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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Lieblingsorte Teil 5: «Coffee»

In Saas Fee gibt es laut Bloggerin Sarah Rüegger nur einen Ort, wo richtig guter Kaffee serviert wird. Gerade für sie als Morgenmuffel ist das sehr wichtig. Darum ihr Tipp: das «Coffee».

Ich komme zurzeit kaum aus dem Bett. Das könnte viele Gründe haben - die mittlerweile recht lange - und anstrengende - Saison, die in den Knochen liegt, Frühjahrsmüdigkeit, oder zu wenig Schlaf. Ja, seit der blöden Umstellung auf die Sommerzeit wache ich regelmässig und todmüde um 8 Uhr auf und kann trotzdem nicht mehr einpennen. Unter der Decke komme ich aber dennoch nicht hervor. Dann gibts eigentlich nur eins: Kaffee.

Doch wie das hier oben so ist: Gewohnt wird recht provisorisch, Kaffemaschinen hat hier kaum einer, Kaffee wird in der Regel auswärts getrunken. Aber so einfach ist das nicht! Vor allem für mich, da ich nach Jahren in der Stadt einen Minimalanspruch an das verdammte Gebräu entwickelt habe. Dass die Erfindung der Kolbenmaschine in Saas Fee noch nicht richtig Fuss fassen konnte, macht meine übermüdete Situation nicht einfacher.

Kurz: Es gibt im ganzen Dorf nur eine Insel, wo ich köstliche Wachheit gegen Geld kriege. Und dieser Ort heisst schlicht «Coffee». Unwissende bezeichnen die kleine Selbstbedienungs-Kaffeebar in der Dorfmitte gerne als Starbucks von Saas Fee, was natürlich absoluter Quatsch ist. Denn: Der (Kolben-!) Kaffee ist um Welten besser, auf alt gemachte, miefig aussehende Sofas sucht man vergebens, und es kritzelt auch niemand falsche Namen auf überdimensionierte Pappbecher.

Hier geht es schlicht um Kaffee. Ins «Coffee» kommt jeder mal, die meisten regelmässig, so wie ich, andere nur bei Bedarf (etwa wegen Party-Nachwehen), und auch Geschäftliches oder Herzensdinge werden oft in einer Ecke bei gedämpfter Musik besprochen. Das «Coffee» ist sozusagen der Place to be, wenn man nüchtern ist und es auch bleiben möchte (obwohl es auch abends geöffnet ist und Alkohol ausgeschenkt wird). Denn der Kaffee ist so gut, dass jeder andere Gastronomiebetrieb im Dorf einpacken kann und es keinen Grund gäbe, etwas anderes zu bestellen. (Übrigens hält das «Coffee» auch den ersten Platz, was Croissants, Paninis und Muffins angeht.)

Doch das «Coffee» hält nicht nur das Kaffee-Monopol im Dorf. Nein, das «Coffee» gibt es sogar in zweifacher Ausführung (also doch ein bisschen Starbucks): Die zweite Filiale liegt auf 3500 Metern über Meer, in der ersten, nicht-drehenden Etage des höchsten Drehrestaurants der Welt auf dem Mittelallalin - und hält somit mit seinem erstklassigen Kaffe auch den Berg fest in der Hand.

Für mich gibt es keinen Tag auf dem Berg, an dem ich mich nicht noch halb pennend in die Gondel rein- und wieder rausbewege, um erst im «Coffee» - und mit Blick über 13 Viertausender - durch einen riesen Milchkaffee wieder ins Leben zu finden. Danke, «Coffee»!

Alle «Stadt - Berg einfach»-Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im SI-online-Dossier.