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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Dieses Jahr wird Weihnachten ganz anders

Bloggerin Sarah Rüegger ist kein grosser Fan von Weihnachten. In den vergangenen zwei Jahren hat sie sich vor den Feiertagen gedrückt. Wieso sie dieses Jahr doch wieder mit der Familie feiern will, erklärt sie in ihrem neusten Blogbeitrag.
Bloggerin Sarah Rüegger über Weihnachten, Familienfeste, Advent
© Getty Images

Zwei Jahre drückte sich Bloggerin Sarah Rüegger vor Weihnachten. Jetzt will sie dem Familienfest eine neue Chance geben.

Oh ja, es ist unmöglich, sich zu entziehen. Das optisch lauteste Fest im Jahr schreit uns von überall ins Gesicht. Weihnachten ist in zehn Tagen und auch ich kann mich nicht davor drücken. Wirklich nicht. Denn: Die letzten zwei Jahre habe ich das im Prinzip gemacht. Ich habe mich gedrückt. Ich habe mich in meinem Bergdorf verschanzt und meine Chefs angebettelt, an den Feiertagen arbeiten zu dürfen. Ich bemühte mich recht ambitioniert darum, mich der aufgezwungenen Festlichkeit zu entziehen.

Schon lange bin ich kein rechter Fan mehr von dem Ganzen, vor allem, seit ich in Saas Fee gewohnt habe, wo der Konsum von Glühwein nicht unbedingt an Festtagsstimmung gebunden war. Zudem bin ich seit gut zehn Jahren nicht mehr Mitglied in irgendeiner Kirche und sehe den Grund für das Getue nicht, auch wenn ich mich mit noch so vielen Kerzen umgebe. Es leuchtet mir nicht ein, warum man sich etwas schenken sollte und warum man sich die Figur mit Guetsli, Stollen und Panettone ruinieren sollte. Ich verstehe nicht, warum man sich die Stube mit Tannenbaumnadeln versauen sollte und warum man extrem zerbrechliche, glitzernde Kugeln an den Übeltäter hängen sollte. Ich mag die Lieder nicht und als Vegetarierin widerstehen mir die tagelangen Fleischorgien. Traditionen interessieren mich grundsätzlich herzlich wenig.

Doch dieses Jahr ist alles etwas anders. Ich wohne wieder im Unterland. Ich habe einen Beruf, der mich nur an Tagen beansprucht, an denen am nächsten Tag eine gedruckte Zeitung erscheint. Ich wohne wieder in der Nähe meiner Familie und ich fühle das erste Mal wieder so etwas, wie eine Verpflichtung und auch Lust, trotz allem mit meiner mehrheitlich atheistischen Familie zusammen zu essen und ein paar Kerzen anzuzünden. Es wird ein vegetarisches Mahl aufgetischt werden und wegen dreier Hunde ist ein geschmückter Baum kein Thema. Meine Mutter hat keine Nerven mehr, die komplette Sippschaft zu bewirten, weshalb die Runde klein und kinderfrei gehalten wird. Sie hat alles schön aufgeteilt und so wie es aussieht, beschränkt sich für mich das Ganze auf einen einzigen Abend des Feierns.

Eigentlich alles nicht so übel.

Ich denke, das hat alles auch mit Altersmilde zu tun. Was bringt es, sich ein Leben lang gegen Weihnachten zu wehren, wenn es sich bei uns ohnehin einfach auf einen netten Familienabend mit ein paar Kerzen und etwas Prosecco gewürzt komprimiert. Ob sich das Ganze nun am 24. Dezember abspielt oder am 15. September ist eigentlich egal. Denn was ich in den letzten Jahren auch gemerkt habe: Der stärkste Effekt, der von Weihnachten ausgeht, ist das Gefühl, dass man an diesen Tagen, an denen ohnehin alles quasi stillsteht, eines sicher nicht sein möchte: alleine.

Alle Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im grossen SI-online-Dossier.