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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Überleben mit Paketen

Das Low-Budget-Girl hat in Saas Fee mit vereisten Strassen und kaputten Schuhen zu kämpfen. Doch nicht nur sie, sondern das ganze Dorf, hat die perfekte Lösung gefunden. Aus dem Bergdorf im Wallis hört man regelmässig die berühmten Zalando-Schreie.
Sarah Annina Rüegger Blog - Zalando-Schuhe auf dem Berg
© Getty Images

Zalando hat ein Berg-Monopol, sagt Bloggerin Sarah Rüegger.

Das erste Mal, dass ich mich damit konfrontieren musste, war eine absolute Notlage. Es war letzten Winter, wohl so etwas wie Februar, und ich kam nicht mehr den Weg zu meinem Haus hinauf. Ja, mir ging damals ernsthaft das Schuhwerk aus, mitten in der Hochsaison, supi. Und das Dorf war voller Eis. Eben grad so, dass ich den minimässig kleinen Anstieg zu meinem damaligen Studio schliesslich käferartig - halb auf Hintern, halb auf Knien - zurücklegen musste, weil meine Schuhe im Eis etwa noch so viel Halt boten, wie ein zwei Grössen zu grosser BH aus den Neunzigern. Schlicht: Ich brauchte neue Schuhe. Mit möglichst viel Profil, für möglichst wenig Geld.

Und so wurde ich zu dem, was ich nie zu werden gedacht hätte: eine Zalando-Kundin. Kein Zufall. Dass es in Saas Fee bald mehr Zalando-Kisten gibt als Einwohner, ist leicht erklärt. Man stelle sich vor, es wäre Hochsaison. Du bemerkst eine elementare modische oder funktionale Lücke in deinem Kleiderschrank. Zeit, um in die Stadt zu gehen hast du nicht, weil du ständig arbeitest, oder auf dem Berg rumrutschtst. Geld für die örtlichen Shops hast du sowieso nicht, und ohnehin haben zwei von drei Freundinnen dir schon die lässigen Stiefel aus dem Popcorn-Shop vor der Nase weggeschnappt. Kurz: Du bist am Arsch.

Und dann machen die einem das einfach so leicht. Suche: Stiefel, halbhoch, rockig, viel Profil. Schwups! Die Riesen-Auswahl ploppt auf, kurz durchgescrollt, voila! Preisklasse und Stil abgestimmt, mit Pay Pal bezahlt, Bestätigung gespeichert, drei Tage später liegen die Schätzchen auf der Post und das Bodeneis kann mich am Arsch lecken.

Es gibt wohl keinen im Dorf - weder Frau noch Mann - der noch nichts bei Zalando bestellt hat. Werbung ist nicht nötig, Zalando besitzt bereits ein regelrechtes Berg-Monopol und weiss wahrscheinlich gar nichts davon. Doch ehrlich, besonders in der Winterhochsaison triffst du täglich auf mindestens ein Zalando-Paket, das freudig nach Hause oder eiligst zur Post zurückgebracht wird.

Einige Freundinnen von mir bestellen oft für 300 bis 500 Franken Klamotten beim Online-Shop, nur um kurz darauf zwei Drittel wieder zurückzuschicken. Einfach, weil ein Mädchen eben auch fernab von grossen Shoppingmeilen ab und zu mal ein Einkaufserlebnis haben möchte, mit Suchen und Finden, anprobieren und als untauglich befinden. Oder weil sie sich halt irgendwie durch den harten Winter retten muss.

Letzten Winter verschliss ich jedenfalls vier Paar Stiefel, bis zur Eisuntauglichkeit. RIP ihr Süssen. Diesen Winter wird mich Zalando wohl einmal mehr retten müssen.

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