Blog Logo

Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Das Offline-Girl

Kein Laptop, kein WLAN, kein Messenger: Bloggerin Sarah Rüegger lebt in der digitalen Gummizelle - und findet es gar nicht so schlimm.
Sarah Rüegger Blog Laptop kaputt Handy kaputt ohne Facebook
© Getty Images

Sarah Rüegger hat keinen Laptop mehr - und ihr Handy will auch nicht so, wie sie will.

Ich habe gerade eine digitale Pechsträhne. Vor einigen Wochen bereits hat sich mein MacBook von 2007 auf immer verabschiedet. Das war schon länger absehbar. Dass das liebe Maschinchen von Jahr zu Jahr langsamer wurde, damit konnte ich mich grad noch so abfinden. Genauso an die sich häufenden Programmabstürze bis hin zu regelmässigen Systemkollapsen. Dann wurde es aber schlimmer und der sauschwere Akku blähte sich plötzlich  auf - warum auch immer -, weshalb ich das blöde Touchpad nicht mehr bedienen konnte. Auch eine externe Maus half da nicht mehr weiter und ich konnte den Computer nur noch durch das Ladekabel am Leben lassen, was mir im Zeitalter der omnipräsenten Steckdose auch noch irgendwie akzeptabel erschien.

Aber eins war klar: Das mittlerweile schmutzweisse Ding hatte nicht mehr viel Zeit und ich musste damit beginnen, ein Leben ohne meine liebgewonnene Apple-Antiquität zu planen. Wirklich grob wurde es dann, als ich erkennen musste, dass die Maschine meine auch nicht mehr ganz frische, aber lebendige externe Festplatte nicht mehr als solche erkennen mochte und ich die Datenrettung «auf später» verschieben musste. Was hiess: Ich hatte keinen Plan, wie das gehen sollte und hoffte einfach, dass mein Laptop vielleicht doch durch ein Wunder so lange überleben würde, bis ich das rausgefunden hatte. Dies war natürlich eine Utopie sondergleichen, denn wer so denkt, sollte nie einen Laptop am Boden stehen haben, daneben ein Wasserglas und dann halb verpennt in beides reinlatschen. So fand mein lieber, schmutzweisser Klappcomputer mitsamt sämtlicher darin beheimateter Daten sein unrühmliches Ende in einem vermeidbaren Wasserschaden. Blöd.  

Dass ich traurig war, kann man so nicht sagen, denn alles in allem war das Unglück vorhersehbar und noch vollumfänglich mein Fehler. Lustig war, dass alle um mich rum so ein Geschrei um die verlorenen Daten gemacht haben, was mich offenbar weit weniger Herzklopfen gekostet hat, als meine Zuhörer. Daten, das ist doch nur Material. Wie ein Sack voll mit Kleidern. Wenn du ihn verlierst, ist das vielleicht ein bisschen schade, aber schlimm ist das nicht. Schlimm sind geköpfte Journalisten, Ebola, Unfälle, Krebs und sowas. Aber trotzdem ist es ein bisschen blöd, keinen Computer mehr zu haben, wenn man damit mehrheitlich sein Geld verdient. Man ist dann so wie ein Bäcker ohne Brot oder eine Prostituierte ohne Vagina. Obwohl, das wäre dann nochmal viel schlimmer. Anyway.

Doch bis ich das Geld für mein Traum-Dings, ein MacBook-Air, zusammengekratzt habe - und das ist ein Schweinegeld -, hab ich einfach keinen Computer. WLAN hatte ich sowieso noch keins installiert, dafür legte ich immer einen Hotspot mit meinem Smartphone, wo wir auch schon beim nächsten Problem wären. Denn seit ich Mitte September aus dem Surfcamp in Spanien zurück bin, hat mein blödes iPhone etwa eine Internetgeschwindigkeit wie ein Mac-Computer in den Achzigern. Denn ab dem Moment, wo ich den Flugmodus am Flughafen wieder ausschaltete, empfing ich kein 3G-Netz mehr. Seither grinst mir neben dem Swisscom-Logo ein fettes E jeden Tag ins Gesicht und könnte ichs mir leisten, ich hätte das blöde iPhone-Ding schon lange vom Primetower geworfen. Dass die sagenhaft ahnungslose Dame am anderen Ende der Hotline nichts besseres wusste, als mich die Netzwerkeinstellungen checken zu lassen und dann auch noch die grossartige Frage «Haben sie es schon einmal mit aus- und wieder einschalten versucht?» (JAAAAAAAAH NATÜRLICH HABE ICH DAS!!!) zu stellen, war einigermassen unbefriedigend. Zum Schluss riet sie mir noch, um mich loszuwerden, es erst einmal mit einem Softwareupdate zu versuchen und dann wieder anzurufen. Nur: «Wie zum Teufel mache ich ein Softwareupdate, wenn ich kein WLAN habe?» Das wusste sie dann auch nicht, aber ich versprach ihr, eins zu suchen. Echt geil, da muss ich erst mal den Ort mit WLAN finden, wo ich lange genug rumhängen will, bis das blöde Update abgeschlossen ist.

Und als hätten sich  die Technik und das Internet nicht schon arschig genug mir gegenüber verhalten, kann ich mit meinem oberlahmen Netz auf dem Smartphone nicht mal mehr unterwegs meine Facebook-Nachrichten checken, denn die tolle Messenger-App hat sich diese Woche netterweise auch noch dazu entschieden, mir einen Arschtritt zu geben und einfach gar nicht mehr zu funktionieren.

So friste ich nun meine Tage. Ohne Laptop und WLAN, Facebook-Nachrichten gibts nur noch im Büro, und da darf ich ja nicht (ich komm schon extra früher und geh später um das zu regeln), unterwegs krieg ich noch Whatsapp, meine Mails und Facebook ohne Bilder rein. Meine Artikel schreibe ich auf dem Handy oder bettle meine Freunde und Familie an, mich ihre Computer benützen zu lassen. Ich lebe für heutige Massstäbe in einer digitalen Gummizelle. Aber es funktioniert irgendwie. Und schlimm ist es schon gar nicht. Wir wissen ja jetzt, was schlimm ist.