was auf dem Berg, aber meist ausserhalb der Blickfelder von uns Saisonarbeitern und Touristen so abgeht.

Ich und ein paar Freunde quatschten also grad - mit herrlichstem Ausblick auf das Allalinhorn - über die Trottel-Touristen, die einfach nicht auf den Pisten bleiben wollen, als der Bergbahnen-Insider uns eröffnete, dass momentan scheinbar fast täglich jemand aus einer Gletscherspalte gerettet werden muss. Fast täglich! Und es muss gesagt werden: So eine Gletscherrettung ist meist ein grosses Unterfangen, eine gefährliche Aktion - auch für die Retter.

Für den Geretteten wirds danach teuer - aber wie viel Geld wiegt schon ein geschenktes Leben auf? Manche sagen gar: Eine Spaltenrettung ist heute nach wie vor viel zu billig. Denn: Manche lernen es nie. Und manche scheissen einfach darauf und auch darauf, dass sie mit ihrer blöden «YOLO»-Einstellung andere Skifahrer und ihre Retter gefährden. Und: Nicht nur unwissende Touristen ohne Ortskenntnis brechen in die Spalten ein. Es sind auch Bergführer und geübte Freerider, die aus den Gletscherspalten gefischt werden müssen. Denn: Der Gletscher bewegt sich ständig, Spalten wandern, tun sich neu auf, wachsen.

Natürlich gibt es einige, vor allem Einheimische, welche den Gletscher genau kennen und wissen, wie und wo man die Piste verlässt und es sich herrlich freeriden lässt. Nur - die Spuren im Schnee bleiben, und so denkt sich manch ein Unkundiger: Hier lässt es sich prima im Tiefschnee plauschen - und hat dann nicht selten weniger Glück als die Vorgänger.

Es gibt auch jene Spezialisten, die bei Neuschnee nicht weit von der Pistenabsperrung ein bisschen im Tiefschnee fahren. An sich nicht sehr riskant - denkt man sich. Doch auch darüber liess ich mich letztens von meinem Insider-Kumpel belehren. In Saas Fee, wo ein Grossteil der Pisten auf dem Gletscher liegt, können schon wenige Meter neben den Pisten Spalten abfallen - schliesslich befinden sich auch manche Pistenabschnitte auf aufgefüllten Gletscherspalten. So erzählte mir eine Freundin kürzlich, dass sie eigentlich nur minimal vom Pistenrand entfernt am Powdern war, als sie an der Snowboard-Hinterkante den Schnee abfallen spürte - eine zugeschneite Gletscherspalte. Nur mit einer schnellen Reaktion und viel Glück entkam sie dem Schicksal, selber aus einer Spalte gerettet werden zu müssen.

Deshalb, - und da nehm ich jetzt gerne die Rolle des Spielverderbers ein - liebe Touristen: Bleibt auf den markierten Pisten. Ich weiss, in der Werbung sieht alles ganz leicht aus, und im Tiefschnee rumzuwedeln, ohne sich an irgendwelche Absperrungen zu halten, scheint die absolute Freiheit zu verheissen. Aber jetzt mal ehrlich: Bei den Temperaturen, die hier mittlerweile herrschen, ist der Powder ohnehin nichts anderes mehr als eine Art Griessbrei. Und auch wenn es euch Hobbyrebellen nicht gefällt: Manche Absperrungen haben einen anderen Zweck als die pure Schikane. Und auch wenn rund um euch herum nirgends ein Gletscher zu finden ist: Es gibt da auch noch so was, das man Lawine nennt. Auch gefährlich. Nur so.

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