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Stadt - Berg einfach

Sarah suchte in Saas Fee den Kick. Und ist jetzt zurück in Zürich.

Winter ist scheisse - in der Stadt

Bloggerin Sarah Rüegger verliess ihr Bergleben und tauschte es mit dem Trubel in der Stadt ein - mit dem Resultat, dass sie ihren sonst so heiss geliebten Winter plötzlich deprimierend findet. Doch sie hat einen Plan.
Winter Zürich Matsch nicht Wonderland
© Keystone

Grau, trist und jede Menge Matsch: So sieht in den meisten Fällen der Winter in der Stadt aus.

Es taut. Wenigstens tat es das Ende der letzten Woche. Yeah, dacht ich mir, endlich. Yeah, endlich? Hatte ich mich tatsächlich dabei ertappt, mich auf den Frühling zu freuen? Sollten die warmen Temperaturen (fast 10 Grad!) bei mir echt so etwas wie Frühlingsgefühle wecken? Mich, das selbsternannte Winterkind? Was war passiert?

Nach zwei Wintersaisons und einem Sommer in den Bergen war ich überzeugt: Es gibt nichts besseres als Winter. Winter heisst Snowboarden, heisst Après Ski, heisst glücklich sein. Nun, vor acht Monaten kehrte ich diesem Leben den Rücken. Ich wohnte wieder in Stadtnähe, lebte wieder ein Leben, das auch als solches gesellschaftlich anerkannt ist, mit einem festen Einkommen, einer Wohnung, die diesen Namen auch verdient, und alltäglichen Problemen, die auch solche blieben. Fern von mickrigen Stundenlöhnen und erwerbs- und versicherungslosen Zwischensaisons, fernab von miefigen Studios und wochenfüllenden Dramen um nichts und nochmal nichts. Denn auch diese Gegebenheiten waren Eckpfeiler meines Saisonlebens, jene, die ich so gar nicht vermisse. Aber: Mein Leben spielte sich nun auch abseits der Pisten ab, abseits der kleinen Familien, die im Winter wuchsen und im Sommer schrumpften, um dann wieder zu wachsen.

Dieses Unterländerleben brachte aber auch eine Erkenntnis mit sich: Winter ist scheisse. In der Stadt. Ich hatte mir das Ganze nämlich ganz anders ausgemalt: Ich dachte, hey easy - wenn ich hier unten zu wenig Licht und Luft kriege, hau ich einfach in die Berge ab. Schliesslich bin ich ja zu 50 Prozent mein eigener Chef. Was daraus wurde: Je mehr Stadt, desto mehr Verpflichtungen. Familie und alte Freunde wieder in Reichweite, Arbeitgeber ebenso, Ämter warteten auf Papierzeugs und Auftraggeber auf Rechnungen. Logisch fehlte mir die Zeit, für die eigentlich so nötigen Fluchten in einen Winter, der Spass macht. Auch wenn ich theoretisch jederzeit über die Nebelgrenze hätte flüchten können - da hab ich schliesslich immer ein Bett, mein Snowboard und mein Saisonpass warten geduldig -, aber es ging einfach nicht. Hier ein Event, da zum Bier verabredet, hier ein Artikel, dort zum Essen eingeladen und ab und zu arbeite ich ja auch noch 50 Prozent in einem festen Job.

So hing ich den Grossteil des bisherigen Winters unter dem Stadtnebel fest. Und merkte: Das ist scheusslich. Winter in der Stadt ist grau und deprimierend, auf eine mehr als unangenehme Art nasskalt, Schnee heisst meistens nerviger Matsch oder schlecht gesalzene Trottoir-Eisbahnen, übel gekleidete Menschen (es gibt keinen Grund, Moncler-Jacken zu tragen – KEINEN!), übertriebene Weihnachtsbeleuchtungen und gnadenlos schlechter Glühwein an hoffnungslos überfüllten Holzprovisorien.

Und all das hatte ich in nur zwei Wintern vergessen? Offenbar. Jedenfalls habe ich ab sofort wieder vollstes Verständnis für das Schneegejammer der Untengebliebenen. Und ich brauche für den nächsten Stadtwinter einen guten Plan. Denn ein Zurück gibt es nicht. Vielleicht gibt es ein Vorwärts? Australien oder so? Wir werden sehen.

Für den Rest dieses Winters, der in Saas Fee offiziell bis Ende April dauert, hab ich mir jedenfalls vorgenommen, wenigstens meinen Saisonpass auszufahren, sonst ergeht es diesem am Ende noch wie meinem Schwimmbad-Abo von letztem Sommer...

Im Dossier: Alle Beiträge von Bloggerin Sarah Rüegger.