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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Fahsionshow - Bergwanderung einfach

Bloggerin Sarah Rüegger sucht nach stressigen Zeiten Ablenkung in den Bergen. Und stösst beim Wandern endlich mal wieder an ihre Leistungsgrenze.
Sarah Rüegger Blog Wanderung statt Modenschau
© ZVG

Einem echten Naturfreund vermiest so ein bisschen Wetter die Stimmung nicht, findet Bloggerin Sarah Rüegger.

Es ist dieser Moment, nachdem man sich mit noch nicht ganz kurierter Erkältung 2,5 Stunden steil bergauf geschleppt hat und man dann vor geschätzten 100 Treppenstufen steht. Und denkt: «Da soll ich rauf?»

Nach dem ganzen Modetrubel der letzten Wochen musste ich einfach raus.

Es ist ja so mit der Mode: Man arbeitet über Monate auf ein Ziel hin, auf eine Modenschau, dann ist der Tag da, man wartet, man kleidet die Models, dann, knapp 5 Minuten Show, Applaus. Und dann ist die Sache über die Bühne. Fertig, aus. Dieser Moment, dieses Danach, wird gerne als Loch bezeichnet, eine emotionale Blase. Man freut sich einerseits über das Lob, über die Euphorie, doch euphorisch, das sind die anderen. Du aber fühlst dich im Moment allein und innerlich ziemlich leer.

Dann die Zeit danach. Klar, sind da die Aufträge, klar, sollte man die Website auffrischen, klar. Aber irgendwie geht es eben auch darum, Abstand zu gewinnen.

Und nichts gibt mir mehr Abstand als die Berge.

Und es ist gut, die richtigen Freunde zu haben. Einer von meinen arbeitet zurzeit auf einer Berghütte im Berner Oberland, die Hüttenwartin ist eine Bekannte aus Saas Fee. Den ganzen Sommer über hatte ich keine Zeit, die beiden zu besuchen, der Besuch aber, der war angekündigt. So schnappte ich mir am Mittwoch spontan meinen Vater, um die Route von der Griesalp oberhalb von Reichenbach zur Rotstockhütte herab zu wandern. Eine Wahnsinnsroute, in jeder Hinsicht.

Leider verhüllten Wolken das berühmte Panorama. Doch einem echten Naturfreund vermiest so ein bisschen Wetter die Stimmung nicht und wir liefen voller Mut drauflos. Memo fürs nächste Mal: Ich sollte es zu Beginn etwas easier nehmen. Denn die Route führt einen ohne Gnade 2,5 Stunden und 1200 Höhenmeter bergauf. Gegen den Höchsten Punkt, die Sefinenfurgge auf über 2600 Metern über Meer, wird es immer steiler und ich muss gestehen: Noch mit einer halben Erkältung geschlagen kam ich endlich mal wieder an meine obere Leistungsgrenze. Dass vor dem Gipfel noch gefühlte 100 Treppenstufen in den steilen Berg montiert sind, machte die Sache noch etwas unfairer. Ich gebe zu, alle 15 Tritte japste ich nach Pause, es war erbärmlich. Vielleicht ein Grund, das Rauchen aufzugeben. Das Ganze hatte nicht nur optisch einen Hauch von Frodos und Sams Marsch zum Schicksalsberg in Mordor.

Endlich oben angekommen war ich verständlicherweise recht erleichtert, und hätten wir das Panorama gesehen, anstatt von Nieselregen gepeitscht zu werden, wäre der Schluck Wasser auf dem Gipfel auch ein wenig genussvoller ausgefallen, aber jänu. Da es von da an mehrheitlich bergab ging, bis zur Rotstockhütte, stimmte mich versöhnlich, da konnte auch der kurze Hagelschauer nicht mehr viel vermiesen.

Und in der Hütte wurden wir so gut umsorgt und genährt, dass am nächsten Morgen alle Strapazen wie weggefegt waren. Am folgenden Tag gings dann mit den leicht angesäuerten Muskeln weiterhin nur bergab, und zwar knapp drei Stunden durchs postkartenhübsche Mürren, runter bis nach Lauterbrunnen.

Und siehe da, der Modeblues war wie weggeblasen. Am Donnerstag Abend gabs dann übrigens noch mehr Berge. Spontan setzte ich mich mit meiner Freundin Valerie in den Zug und fuhr nach Saas Fee, wo wir unaussprechlich die Sau rausgelassen haben. Und ab heute nun endlich das, was man offiziell und ohne gross zu erklären als Ferien bezeichnen kann: Ich fliege nach Spanien ins Surfcamp. Oh dear, what a life.

Infos zur Route:

Griesalp - Sefinenfurgge - Rostockhütte: Angeschrieben mit 5 Stunden, wir habens in 3,5 mit Rast geschafft.
Rotstockhütte - Lauterbrunnen: Angeschrieben 4 Stunden, wir habens in 3 geschafft.
Verschiedene Routen führen zur Rotstockhütte, in gut zwei Stunden erreicht man sie ab Mürren.
Die Hütte ist noch bis Ende September offen, für die Übernachtung unbedingt im Vorfeld reservieren: 033/855 24 64 Hüttenwartin: Luzia Gisler