Blog Logo

Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Das Skateboard-Experiment 1.1

Snowboarden und surfen kann sie ja - also dürfte skateboarden nicht so schwierig sein, dachte sich Bloggerin Sarah Rüegger. Und fiel damit zünftig auf die Nase.
Blog Stadt - Berg einfach Themenbild Outdoor-Sport Skateboarding
© iStockphoto

Bloggerin Sarah hat sich für den Frühling ein Skateboard gekauft. So schnell wird sie es aber nicht wieder anrühren.

Nach fünf Minuten fragte ich mich, warum zur Hölle ich mir das antue. Ich rollte unaufhaltsam die eigentlich milde Neigung herunter, in gefühltem Höllentempo. Neben mir die Hauptstrasse. Kurven? Unmöglich. Bremsen? Hatte ich nie gelernt. Abspringen? Abspringen? Abspringen! Das Skateboard erwischte ich nicht mehr, weshalb das Ding auf die Strasse rollte und eine Vollbremsung auslöste, bevor ich das Ding endlich wieder zu fassen kriegte. Fuck!

Alles hatte mit einer aus meiner Sicht guten Idee begonnen. Das Snowboard so gut wie weggestellt, das Surfen noch in weiter Ferne und die Wakeboardschulen geschlossen. Also fragte ich mich, wie ich denn nun die Sonne ein bisschen actionreich geniessen kann, denn der Frühling ist da, da kann man nicht mehr drüber streiten. So dachte ich mir, wie toll es doch wäre, wenn ich Skateboarden könnte. So ein bisschen rumrollen, relaxed, ambitionslos, das wär doch was. Dachte ich mir. Blöd nur, dass ich das Ganze nie gelernt hatte, ich meine, in der Zeit, wenn man Skateboarden lernt, also so in etwa mit 12. Scheiss drauf, dachte ich mir und schon hatte ich - nachdem ich mich mit einigen erfahrenen Freunden ausgetauscht hatte - ein Skateboard bestellt. Cruiser nennt sich das Ding und sieht ein bisschen aus wie ein berädertes Surfbrett in Reiserucksackgrösse.

Genau 14 Tage stand es dann in der Ecke, wo ich es täglich argwöhnisch betrachtete. So schwer kann das ja nicht sein oder? Es ist ein Brett, mit dem man sich fortbewegt, also nichts, das mir gänzlich fremd wäre. Und trotzdem strahlte dieses einfachste aller Fortbewegungsmittel eine erstaunliche Bedrohlichkeit aus, so ganz ohne Bindungen, mit diesen mandarinengrossen Rädern und ohne Bremsen. Und ich hatte Ausreden. Regen ist schlecht für die Kugellager, sagte man mir, warum auch immer. Dann hatte ich so ein kleines Muskelkäterchen, das kann nicht gut sein für einen Anfänger. Und sowieso - wem sollte ich etwas beweisen, ich war schliesslich nicht mehr 12, oder 17 oder 27?

Doch das Ding hatte schliesslich ganz schön was gekostet und ich wollte doch etwas lernen, oder? Man lernt doch nie aus, oder? Und dazu will ich doch so grundsätzlich meine Ängste überwinden und sowas. Deshalb hatte ich auch weder Schoner noch Helm mitbestellt, ich will ja nicht in die Halfpipe damit, nur so von A nach B rollen, das sollte doch zu schaffen sein. Also raffte ich mich auf. Letzten Mittwoch. Und mein Gott, es war die Hölle.

Schon als ich das Ding auf den Asphalt stellte, rollte es mir fast davon, so schnell laufen die neuen Räder auf den neuen Achsen. Was sollte ich tun? Umkehren? Keine Chance. Ich musste zu einem Termin im Nachbarort rollen und der Zug war schon weg. Also nichts wie rauf auf das Ding. Schweissausbrüche. Das schaffe ich nie. Auftreten, mit dem rechten Fuss Schwung geben. Scheisse, die Balance. Nicht nach hinten rausfallen, bloss nicht nach hinten rausfallen! Rollen, Fuss aufstellen. Rollen. Rollen. Scheisse, zu wenig Schwung, also das Ganze nochmal. Zu langsam. Zu langsam. Zu schnell!

Der Rest ist Geschichte. Ich kam heil an, so viel kann ich sagen. Irgendwie. Überströmt mit Angstschweiss. Puls auf 200. Aber ich war ganz. Keiner wurde verletzt.

Seither habe ich das Ding nicht mehr angerührt. Da gibt es definitiv noch viel zu überwinden. Sehr viel. Es bleibt spannend. OMG. OMG!

Im Dossier: Alle Blogs von Sarah Rüegger