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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Auf die körperliche Unversehrheit, Prost!

Vor einem Jahr verunfallte Sarah Rüegger mit dem Snowboard. Die Bloggerin erinnert sich zum Jahrestag und fragt sich, warum man gewisse Feste feiert.
Freestyle Zürich 2014 Convention
© Keystone

Sollte Bloggerin Sarah Rüegger auf ihren Snowboard-Unfall anstossen?

Vergangenen Mittwoch jährte sich ein traumatisierender Tag in meinem Leben. Am 1. Oktober 2013 nämlich, erlebte ich den ersten Helikopterflug meines Lebens. Eingeschnürt und abgepolstert in einer Bahre in der Farbe eines Halloweenkürbisses.

Vielleicht eine halbe Stunde vor Abflug hatte ich ungewollt auf dem kleinen Kicker des Sommer-Fun-Parks in Saas Fee mit dem Snowboard ungewollt etwas angestellt, dass verdächtig nach einem versauten Backflip aussah. Ich betone: Ungewollt. Extrem ungewollt.

Kein Wunder, brach mein ungewöhnlich dünnes (O-Ton Chefchirurg) Schlüsselbein wie ein Farmerstengel, den man mit jemanden teilt.

Es folgte: Panoramaflug ins Spital, warten, zu schwache Schmerzmittel, Operation.

Danach schwor ich mir, dass ich bei meinem nächsten Helikopterflug gerne auch was sehen würde und mir vielleicht sogar ein Einheimischer mit unaufdringlichimem Witz die Berggipfel erklärt.

Anyway, ich hab diesen fragwürdigen Jahrestag vergessen. Hätte ich ihn feiern sollen? Auf die körperliche Unversehrtheit, Prost?

Ich meine, es gibt definitiv sinnentleertere Gründe, um zu feiern. Zum Beispiel heilige Feste, die nichts mit unserem Kulturkreis zu tun haben und deren einzige unkonventionelle Ausprägung es ist, sich gegenseitig an einem gewöhnlichen Dayrave mit teurem Bier mit Säcken von pulverisierter Farbe zu bewerfen. Ein Grund zum Feiern!

Oder runde Geburtstage. Ausser es steht noch eine Zwei vor der Null, ist das doch kein Grund zum Feiern. Trotzdem schlägt meine Jahresbilanz an Festen, wo der Runde jenseits der zwei gefeiert wurde, mit satten drei zu Buche. Ein Grund zum Feiern!

Oder Halloween. Einfach nur: Warum? Aber: Ein Grund zum Feiern!

Also könnte ich ja auch den Tag feiern, als mein Knochen wie ein trockenes Zweiglein, auf das man tritt, gebrochen ist.

Anyway, ich hab den Tag vergessen. Aber vielleicht stosse ich ja heute Abend noch mit einem Gläschen Walliser Weisswein darauf an. Denn dieses Wochenende stand ich am Ort des Unfallgeschehens das erste Mal seit April wieder auf dem Snowboard.

Auf die körperliche Unversehrtheit, Prost!

Weitere Blogs von Sarah Rüegger finden Sie im SI-online-Dossier.