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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Wo seid ihr?

Überfüllte Pisten gehören in Saas Fee leider der Vergangenheit an. An was das liegt? Das Low-Budget-Girl macht sich Gedanken.
Ischgl überfüllte Piste Ski- und Snowboardfahrer
© Nadine Bauer

Das waren noch Zeiten, als die Skipisten überbevölkert waren...

Stellt euch vor, es ist Hochsaison, und keiner geht hin. Na ja, man soll ja in der Mitte der Saison nichts verschreien, aber genau dieses Szenario hat sich hier in Saas Fee bisher eingestellt. Anstehen am Lift? Nö. Martial Arts auf dem Weg an den Glühwein-Tresen? Unnötig. Stundenlang anstehen am Damenklo im Club? Fehlanzeige. Eigentlich schön für uns, die hier leben, nur blöderweise kriegen wir so die Butter nicht aufs Brot.

Und scheinbar sind wir ja auch nicht das einzige Gebiet mit akutem Touristenmangel. Die ganze Schweiz rätselt, was denn mit den Skitouristen gopferdelli los ist und was denn nun der Grund für die Wintersportmuffeligkeit sei. Auch ich hab mir so meine Gedanken darüber gemacht, weshalb keiner mehr Bock auf Skiurlaub hat. Eine erste Antwort bot sich mir vergangene Woche, als ich endlich mal wieder für zwei Tage ins Tal herunterstieg. Notabene trug ich zu dieser Gelegenheit wie immer meine knielange Snowboardjacke, denn es war ja zu dem Zeitpunkt noch Februar, also kalt, also Winter. Dachte ich. Falsch gedacht. Kaum trat ich aus dem Bahnhof Bern, empfing mich eine Temperatursituation, die für mein Empfinden in Richtung schöner Julitag in Saas Fee ging. Ich schwitzte. Im Februar.

Ich sass da also im Pulli draussen an der Sonne - im Februar - als mich die erste Erkenntnis traf: Wenn im Unterland ja bereits Frühling ist, wieso sollte dann einer ans Skifahren denken? 

Der zweite Grund, den ich in Erwägung ziehe ist simpel: die Kohle. Winterferien sind teuer, die Leute haben kein Geld mehr und die Rechnung sieht dann in etwa so aus: Wieso sollte ich eine Woche in die Skiferien, wenn ich für dasselbe Geld im Sommer zwei Wochen an den Strand fahren kann? Schuld sind natürlich Online-Booking und Billigfluglinien. Böse, böse.

Der dritte Grund, den ich in Erwägung ziehe, warum keiner mehr in die Skiferien fährt: Viele Erwachsene haben keinen Bock mehr auf Wintersport. Die teure Ausrüstung, das Geschleppe, die schweren Kleider, das Anstehen am Lift und dann ist es auch noch nass und kalt. Nö, denken die sich - das tu ich mir nicht an. Genau diese Attitüde geben sie dann an ihre Kinder weiter. Schicken sie nicht in die Skischule, fahren vielleicht nicht einmal mehr Schlitten mit ihnen. Gleichzeitig fallen in den Schulen die teuren Skilager weg und - schwupps - Wintersport gehört nicht mehr zur Allgemeinbildung. Dem Wintersport fällt der Nachwuchs weg, wer nicht Ski- oder Snowboard fährt, fährt auch nicht in die Winterferien.

Natürlich sollte man ja nicht nur jammern, sondern auch Lösungsvorschläge bringen, I know. Ich sage: Profitiert von Olympia. Slopestyle ist olympisch und Iouri ist Olympiasieger in der Halfpipe. Die Kids finden das cool. Investiert in Freestyleparks, baut Halfpipes, Kickers und Rails, werbt mit coolen Bildern von Snowboardern und Freeskiern. Gebt den Kindern das Gefühl, etwas durch Üben erreichen zu können und den Cracks einen würdigen Spielplatz. Investiert in die junge Generation, die noch ihr ganzes Leben lang in die Skiferien gehen kann, investiert in jene, die nach der Piste noch Party machen und mit Leidenschaft Wintersport betreiben. Jene also, für die es gar keine Frage sein wird, ihre eigenen Kinder dereinst so früh wie möglich aufs Brett oder die Bretter zu stellen. Aber das ist nur ein Tipp.

Alle «Stadt - Berg einfach»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.