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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Eine neue Art von Winterblues

In den Bergen hats bereits zünftig geschneit - aber nicht für Sarah Rüegger. Die Bloggerin muss in den Zoo. Und Neo Citran trinken.
Schnee trauriges Emoticon Smiley
© iStockphoto

Gerne würde sich Bloggerin Sarah Rüegger ihr Snowboard schnappen. Doch die Schneehänge müssen warten.

Es gibt Lebenssituationen, da vermisse ich Saas Fee ganz besonders. Manche sind ganz offensichtlich, wie letztes Wochenende, als nach den Metern an Schnee, die sich die Woche durch auf die Pisten gelegt hatten, die Bergbahnen erstmals wieder bis zur Mittelstation geöffnet waren und die Sonne am Samstag mild in die pulverigen Hänge schien. Nichts hätte ich lieber gemacht, als mein Board geschnappt, meinen Saisonpass für diesen Winter gelöst und dem Alltag den Finger gezeigt.

Doch ich hatte Verpflichtungen, so läuft das heute. Der lange versprochene Zoobesuch mit dem Patenkind stand tagsüber an, abends ein weiterer 30. Geburtstag einer weiteren guten Freundin, wo ich mich allen Ernstes als einziger Single unter etwa 25 Erwachsenen wiederfand, Schwangerschaftsverkündungen inklusive (die hängen mich nun endgültig ab!). Anyway, das ist irgendwie schön (wenn auch nach wie vor überrumpelnd) und machte Spass, versteht mich da nicht falsch. Ich komm mir nur manchmal etwas abnormal vor und denke, dass ich im nächsten Jahr mal gleich mit zwei bis drei Lovern gleichzeitig auftauchen sollte, um die vergangenen Jahre, die ich immer alleine an diesem Fest auftauchte, wettzumachen.

Anyway, das Thema suckt und ich nehme mir jetzt vor, mich zu den ansteigenden Zahlen von Velobungen, Hochzeiten, Schwangerschaften und Geburten in meinem Umkreis proportional immer weniger über meine sich steigernde Unfähigkeit eine Beziehung zu führen zu beklagen. Das ergäbe dann sicher ein hübsches Diagramm.

Eine Situation, in der ich Saas Fee offenbar ebenfalls ernsthaft vermisse, überraschte mich vergangene Woche. Ich hatte das Vergnügen, mir eine Blitzgrippe einzufangen (Blitzgrippe = schnell da, schnell wieder weg). Mit meinem katastrophalen Immunsystem auch kein Wunder, jedenfalls, wenn manche Gäste trotz einer fetten Influenzainfektion nicht auf eine Geburtstagsparty in einem Privathaus verzichten können. Nun gut. Ich lag da also und siechte so in meinem bakteriellen Elend dahin und wünschte mir nichts sehnlicher, als eine Tasse Neo Citran, als mir klar wurde: Krank sein ist so viel einfacher in Saas Fee. Denn: In Saas Fee, wo alle meine Freunde nur ein paar Schritte entfernt wohnten, hätte ein Anruf gereicht und jemand hätte mir meine Medis von der Apotheke geholt und vorbeigebracht können (und dann wahrscheinlich auch noch die Bettflasche gewechselt und neuen Tee aufgesetzt). Oder, wenn niemand erreichbar gewesen wäre, hätte ich mich die 20 Schritte selber hinschleppen können. Da, wo ich jetzt wohne, ist die nächste Apotheke eine Zugstation entfernt, also unerreichbar. Arschkarte.

Fazit: So eng und anstrengend ein Bergdorf auch sein kann, es hatte echt seine Vorteile. Sowieso wird der Winter nun wohl aufzeigen, dass der Winter im Unterland für mich zwar milder, aber eben auch härter ausfallen wird - ich sehe da sogar eine neue Art von Winterblues kommen. Denn seit ich zwei Winter in den Bergen verbracht hatte, wird der Winter im Unterland nie mehr derselbe sein.

Im Dossier: Alle «Stadt - Berg einfach»-Blogs