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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Lieblingsorte Teil 3: Fondue im Vieux Chalet

Das Low-Budget-Girl gönnt sich ab und zu etwas Gutes - meist in Form von Käse. Sarah Rüegger verrät, wo sie das leckerste Fondue in Saas Fee geschlemmt hat.

Ja, wir habens tatsächlich überlebt. Die zwei stressigsten Wochen des Jahres sind vorüber. Wir sind zwar alle matt, erschöpft und krank vor lauter eingeschleppter Viren, aber wir leben noch. Ein gutes Gefühl und Grund genug, sich wieder einmal etwas Gutes zu tun. Und zwar Gutes in Form von Käse. Ich weiss, ich weiss, es klingt berglerisch-klischiert, aber wenn ich mich mal so richtig belohnen will, dann geschieht das eben nicht allzu selten durch ein Fondue. Aber nicht zu Hause, denn der Geruch hängt mir sonst monatelang in den Vorhängen und dem Teppich aus den 70er-Jahren.

Lange suchte ich nach dem besten Fondue im Dorf. Eigentlich eine sinnlose Suche, denn es war schon immer klar: Der Käsespezialist im Dorf ist das Vieux Chalet. Schon vor Jahren ist mir auf dem Weg vom Busterminal hin ins Dorf das leicht wetterschiefe aber gemütliche Haus mit den kleinen Fenstern und den Lettern «Vieux Chalet» auf der fast schwarzen Holzverkleidung aufgefallen. Doch erst vergangenes Wochenende schaffte ich es - endlich einmal zusammen mit Valerie - dort zu essen. Und da zudem unsere gute Freundin Lara dort im Service arbeitet, war das also quasi eine Familienzusammenkunft in der guten Stube.

Wie ich schon wusste: Das Vieux Chalet von Liana und Christian Andenmatten-Supersaxo ist auf Käsezubereitungen spezialisiert. Was ich nicht wusste oder mir zumindest nicht vorstellen konnte: Es gibt eine Speisekarte mit rund zwanzig Fondues unterschiedlichster Zubereitungsarten. Davon kann man sich drei Sorten rauspicken und sie im berühmten dreigeteilten Caquelon bestellen. Vom klassischen Walliser Fondue über Curry bis hin zur pikanten Hauskreation - die Wahl fiel nicht leicht. Schliesslich wählte ich Trüffel, Valerie Pesto, und wir einigten uns an dritter Stelle auf den Stolz der Walliser: das Tomatenfondue.

Gute Wahl, denn so lernte ich von Valerie endlich, wie man das Tomatenfondue - das unbedingt mit Kartoffeln serviert werden muss - richtig verspeist. Kartoffel halbieren und klein schneiden, dann mit der Gabel vermantschen. Zu Beginn fragte ich mich noch, wozu eine Kelle zum Fondue gereicht wurde. Lösung: Mit der Kelle das Tomatenfondue schöpfen und über die zerstampfte Kartoffel giessen - und essen. Ja, solche kulturellen Finessen muss man hier schon berücksichtigen. Und ich schämte mich ein wenig über die Logik dieser Art, Fondue und Kartoffeln zu vermählen. Zumal ich mich bei vorhergehenden Tomatenfondues immer schrecklich darüber aufgeregt hatte, dass die Kartoffel schon beim Aufspiessen auf die Fonduegabel meist in mehrere Teile zerbrach, oder spätestens beim Rühren im Fondue auf nimmer Wiedersehen in der Käsemasse verschwand.

Jedenfalls: Fondue gibts für mich nun nur noch im gemütlichen Vieux Chalet, denn es war ganz vorzüglich. Und das Beste: Zum Vieux Chalet gehört noch eine bodenständige Fumoir-Bar, wo man nach dem Essen noch Kaffee und Schnaps bei einer Zigi trinken kann. Ich möchte hier noch sagen, dass meine Lieblingsorte-Reihe von mir selbst ausgewählte Orte beinhaltet. Rein kommt nur, was ich auch wirklich als gut empfinde. Ich bezahle selber für mein Essen und meine Getränke und bin absolut unbestechlich. Nur so.

Vieux Chalet, Untere Dorfstrasse 30, 3906 Saas Fee, im Winter durchgehend offen von 15 bis 23.30 Uhr.

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